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Schlaganfall Schlaganfall: Kampf zurück ins Leben

Von DANNY GITtEr 27.05.2013, 18:38
Eberhard Lawrenz (r.) im Gespräch mit Gästen.
Eberhard Lawrenz (r.) im Gespräch mit Gästen. Ruttke Lizenz

DESSAU/MZ - Ständig auf Achse, ständig unter Strom und Essen nur so nebenbei. „Ich hatte richtig viel Stress im Beruf“, erinnert sich Eberhardt Lawrenz. Im Außendienst einer großer Firma hat er nach der Wende gearbeitet und sich mit diesem Leben arrangiert. Nur sein Körper, der wollte irgendwann nicht mehr mitmachen. Eines morgens wachte Lawrenz auf und dachte, dass ihm die linke Körperhälfte nur eingeschlafen sei. Doch es wurde nicht besser. Das Taubheitsgefühl blieb und er fiel in ein Koma. Nachdem ihn am Nachmittag seine Frau fand, wachte Lawrenz wieder im Kreiskrankenhaus Sangerhausen auf. Halbseitig gelähmt, die Sprache blockiert. Was ihm und den Ärzten im ersten Moment noch nicht klar war, wurde dann zur Gewissheit. Lawrenz hatte einen Schlaganfall erlitten.

Wertvolle Zeit verstrich bis zur Verlegung und Behandlung in einer Hallenser Spezialklinik. Vor 21 Jahren war das. „Im Vergleich zu heute war das noch eine relativ unbekannte Krankheit“, sagt der Altersrentner, der mittlerweile in Dessau-Roßlau lebt und seit seinem Umzug hierher eine örtliche Selbsthilfegruppe Aphasie (erworbene Sprachstörungen) und Schlaganfall mit aus der Taufe hob.

Leben neu definieren

Am Sonnabend gestalteten die Mitstreiter der Selbsthilfegruppe zusammen mit dem Städtischen Klinikum den diesjährigen Aktionstag gegen Schlaganfall. Fachvorträge, Blutzucker- und Blutdruckmessungen und vor allem Gespräche und Informationsaustausch boten die drei Stunden am Klinikum. Bereits zum 14. Mal fand dieser Aktionstag hierzulande statt. Diese Präsenz ist Lawrenz, dem Sprecher der Selbsthilfegruppe Aphasie/Schlaganfall, wichtig. Denn jährlich kommen bis zu 400 neue Fälle in der Region hinzu.

„Aber nur zwei bis drei Betroffene kommen im Jahr neu zu uns“, sagt Lawrenz. 45 Männer und Frauen sind in Dessau-Roßlau in der Selbsthilfegruppe organisiert. „Was machen die anderen?“, fragt er. Denn diese Krankheit ist für die wenigstens nur temporär. Die meisten begleiten die Nachwirkungen und Ausfallerscheinungen ein Leben lang. „Man muss sein Leben danach neu definieren“, berichtet Lawrenz aus eigener Erfahrung. Zudem fehlt bei den Kostenträgern Schlaganfallpatienten eine Lobby.

Sprachrohr für Betroffene

Einen Landesverband haben er und andere kürzlich gegründet. Der Dessau-Roßlauer will sich auch auf Bundesebene vernetzen und Sprachrohr für Betroffene sein. Das ist sein innerer Antrieb, für all die Umstände, die ihm die Krankheit gebracht hat. „Ich musste einen langen Weg gehen“, erinnert sich Lawrenz. „Man kann daraus aber auch Lebensmut schöpfen.“ Diese „Jetzt-erst-Recht-Haltung“ hat Lawrenz auch geholfen, schon 1994 in Sangerhausen eine Selbsthilfegruppe zu gründen und nach ein paar Jahren sogar wieder in den Beruf zurückzukehren, bis er 1999 einen zweiten Schlaganfall erlitt. Da wurden sofort alle notwendigen Maßnahmen eingeleitet. Bis auf wenige Einschränkungen fühlt sich Lawrenz heute wohl. Stress, den macht er sich, seit er vor 13 Jahren Altersrentner wurde, nicht mehr. Die wahre Ursache wurde, so sagt Lawrenz, bei ihm nicht rausgefunden.

„Die größten nicht genetisch bedingten Risikofaktoren für Schlaganfall sind Rauchen, Trinken, Übergewicht, Bewegungsarmut und Bluthochdruck“, sagt Thomas Stache, Neurologe und Oberarzt am Städtischen Klinikum. In dieser Hinsicht habe er ein vorbildliches Leben geführt, so Lawrenz. „Es kann jeden treffen“, warnt sein Mitstreiter Jörg Hundt, der durch einen Schlaganfall sein Leben komplett umkrempeln musste. Seinen Beruf als Lehrer musste der Roßlauer aufgeben. Heute hat er sich mit der Malerei als regionaler Künstler mittlerweile einen Namen gemacht. Beide wollten am Sonnabend zeigen, dass es ein Leben nach dem Schlaganfall gibt.

Stimmt der Blutdruck? Diesen zu messen, gehörte zum Angebot.
Stimmt der Blutdruck? Diesen zu messen, gehörte zum Angebot.
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