Neujahrsempfang

Neujahrsempfang in Dessau-Roßlau: OB Kuras kündigt Bauprojekte für Kristallpalast und Ex-Berufsschule an

Dessau-Roßlau - Für die Dessauer Innenstadt kündigen sich zwei neue Bauprojekte an. Der Kristallpalast soll abgerissen werden und ein Neubau für ein Wohn- und Geschäftshaus entstehen. Dazu laufen Gespräche mit dem Eigentümer und einem ...

Von Lisa Garn

Für die Dessauer Innenstadt kündigen sich zwei neue Bauprojekte an. Der Kristallpalast soll abgerissen werden und ein Neubau für ein Wohn- und Geschäftshaus entstehen. Dazu laufen Gespräche mit dem Eigentümer und einem Bauträger.

Darüber hat Oberbürgermeister Peter Kuras am Sonntag beim Neujahrsempfang im Anhaltischen Theater informiert. Außerdem bereitet die Stadt eine Konzeptausschreibung für das Areal der ehemaligen Berufsschule am Schloßplatz vor, damit dort ein Hotel gebaut werden kann. Mehrere Interessenten stünden bereit.

Kuras sieht diese Projekte als Teil eines Dreiklangs, mit dem die Stadt der Demografie begegnen könne. Der demografische Wandel sei die größte Herausforderung, vor der Dessau-Roßlau stehe. Die Stadt verliert weiter Einwohner - wenn auch nicht mehr so stark.

Viele Bauprojekte wurden 2017 in Dessau-Roßlau vorangetrieben

„Um gegenzusteuern sind drei Dinge nötig: „Es müssen Arbeitsplätze geschaffen werden. Wir müssen eine lebenswerte Stadt sein, das betrifft vor allem die Innenstadt. Und wir müssen eine familienfreundliche Stadt sein“, so Kuras.

In seiner Rede hatte er zuvor auf 2017 geblickt und seine Bilanz gezogen. Viele Veranstaltungen und Projekte hätten Dessau-Roßlau vorangebracht. Die erste große Kampagne der Stadtmarketinggesellschaft für eine bessere Vermarktung der Stadt, die Fertigstellung der Muldebrücke, Kultur- und Sportveranstaltungen mit Gästen weit über die Region hinaus, der Start für die Umgestaltung der Kavalierstraße, Baubeginn am Roßlauer Industriehafen für ein trimodales Logistikzentrum, Ausbau des schnellen Internets und andere Bauprojekte.

Erinnerung an das Geschaffte und an das, was in Dessau-Roßlau noch zu schaffen ist

Kuras erinnerte an das Geschaffte und an das, was noch zu schaffen ist. Aber auch an die negativen Ereignisse: die Absage der Landesgartenschau 2022, an den Mord an der chinesischen Studentin Yangjie Li 2016, der die Menschen auch im vergangenen Jahr beschäftigt hatte, und an der Streit um den Stadtnamen, bei dem sich „Roßlau zu weiten Teilen getäuscht und übergangen fühlte“.

Am Ende der Debatte habe die Stadtmarketinggesellschaft Anteil, die in ihrer Kampagne erfolgreich eine „moderne und originelle“ Bauhausstadt profiliert habe.

Als Sprung nach vorn sieht Kuras das Ranking von „Focus Money“, das vor wenigen Tagen veröffentlicht wurde und bei dem Dessau-Roßlau sich um 16 Plätze auf Rang 357 von 381 verbessert hatte. Bei einem anderen, größer angelegten Vergleich, beim „Focus Erfolgsatlas“, war die Stadt 2015 und 2016 auf dem letzten Platz gelandet.

OB Kuras findet klare Worte zum Thema Integration in Dessau-Roßlau

„Man muss solche Rankings ernst nehmen, ohne sie aber zu überschätzen“, so Kuras. Damals jedenfalls war der Auftrag zu einem Zukunftskonzept für Dessau-Roßlau die Antwort. Es wird nun die politischen Gremien passieren. Wesentliche Inhalte des Zukunftskonzepts sollen Bürgern bei Stadtgesprächen vermittelt werden.

Eines der Bestandteile ist die engere Verzahnung von Wissenschaft und Wirtschaft. Teil davon ist ein Kompetenzzentrum für Bahntechnologie. Die ersten Weichen dafür sind gestellt: ein Verein als Netzwerk verschiedener Unternehmen und Institutionen.

Ungewöhnlich klare Worte fand Kuras beim Thema Integration: „Es läuft nicht immer so, wie man es sich vorstellt.“ Grundsätzlich halte Dessau-Roßlau als weltoffene und tolerante Stadt ihre Türen auf. Allerdings habe es „unerfreuliche Ereignisse in den letzten Monaten“ gegeben, die zwar teilweise als Einzelfälle einzustufen seien. Aber: „Wer die Gesetze und Regeln nicht anerkennt, der kann in Dessau-Roßlau nicht willkommen sein.“

OB Kuras verwies auf einen ambitionierten Investitionsplan für 2018

Kuras verwies zudem auf einen ambitionierten Investitionsplan für 2018: Im Haushaltsentwurf sind 54,2 Millionen Euro eingestellt. Abhängig davon, ob die Fördermittel auch kommen. Die Sanierung der Gemäldegalerie im Schloss Georgium wird fortgesetzt, Straßen im Zentrum wie die Schill-Straße und die Fritz-Hesse-Straße sollen erneuert werden.

Am Hauptbahnhof wird gebaut: Die Bahn saniert Bahnsteige, die Stadt gestaltet Vorplatz und Busbahnhof neu. Kuras machte aber auch klar: Die Haushaltslage ist angespannter als in den Jahren zuvor - vor allem wegen investitionsbedingter Steuerausfälle und Mehrausgaben beim Unterhaltsvorschussgesetz.

Zum Schluss richtete Kuras noch einen Appell an Entscheidungsträger der Stadt - für eine demokratische Gesellschaft. „Lassen Sie uns auch künftig an einer liberalen Zivilgesellschaft arbeiten, in der Chancen gleich verteilt sind, Bildung einen zentralen Stellenwert hat“ und sich die Bürgerschaft aktiv einbringe. „Wir dürfen nicht zulassen, dass das soziale Gefüge in der Stadt in eine Schieflage gerät, dass Menschen zurückgelassen werden“.

Seit dem 1. Januar wird auf Briefköpfen der Landesbehörden für Bauhausjubiläum geworben

Ein Punkt, den auch Petra Grimm-Benne (SPD), Sachsen-Anhalts Ministerin für Arbeit, Soziales und Integration, in ihrer Rede aufgriff. Sachsen-Anhalt habe zwar ein „durchaus erfolgreiches Jahr hinter sich“. Dennoch habe es den Ruf als „Billiglohnland“ oder „AfD-Land“, viele hätten „die Schnauze voll von Politik und Politikern“.

Viele würden durch Raster fallen. Genau die aber müsse man erreichen. Unter anderem durch ein Arbeitsmarktprogramm des Landes für Menschen ab 35 Jahren, das Langzeitarbeitslosigkeit abbauen soll.

In ihrer Rede blickte Grimm-Benne für Dessau-Roßlau auch schon auf 2019: „Das Bauhaus-Jubiläum wird ein voller Erfolg, von dem die Stadt nachhaltig profitieren wird.“ Schon seit dem 1. Januar werde auf den Briefköpfen der Landesbehörden mit dem Jubiläum geworben. (mz)