Verstärkung für Berufsfeuerwehr

Verstärkung für Berufsfeuerwehr: Christoph Wittke hat erstmals Einsatzleitdienst

Dessau - Christoph Wittke hatte bis vor drei Jahren nichts mit Feuerwehr am Hut. Der Wirtschaftsingenieur hat am 1. Juli zum ersten mal Einsatzleitdienst.

Von Annette Gens

Eine Fahrt mit ständig schlechten Nachrichten kann unendlich lang sein, auch wenn eigentlich nur wenige Kilometer zurückgelegt werden müssen. Erlebt hat das erst kürzlich Christoph Wittke. Der neue Einsatzleiter bei der Dessauer Berufsfeuerwehr hat vor eineinhalb Wochen seine Feuertaufe bestanden.

Während seines Dienstes wurde Feueralarm ausgelöst. Es hieß, die Schule am Schillerpark brennt, es seien vier Personen vermisst. In weniger als zehn Minuten eilte der Feuerwehrzug zum Brandort. Wittke mit dem Leitfahrzeug - einem Kleintransporter - voraus.

„Ich habe während der Fahrt nur überlegt, welche Maßnahmen ich jetzt einleiten muss, dass wegen der Einsatzlage weitere Hilfe gebraucht und deshalb nachalarmiert werden muss. Die Informationen von der Leitstelle wurden immer beunruhigender“, schildert Wittke im Nachhinein die Fahrt zum „Brandort“. Nur eine Sekunde hatte er an eine Übung verschwendet, gesteht er. Denn üblich ist bei der Feuerwehr die Information „Personen vermisst“. Bei diesem Einsatz aber konnte die Zahl der Vermissten schon konkret und vor Eintreffen der Helfer angegeben werden.

Ein 33-jähriger Wirtschaftsingenieur wird künftig den Fachbereich „Vorbeugender Brandschutz“ verstärken

Dessau-Roßlaus Berufsfeuerwehr wird jünger. Ein 33-jähriger Wirtschaftsingenieur wird künftig den Fachbereich „Vorbeugender Brandschutz“ verstärken. Es ist Christoph Wittke. Er wuchs in Dessau auf, war Schüler der Sekundarschule Am Rathaus und legte später sein Abi in der Berufsschule „Hugo Junkers“ ab. Nach dem Ingenieursstudium lebte er sieben Jahre in Hamburg - für ihn „eine der schönsten Städte der Welt“ - dort arbeitete er als Wirtschaftsingenieur mit Schwerpunkt Immobilien.

Bis zu dieser Zeit, so gesteht er, habe er noch nie etwas mit einer Feuerwehr am Hut gehabt. Der entscheidende Tipp kommt von einem Freund, als Wittke mit seiner Frau und zwei kleinen Kindern in Leipzig wohnt und sein berufliches Leben als technischer Chef eines großen Centers hinter sich lassen möchte. Das war vor rund drei Jahren.

Da merzte er seine sportlichen Schwächen aus und büffelte für die Aufnahmeprüfung, die er bei den Berufsfeuerwehren in Leipzig, Halle und Dessau bestand. „Ich habe mich bewusst, für die Berufsfeuerwehr in Dessau entschieden“, erzählt er. „Dessau ist immer meine Heimat, bloß nicht mein Wohnort.“ Die Distanz zwischen Arbeits- und Einsatzort wählte er bewusst, weil es nicht unausweichlich sein wird, in Dessau Leid zu sehen und er an solche Ereignisse wie Unfälle oder Brände nicht ständig erinnert werden will. Die Ortskenntnis in Dessau aber kommt ihm zugute.

Wittkes prüft öffentliche Gebäude, ob sie brandschutztechnisch nach den Vorschriften gesichert sind

Zu Wittkes Arbeit im Amt für Brand- und Katastrophenschutz gehört es, öffentliche Gebäude, Betriebe und Anlagen danach zu überprüfen, ob sie brandschutztechnisch nach den Vorschriften gesichert sind. Es gibt keine Baugenehmigung für große Projekte, wenn sie die Feuerwehr nicht vorher geprüft hat. Auch zu jedem Straßenfest ist die Abteilung gefordert, um Rettungswege sicherzustellen. Da kommt ihm sein Wissen als Ingenieur zugute. Zu seiner Arbeit gehört aber auch künftig der 24-Stunden-Einsatzleitdienst.

Nach Abschluss seiner zweijährigen Ausbildung zum Feuerwehrmann im gehobenen Dienst im März wurde er mit dem Einsatzleitdienst vertraut gemacht. Er hatte aber bisher immer fachlichen Rückenhalt. Nach der Übung an der Sekundarschule steht Christoph Wittke am 1. Juli vor seinem ersten selbstständigen Einsatzleitdienst.

Zurück zur Übung, bei der er sehr sachliche Anweisungen gab, um die vier im Schulgebäude wartenden Schüler über die Drehleiter zu retten. Nach Übungsende nahm er seinem roten Helm ab und gab sich zu erkennen. Erst dann war er Christoph Wittke, Absolvent der Sekundarschule Am Rathaus. und Ulf Stopperka, jetzt Schulleiter in Dessaus Norden, sein Lehrer von früher. (mz)