Mini-Bibliothek

Mini-Bibliothek: Eine Dessauer Telefonzelle wird zum Bücherparadies

Dessau - Wie aus einer alten Telefonzelle eine Minibibliothek wurde und warum es am Umweltbundesamt in Dessau nun ein Rund-um-die-Uhr-Erlebnis gibt.

Von Silvia Bürkmann 06.05.2016, 15:03

Gegensätze ziehen sich ja bekanntlich an. Und so findet sich am Wörlitzer Platz im Umweltbundesamt (Uba) die größte deutschsprachige Umweltbibliothek Europas eben neben einer winzigen öffentlichen Straßenbibliothek. Die Minibibliothek ist eingezogen in eine ausgediente, umgestaltete Telefonzelle vor dem Haupteingang. Und sie hat 24 Stunden an sieben Tagen in der Woche geöffnet.

Bring ein Buch – nimm ein Buch – lies ein Buch

Frei nach dem „Motto: Bring ein Buch – nimm ein Buch – lies ein Buch“ wird Altes neu genutzt, und zwar kostenfrei im öffentlichen Raum. „Das ist Nachhaltigkeit zum Erleben und Anfassen“, meinte Uba-Vizepräsident Thomas Holzmann zur Vorstellung der Bücherbox. Zog sich Stendhals „Kartause von Parma“ aus dem aufgereihtem Lesestoff und setzte sich zum Blättern auf die Holzbank, die die Zelle umrahmt.

Von der Nachhaltigkeit der Bücherbox vor dem Uba spricht schon ihre Entstehungsgeschichte. Denn der Umbau der ausrangierten Telefonzellen (von Berlin aus gingen 15 deutschlandweit „auf Wanderschaft“) erfolgte in berufsübergreifenden Gruppen durch Auszubildende und Berufsschüler. Hier waren berufsbezogene Kenntnisse verschiedener Gewerke gefragt. So zum Beispiel im Metallbau, bei der Holzbearbeitung und Elektrotechniker. Maler und Lackierer schafften sich ebenso bei der Box-Ausgestaltung wie Zimmerer oder Statiker. Ganz nachhaltig auch die Einspeisung von Solarenergie über eine autarke kleine Photovoltaikanlage auf dem Dach.

Nachhaltig gedacht

Hinzu kommen kulturelle und kreative Aspekte für Kommunikation und das Design. Durch das freie Geben und Nehmen von Büchern erschließt sich unmittelbar, was mit nachhaltigem Lebensstil und neuer Ökonomie des Tauschens und Schenkens gemeint ist.

Das Konzept der Nachhaltigen Bücherbox entwickelt hat das Institut für Nachhaltigkeit in Bildung, Arbeit und Kultur ab 2010 um den Berliner Konrad Kutt in Kooperation mit verschiedenen Partnern. Das Grundkonzept unterscheidet sich mit seinen sozialen, ökologischen, kulturellen und zivilgesellschaftlichen Wirkungen von anderen Bücherschränken, Büchertischen und -regalen. Die jeweiligen Partner betreuen auch Funktionstüchtigkeit, Sauberkeit und Inhalte der Minibibliothek.

Die 16. „Nachhaltige Bücherbox“ ist 2015 fertiggestellt worden in Kooperation von Umweltbundesamt und Grüner Liga. Die kleine Bibliothek auf der Straße aber ist thematisch nicht an Umweltthemen gebunden. Zu finden sind Bücher aller Genres. Zuerst wurde die Buchbox Blickfang beim Netzwerk-Kongress der Grünen Liga in Lübeck. Nächste Etappe war das Bioenergiedorf Bollewick in Röbel-Müritz in Mecklenburg-Vorpommern, ehe die Buchbox Anfang April nach Dessau gebracht wurde.

„Jetzt bleibt sie hier bis September“, kündigt Uba-Vize Holzmann an. Im Anschluss ist ihr ein Platz beim nächsten Netzwerk-Kongress in Dortmund gesichert. (mz)