Spielverderber, Blödsinn

Spielverderber, Blödsinn: Streit um Polizeieinsatz auf Mühlteich Mosigkau dauert an

Dessau-Rosslau - Ein Spielverderber und übervorsichtig sei er, „Blödsinn“ sei es gewesen, wegen ein paar Spaziergängern auf dem zugefrorenen Teich die Polizei zu rufen. Mosigkaus Ortsbürgermeister Jakob Uwe Weber muss sich derzeit viel Kritik gefallen lassen. Am Sonntag hatte er die Polizei verständigt, weil sich rund 40 Personen auf dem zugefrorenen Mühlteich aufgehalten hatten. Doch nun zeigt sich: Weber hat offenbar genau richtig gehandelt, denn der See hat seine Tücken, die schon Schlittschuhläufern ihr Leben gekostet haben ...

Von Oliver Müller-Lorey 16.02.2021, 08:14

Ein Spielverderber und übervorsichtig sei er, „Blödsinn“ sei es gewesen, wegen ein paar Spaziergängern auf dem zugefrorenen Teich die Polizei zu rufen. Mosigkaus Ortsbürgermeister Jakob Uwe Weber muss sich derzeit viel Kritik gefallen lassen. Am Sonntag hatte er die Polizei verständigt, weil sich rund 40 Personen auf dem zugefrorenen Mühlteich aufgehalten hatten. Doch nun zeigt sich: Weber hat offenbar genau richtig gehandelt, denn der See hat seine Tücken, die schon Schlittschuhläufern ihr Leben gekostet haben sollen.

So berichtet Karsten Lückemeyer, der in der Nähe des Teichs aufgewachsen ist, wie sein Vater in den 50er-Jahren zwei eingebrochene Kinder aus eben jenem Teich gezogen habe. Beide hätten den Unfall nicht überlebt. „Mir wurde immer eingebläut, unter keinen Umständen das Eis des Mühlteichs zu betreten. Das war ein absolutes No-Go“, sagt er.

Der Mühlteich werde als natürliches Gewässer durchströmt. Kleine, etwas wärmere Wasserflüsse würden dazu führen, dass die Eisdecke an manchen Stellen brüchig werde. „An manchen Stellen sieht sie noch dick und stabil aus, doch das ist trügerisch. Es muss nur eine Unterwasserpflanze die Strömung ableiten. Das macht das Eis unberechenbar“, sagt Lückemeyer.

Er findet, Weber hat verantwortungsvoll gehandelt. „Sicher hätte er auch wegsehen können, aber was wäre passiert, wenn doch jemand eingebrochen wäre?“ Das Eis zu betreten sei nicht nur unverantwortlich sich selbst gegenüber, sondern auch gegenüber möglichen Rettern, die sich in Gefahr bringen.

Eindringliche Warnungen, das Eis zu betreten, kommen auch von der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft Anhalt-Zerbst (DLRG), die auf Wasser- und Eisrettung spezialisiert ist. „Als Laie kann man überhaupt nicht beurteilen, ob das Eis trägt. Selbst wenn man am Ufer ein paar Probebohrungen macht, kann es weiter davon entfernt schon ganz anders aussehen“, sagt DLRG-Sprecher Nico Güth. Bohrungen durch Angler oder unterirdische Wärmeströmungen würden den Spaziergang auf dem Eis gefährlich machen.

Für den Fraktionsvorsitzenden der AfD, Andreas Mrosek, der sich ebenfalls im Internet zu dem Fall äußerte, ist all das übertriebene Vorsicht. „Scheinheiliger können die Ausreden von Ortsbürgermeister Weber nicht sein“, schreibt er. Die Mosigkauer würden sehr sorgfältig mit der Entscheidung, ob der Mühlteich betreten werden könne, umgehen. „Wieso ruft er denn die Polizei an und geht nicht selber hin, als Ortsbürgermeister? Das nehmen die Einwohner ihm jetzt natürlich übel“, so Mrosek.

Er glaubt unterdessen auch, dass nicht die Gefahr des Einbrechens die Polizei handeln ließ, sondern die Corona-Bestimmungen. Der Teich werde ja schon seit Jahrhunderten problemlos betreten. Sicher habe man nun die Gruppenbildung auf dem Eis unterbinden wollen.

Belege dafür gibt es nicht. Im Gegenteil: So bestätigt Stadtsprecher Carsten Sauer auf MZ-Anfrage, dass die Feuerwehr keinen der zugefrorenen Teiche in Dessau-Roßlau freigegeben hat.

„Wer eine Eisfläche freigibt, trägt auch die Verantwortung für die Sicherheit“, sagt er. Es gebe keine Vorgabe, wie dick eine Eisfläche sein müsse, um freigegeben zu werden. „Das Betreten von Eisflächen ist in jedem Fall gefährlich, weshalb in der Vergangenheit auch stets grundsätzlich davor gewarnt wurde“, erklärte Sauer. (mz)