Schiffernixe beschimpft

Schifferfest in Roßlau: Shitstorm bricht über neue Schiffernixe herein

Roßlau - Das Heimat- und Schifferfestbegeistert die Massen. Aber die Schmähkritik an neuer Schiffernixe empört die Veranstalter ebenso wie Diebstähle.

Von Danny Gitter 29.08.2016, 11:04

Ob da Manchem zum 25. Roßlauer Heimat- und Schifferfest die Hitze zu Kopf gestiegen ist? 

Christel Heppner, die Vorsitzende des ausrichtenden Fördervereins der Schifferstadt Roßlau, kann sich im ersten Moment  nicht erklären, warum  mancher Schatten ausgerechnet auf das Jubiläum fiel.

„Ein tolles Fest mit vielen Attraktionen und spektakulären Shows“, steht für Heppner auf der einen Seite der Bilanz. Aber auch Sachbeschädigungen, ein spektakulärer Diebstahl und ein großer Shitstorm gehören zum 25. Heimat- und Schifferfest, das am Sonntag zu Ende gegangen ist.

Veranstalter des Schifferfests lässt auf Facebook Dampf ab

Einen Tag zuvor war der  Fördervereinsvorsitzenden endgültig der Geduldsfaden gerissen: Mit einem wütenden Post auf der Vereins-Facebookseite schrieb sich Heppner den Frust über die  negativen Begleiterscheinungen des Festes  von der Seele. „Wir bitten darum, die Verbalschlacht um unsere Schiffernixe sofort zu beenden“, forderte sie.

Vorausgegangen waren Beleidigungen und Pöbeleien, die schon zur Wahl am Donnerstagabend im Festzelt begannen und später in einem großen Shitstorm im Internet fortgesetzt wurden.

Kritiker machen gewählter Schiffernixe Vorwürfe wegen Vergangenheit

Nach Meinung ihrer Kritiker ist die am Donnerstagabend gewählte 19. Schiffernixe Lisa-Marie Scharabatka  für das Amt nicht tragbar, weil es  Vorwürfe zu Vorgängen aus ihrer persönlichen Vergangenheit gab.

„In Gesprächen räumte unsere neue Nixe ein, dass es früher zu Problemen  gekommen  sei“, bestätigt Heppner auf Nachfrage. „Einen Grund, ihr das Amt zu entziehen, sehe ich aber nicht“, betont sie.

Nach Angaben von Scharabatka seien diese Probleme vor fünf Jahren überwunden worden. Heute arbeitet die 24-Jährige erfolgreich als Friseurin und lebt in einer festen Beziehung. „Jeder hat doch wohl eine zweite Chance verdient“, sagt  Heppner an die Adresse der Schmähkritiker.

Ist Schmähkritik an neuer Schiffernixe nur Ausdruck von Neid der Konkurrenz?

Für sie steckt in den Reaktionen auch sehr viel Neid. Gegen vier Konkurrentinnen hatte sich Lisa-Marie Scharabatka am Donnerstagabend durchgesetzt. „Das Amt der Schiffernixe ist mittlerweile sehr begehrt“, konstatiert Heppner. Zu offiziellen Roßlauer Anlässen und Empfängen repräsentiert die Nixe. Es ist Prominenz für ein Jahr, die offenbar viele junge Frauen gern wollen.

Deshalb beobachtet Heppner schon seit Jahren Sticheleien und Beschimpfungen am Rande der Wahlen. Doch dieses Jahr ist die Situation  eskaliert. Von Anzeigen wegen Beleidigungen will Heppner zunächst absehen.

Förderverein stellt Anzeigen nach Fahnendiebstahl

In anderen Fällen hat das 25. Heimat- und Schifferfest noch ein polizeiliches und möglicherweise juristisches Nachspiel. Unbekannte haben mehrere Fahnenmasten in der Allee der Elbestädte beschädigt und zum Teil verbogen. Die Fahne der tschechischen Stadt Kolin wurde entwendet.

Der Förderverein hat Anzeigen bei der Polizei wegen Sachbeschädigung und Diebstahl gegen unbekannt gestellt. Rangeleien und Schlägereien zwischen mehreren Personen am Samstagmorgen auf dem Festgelände sind nach Erkenntnis des Vereins, des DRK und der Polizei dagegen ohne Folgen geblieben.

Gesamtbilanz zum Roßlauer Schifferfest dennoch positiv

„Von den negativen Begleitumständen lassen wir uns aber nicht die Gesamtbilanz vermiesen“, betont Christel Heppner. Denn gerade die Abendveranstaltungen waren ein großer Erfolg. Das Neptunfest, ein Konzert von „Bell Book und Candle“ sowie eine Lasershow begeisterten Tausende Besucher am Samstagabend, die nach Veranstalterangaben friedlich feierten.
Dass das Fest einmal so große Dimensionen annehmen würde, davon wagten die Akteure der ersten Stunde vor 25 Jahren noch nicht zu träumen. „Mit Musik aus dem Autoradio und kleinen Fahrgeschäften haben wir 1991 angefangen“ erinnert sich Klemens Koschig, der damalige Roßlauer Bürgermeister. Mit den Jahren ist das Fest größer und professioneller geworden. Seit dem Jahr 2009 hat der Förderverein der Schifferstadt die Organisation von der Stadtverwaltung übernommen.
Im Schnitt 30.000 Besucher zählt das Fest an den insgesamt vier Tagen. Auch viele Dessauer werden unter den Gästen gesichtet. Damit gelingt zumindest schon einmal beim Feiern der Brückenschlag der Doppelstadt. 2017 könnte dann ganz im Zeichen der zehnjährigen Städtefusion wieder ein Jubiläum auf dem Schifferfest gefeiert werden. (mz)