Rathaus

Zu wenig Personal: Jede fünfte Stelle im Jugendamt Dessau-Roßlau ist unbesetzt

Stadträte fordern von Stadtverwaltung mehr Initiative ein.

Von Heidi Thiemann 14.01.2022, 10:00 • Aktualisiert: 14.01.2022, 10:30
Das Rathaus in Dessau
Das Rathaus in Dessau (Foto: Thomas Ruttke)

Dessau/MZ - Das Jugendamt im Dessau-Roßlauer Rathaus steht vor Personalsorgen. Bald ist jede fünfte Stelle frei und zu vergeben.

„Wir haben Arbeit für 109 Mitarbeiter“, erklärte Jugendamts-Leiter Christian Deckert in der Sitzung des Jugendhilfeausschusses am Dienstag. Die Arbeit ist auf 105,5 Vollzeitstellen verteilt. Doch „aktuell sind 17 Stellen nicht besetzt“, sagte Deckert. Hinzu kommen sechs Stellen, die demnächst frei werden - je drei im allgemeinen Finanzwesen und drei in der Schulsozialarbeit.

Hohe Belastung fürs Personal: Bald fehlen 23 Mitarbeiter

Das Personalloch summiert sich dann auf 23 Stellen. Nicht nur die Arbeit der unbesetzten Stellen müsse kompensiert werden, sondern auch die normalen Ausfälle durch Urlaub oder Krankheit, verwies der Amtsleiter.

„Das geht so nicht“, sagte Ausschussvorsitzender Bastian George (Bündnis 90/Die Grünen) daher in der Sitzung, die per Videokonferenz abgehalten wurde. Die Arbeit müsse trotz der 20 Prozent nicht besetzter Stellen erledigt werden, sie könne nicht liegen bleiben. „Das wird dann auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen.“ Diese starke Belastung führe zwangsläufig zu weiteren Ausfällen und Fluktuation.

Eine Fluktuation von Mitarbeitern hält Sozialdezernent Jens Krause für normal. Er sagte aber auch: „Jedes Prozent nicht besetzter Stellen stört“.

Können freie Träger Aufgaben übernehmen?

Die Frage ist: Wie und vor allem wie schnell können die Personallücken geschlossen werden? „Stellenanzeigen auf Internetseiten reichen nicht mehr aus“, findet Gabriele Perl (SPD) und fordert von den Personalverantwortlichen im Rathaus, in Sachen Akquise in sich zu gehen. „Das alles jetzt noch klappt, ist nur dem Engagement der Mitarbeiter und der freien Träger zu verdanken“, sieht sie dringend Handlungsbedarf, um die Lücken zu schließen.

Für Ausschussmitglied Stefan Giese-Rehm stellt sich die Frage, ob Aufgaben des Jugendamtes eventuell an freie Träger übertragen werden könnten. Aber auch hier braucht es das entsprechende Fachpersonal.