Protest in Kochstedter Waldsiedlung

Protest in der Waldsiedlung in Dessau: Lieber Wald als neue Häuser?

Dessau - „Wir wollen keine Querulanten sein“, betont Regina Ewald von der Bürgerinitiative „Keine Waldrodung zur Erweiterung der Waldsiedlung“, die sich am Mittwochabend gegründet hat. „Mit sachgerechten Diskussionen wollen wir aber das Schlimmste verhindern“, macht sie ...

Von Danny Gitter

„Wir wollen keine Querulanten sein“, betont Regina Ewald von der Bürgerinitiative „Keine Waldrodung zur Erweiterung der Waldsiedlung“, die sich am Mittwochabend gegründet hat. „Mit sachgerechten Diskussionen wollen wir aber das Schlimmste verhindern“, macht sie deutlich.

Müssen 40 teils massive Bäume gefällt werden?

Das Schlimmste wäre aus Sicht der Initiative eine Fällung von über 40 , teils massiven, Bäumen für zehn neue Eigenheime am östlichen Ortseingang von Kochstedt. Über 50 Interessierte kamen in den großen Saal der Gaststätte „Grüner Baum“. Über 500 Unterschriften sammelten die neun Initiatoren bereits für ihr Anliegen.

Seit über zehn Jahren liegen Pläne beim Stadtplanungsamt vor, nordwestlich des Straßenzuges „Grauer Steinhau“ Baugrund zu erschließen. Ursprünglich war eine Anlage für betreutes Wohnen von Senioren geplant. Dann kaufte mit der Real Bau Dessau GmbH ein neuer Investor den vorgesehenen Baugrund und beantragte bei der Stadt eine Änderung des Bebauungsplans zugunsten von zehn neuen Eigenheimen.

Erste Proteste gab es bereits 2016

Das rief bereits im vergangenen Jahr ersten heftigen Protest hervor. Mehrere Eingaben wurden an die Stadt geschrieben. Das Verfahren zur Änderung des Bebauungsplans ging weiter.

Nach mehrheitlicher Zustimmung im Kochstedter Ortschaftsrat, im Bauausschuss und im Stadtrat, können noch bis Ende des Monats weitere schriftliche Widersprüche beim Stadtplanungsamt eingereicht werden. Diese werden dann bei einer neuen Fassung des geänderten Bebauungsplans, der dann wieder zur Abstimmung in verschiedenen Gremien steht, berücksichtigt.

Sorge um Wohnqualität und Naturschutz

„Am besten wäre es, wenn der neue Bebauungsplan nicht realisiert würde“, sagt Ewald. Sie und die meisten ihrer Mitstreiter wohnen in unmittelbarer Nähe des geplanten Erweiterungsgebietes. Noch ist es eine idyllische Waldrandlage. Mit der geplanten Erweiterung um zehn neue Eigenheime sehen die Hausbesitzer ihre Wohnqualität und vor allem den Naturschutz gefährdet. „Die Fällung der 47 Bäume hätte weitreichende Folgen für ganz Kochstedt“, bilanziert Ewald.

Streng geschützte Käfer- und Vogelarten, wie Hirschkäfer, Eremit und Waldkauz würden ihren Lebensraum verlieren. Jeder zu fällende Baum würde nach Recherchen der Bürgerinitiative fehlen, um bis zu 100 Kilogramm Feinstaub pro Jahr zu binden oder täglich bis zu 18 Kilogramm Kohlenstoffdioxid in Sauerstoff zu verwandeln.

Anwohner verweisen auf andere Baumöglichkeiten

„Aus unserer Sicht ist diese Maßnahme auch städtebaulich kaum nutzbringend“, sagt Ewald. Wer bauen will, der hat nach Meinung der Initiatoren genügend Ausweichmöglichkeiten, in der Kochstedter Hirtenhausiedlung mit 65 neuen Baugrundstücken ebenso wie in der Kleinkühnauer Großen Lobenbreite mit 50 Grundstücken.

Die Liste ließ sich lang fortsetzen. Um den Investor zu entschädigen, plädiert die Initiative für einen Grundstückstausch, wohl wissend, dass das noch viel Überzeugungsarbeit braucht.

››Kontakt zur Initiative kann per Mail buergerinitiative-kochstedt@web.de aufgenommen werden. (mz)