Lily-Herking-Platz

Kunstinstallation in Dessau: Dieser Riesen-Smiley grinst ab Dienstag vom Lily-Herking-Platz

Dessau - Seit Tagen steht eine mysteriöse blaue Kiste auf dem Lily-Herking-Platz. Hin und wieder öffnete sich eine Tür, Leute verschwanden darin. Aber so richtig viel passiert ist nicht. Am Montagmittag dann wurde zumindest ein Teil des Geheimnisses ...

Von Ute König 14.03.2017, 07:00

Seit Tagen steht eine mysteriöse blaue Kiste auf dem Lily-Herking-Platz. Hin und wieder öffnete sich eine Tür, Leute verschwanden darin. Aber so richtig viel passiert ist nicht. Am Montagmittag dann wurde zumindest ein Teil des Geheimnisses gelüftet.

Ein riesiger Smiley wird ab Dienstag die Passanten angrinsen

Ein Kran gesellte sich zu dem Container und hievte eine Konstruktion aus Stahl und Neonröhren auf den Platz: ein riesiger Smiley. Der wird ab Dienstagabend die Passanten leuchtend angrinsen - oder sie traurig anschauen. Das hängt ganz vom Energieverbrauch des Dessau-Roßlauer ab. „Public Faces II“ heißt diese Lichtinstallation, die von der Energieavantgarde Anhalt (EAA) vor dem Alten Theater platziert wird.

Der Smiley soll mit dabei helfen, die Energiewende in der Region voran zubringen. Genau dieses Ziel hat sich die EAA gesteckt. „Die Energieflüsse sind aber ein sehr abstraktes System“, sagt Rolf Hennig, Projektadministrator bei der EAA.

Für Laien sind sie kaum nachvollziehbar. Deswegen wurde nach einer Möglichkeit gesucht, diese relativ einfach und vor allem  anschaulich darzustellen. Gefunden wurde sie in der Installation der Künstler Julius von Bismarck, Benjamin Maus und Richard Wilhelmer. „Der Smiley ist einfach auch ein Symbol, mit dem jeder etwas anfangen kann“,  so Sebastian Wunderlich, Projektsteuerer bei der EAA.

Regional erzeugte Energie wird zur Mimik

Konkret soll mit dem „Public Face II“ visualisiert werden, wie es um das Verhältnis von Erzeugung und Verbrauch aus erneuerbaren und konventionellen Energien in der Region Dessau-Roßlau sowie Teilen des Landkreises Anhalt-Bitterfeld steht.

Je mehr regional erzeugte erneuerbare Energien genutzt werden, desto größer fällt das Lächeln des leuchtenden Smileys aus. Sind Erzeugung und Verbrauch ausgeglichen, schließt der er entspannt die Augen. Werden mehr konventionellen Energien genutzt, wird aus dem fünf Meter großen Grinsegesicht ein trauriger Smiley.

„Beim Thema Klimawandel und der Energiewende gibt es natürlich viele verschiedene Meinungen“, sagt Richard Wilhelmer. „Wir haben den Smiley so programmiert, dass er positiv gestimmt ist, wenn die Ressourcen der Welt verschont werden.“

Die Daten zu den Energieflüssen erhalten die Künstler von der energy & meteo systems GmbH im 15 Minutentakt. Mit einem eigens entwickelten Algorithmus werden diese in die Mimik des Smileys übersetzt.

Die Smiley-Installation ist seit 2008 in verschiendenen Städten gewesen

Dessau ist nicht die erste Stadt, in der das „Public Face“ zu sehen ist. Entwickelt wurde die Installation für das Medienfassaden Festival 2008 in Berlin. Danach ging es unter anderem nach Wien, Stuttgart, Lindau am Bodensee und zuletzt sogar nach Schweden. 

Das ursprüngliche Konzept des Smileys war, die Emotionen von Passanten zu erkennen und zu imitieren. „Eigentlich ist es eine lustige Sache“, so Wilhelmer. Es hatte jedoch einen ernsten Hintergrund. „Es sollte ein Symbol für den gläsernen Menschen sein.“

Der Smiley wurde für Dessau eigens modifiziert

Für Dessau und die Energieavantgarde Anhalt, die von der Innogy Stiftung finanzielle Unterstützung für das Projekt erhält, wurde das „Public Face“ modifiziert - deshalb der Zusatz „II“.  Leuchten wird der Smiley hier bis zum 25. Juni. (mz)