Felix tobt über die Koppel

Pünktlich zum 20-jährigen Bestehen erblickt Nachwuchs im Helbraer Zuchtstall das Licht der Welt

Gerd Wyszkowski feiert mit seinem Zucht- und Ausbildungsstall 20-jähriges Betriebsjubiläum. Der Weg dort hin war nicht immer einfach.

Von Daniela Kainz 12.05.2022, 15:00
Gerd Wyszkowski mit der Mitteldeutschen Sportpferddame Londonderry Lady und ihrem Fohlen Felix.
Gerd Wyszkowski mit der Mitteldeutschen Sportpferddame Londonderry Lady und ihrem Fohlen Felix. (Foto: Maik Schumann)

Helbra/MZ - Als kleiner Junge besuchte Gerd Wyszkowski den Leipziger Zoo und ließ sich mit einem Esel von einem Fotografen ablichten. Weil ihm das Buchstabieren seines Nachnamens für die Fotobestellung zu lange dauerte, wäre er beinahe zum Dieb geworden. Denn er ging in der Zwischenzeit mit dem Esel an der Leine weiter. „Am Eingang wurde ich schließlich aufgehalten“, erinnert er sich mit einem Lachen.

Leidenschaft für große Tiere

Wahrscheinlich liegt in diesem Erlebnis der Beginn seiner Leidenschaft für große Tiere: Sein Opa schenke ihm später ein Pony. „Die Pferde sind mit uns gewachsen“, erzählt er aus der Kindheit mit seinen beiden Brüdern. Als 16-Jähriger bekam der Helbraer dann seinen ersten Warmblüter.

In diesen Tagen blickt Wyszkowski nun auf sein Betriebsjubiläum zurück, das untrennbar mit der Liebe zu Pferden verbunden ist. Vor 20 Jahren gründete er den gleichnamigen Zucht- und Ausbildungsstall in seinem Heimatort. Bevor es dazu kam, ging Wyszkowski noch einen beruflichen Umweg.

Keine Begeisterung vom Berufswunsch Pferdewirt

Seine Eltern waren nämlich nicht wie er sofort Feuer und Flamme, als er ihnen von seinen Plänen erzählte, Pferdewirt zu werden. „Ich machte erst eine Lehre zum Kfz-Mechaniker und leistete meinen Zivildienst“, blickt er zurück. Pferdewirt und anschließend Pferdewirtschaftsmeister wurde er trotzdem - wenn auch einige Jahre später.

Ein Jahr vor der Unternehmensgründung stand noch die Geburtsstunde des Reit- und Fahrvereins „Weißes Tal Helbra und Umgebung“, dessen Vorsitzender der heute 43-Jährige ist. Interessierte Kinder können dort in ihrer Freizeit das Voltigieren erlernen und gemeinsame Stunden verleben.

Für das langjährige und treue Vereinspferd Günzel soll nun ein Ersatz gefunden werden. „Wir sind auf der Suche nach einem neuen Pferd“, so Wyszkowski. Geplant ist die Anschaffung eines elektrisch betriebenen Holzpferdes für das Training.

Fohlen Felix erblickt das Licht der Welt

In seinem Betrieb gab Wyszkowski dagegen dem Berufsnachwuchs eine Chance. Er bildete drei Pferdewirte aus, die ihre Prüfungen mit dem Prädikat „Auszeichnung“ absolvierten.

Den Alltag im Unternehmen meistert er zur Zeit gemeinsam mit einem Mini-Jober. 22 Pensionspferde stehen in den Boxen. Hinzu kommen die eigenen Pferde. Neben der Versorgung der Tiere kümmert sich Wyszkowski um das Futter, das er zum größten Teil selbst anbaut - das Heu wächst auf den eigenen Weiden. Und er bildet sowohl Pferde als auch Reiter aus und hat dafür die Trainerausbildung Dressur B.

Sein Vater ist außerdem eine verlässliche Stütze. Er hat bei der Zucht den Hut auf. Erst vor kurzem erblickte Fohlen Felix das Licht der Welt. Der nächste Nachwuchs wird erwartet.

Blick in den Pferdestall mit den Boxen.
Blick in den Pferdestall mit den Boxen.
(Foto: Maik Schumann)

Start mit Hindernissen

Besonders in der Startphase zum eigenen Unternehmen musste Wyszkowski hartnäckig am Ball bleiben. Auf die Baugenehmigung für den Reitstall wartete er drei Jahre. Doch er gab nicht auf und hat sich in der Branche Schritt für Schritt einen Namen gemacht.

Den langen Atem aus der Anfangszeit braucht der Helbraer heutzutage auch noch in der täglichen Arbeit im Betrieb und im Verein. Im Grunde genommen: „24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche, ganzjährig. Aber ich habe es so gewollt, und es macht mir immer noch Spaß.“