Oldtimer als Filmstar

Oldtimer-Star: Warum sich sich Uwe Ochsenknecht in die "Knutschkugel" aus Dessau-Roßlau verlibet hat

Dessau - Der Dessauer Oldtimerstammtisch hatte an diesem Wochenende zu seiner Frühjahrsausfahrt zum Ochsenkopf in der Dübener Heide geladen.

Von Danny Gitter 02.05.2016, 10:35

„Darf man sich da mal reinsetzen?“ Wolfgang Siewert zögert nicht. Natürlich darf man. Die Autotür geht auf. Nach vorn. Und drin sitzt man in einer Knutschkugel. In einer Knutschkugel? Ja. Das ist der Spitzname der BMW Isetta 250, die Siewerts ganzer Stolz ist - und die am Sonnabend auf dem Marktplatz zwischen Dutzenden anderen Oldtimern entzückt.

Der Dessauer Oldtimerstammtisch hatte an diesem Wochenende zu seiner Frühjahrsausfahrt zum Ochsenkopf in der Dübener Heide geladen. Dutzende regionale Besitzer alter zwei- und vierrädriger Schätzchen aus Ost (Simson, Trabant, Wartburg) und West (Mercedes, BMW, Opel) standen deshalb von 10 bis 13 Uhr auf dem Marktplatz - und wurden von hunderten Besuchern bestaunt. Da wurde fotografiert und auch gefachsimpelt.

Eigentlich eine Notlösung

Siewert genoss diese besondere Atmosphäre sichtlich. Sein kleines rotlackiertes Schmuckstück stach raus aus der Masse der anderen Fahrzeuge. „Das war schon immer ein Kindheits- und Jugendtraum“, sagt der 74-Jährige. In Berlin 1942 geboren, dann im ersten Lebensjahr nach Köthen gezogen, seit acht Jahren Mosigkauer, war Siewert schon in den 1950er Jahren von den Knutschkugeln auf Westberlins Straßen fasziniert.

Dann kam der Mauerbau und ein Jahr später das Produktionsaus des ersten Aushängeschilds der Bayerischen Motorenwerke in München nach dem Zweiten Weltkrieg.

BMW wurde erwachsen und baute, wie Siewert sagt, „richtige Autos“. Denn ursprünglich war das von einem italienischen Designer entworfene Zwischending zwischen Motorrad und Auto nur eine Notlösung von BMW, um wieder Fuß im Automobilsektor zu fassen und eine drohende Pleite des Konzerns abzuwenden. Der Zweisitzer mit Fronttür war vor allem eins: erschwinglich.

Isetta als Menschenmagnet

Mit dem wachsenden Wohlstand wurden viele Isettas aber schnell wieder entsorgt. Mit etwas Abstand wurden die „Knutschkugeln“ dann aber erst zu Raritäten und schließlich zu Kult. Daher nutzte Siewert auch die Chance vor vier Jahren, als er im Internet ein Verkaufsangebot entdeckte. Zwei Jahre tüftelte und schraubte der ehemalige Feinmechaniker, Köthener Berufsschullehrer- und Schulleiter zusammen mit einer Köthener Spezialwerkstatt an seinem Internet-Fundstück aus Baujahr 1956, um es wieder flott für die Straße zu machen. Es gelang. Seitdem wird die Isetta immer wieder für besondere Ausfahrten aus der Garage in Mosigkau geholt.

Im Alltag ist Siewert der Marke BMW und der kleinen Größe treu geblieben - und fährt einen Mini. Bei den Frühjahrs- und Herbstausfahrten des Oldtimerstammtischs aber wird die Isetta herausgeholt. Zwischendurch geht es auch Mal zum Kaffeetrinken nach Wörlitz. Siewert und seine Frau genießen diese Fahrten. Bei Pausen oder am Ziel angekommen, dauert es nie lange, bis sich kleine Menschentrauben bilden.

Keiner drängelt bei der Isetta

„Ist man auf der Straße mit diesem Auto unterwegs, sind die anderen immer besonders freundlich“, hat Siewert festgestellt. Da drängelt niemand. Da pocht keiner auf seine Vorfahrt. „Selbst grimmige Lkw-Fahrer können sich eines freundlichen Gesichts nicht erwehren“, erzählt der Oldtimerfreund.

Oft beschränken sich die Ausfahrten bei einer möglichen Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h vernünftigerweise auf Landstraßen in der Region. Doch Siewert war auch schon mal auf der Autobahn unterwegs - und erreichte beim Versuch, einen Brummi zu überholen in dessen Windschatten 90 km/h. Ein stiller Triumph.

Filmreifes Auto

Einen Ausflug mit seiner Isetta ist dem Mosigkauer nicht nur selbst im Gedächtnis geblieben, dieser ist auch für die Nachwelt dokumentiert. Für den ZDF-Dreiteiler „Ku'damm 56“ mit Claudia Michelsen, Heino Ferch und Uwe Ochsenknecht, der erst vor wenigen Wochen im Fernsehen lief und das Leben im Berlin der Fünfziger Jahre porträtierte, hatte Siewert seine Isetta für einige Szenen zur Verfügung gestellt.

Ein Filmscout hatte dafür Kontakt zum Dessauer Oldtimerstammtisch aufgenommen. Am Filmset in Berlin wurden selbst die Stars zu Kindern. „Besonders Uwe Ochsenknecht“, freut sich Siewert, „hat es die Isetta angetan.“ (mz)