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Vier Orte unter Beobachtung Interaktive Unfall-Karte veröffentlicht - Hier kracht es in Dessau-Roßlau am häufigsten

Von Silvia Bürkmann Aktualisiert: 15.08.2021, 08:48
Mit roten Punkten markierte Unfallorte mit Personenschaden in Dessau-Roßlau.
Mit roten Punkten markierte Unfallorte mit Personenschaden in Dessau-Roßlau. (Screenshot: Unfall-Atlas 2020 (Statistische Ämtes des Bundes und der Länder))

Dessau-Rosslau/MZ - Egal ob Blechschaden, oder Schwerverletzter: Früher wurden nach jedem Unfall Stecknadeln mit verschiedenfarbigen Köpfen in die Landkarten an der Bürowand gepikst. Und die Polizisten in Stadt und Land hatten die Übersicht über das Unfallgeschehen in ihrem Beritt. Heute öffnet sich per Klick der sogenannte Unfallatlas. Vom Statistischen Landesamt herausgegeben, gibt er Aufschluss darüber, wo es in der Stadt besonders oft kracht.

Viele Unfälle konzentrieren sich auf das Dessauer Stadtzentrum

Auch ungeübten Kartenlesern springt es sofort ins Auge: Im weit ausgedehnten Stadtgebiet Dessau-Roßlaus sammeln sich die roten Punkte im Dessauer Innenstadtbereich. Hier ereignen sich die meisten Verkehrsunfälle, bei denen Personen verletzt worden sind. Besonders eng wird es im kleinen Ring zwischen Askanischer Straße, Steinstraße, Post- und Albrechtstraße.

Polizeioberkommissar Torsten Wünsch, Sachbereichsleiter Verkehrsorganisation und zugleich Geschäftsführer der örtlichen Verkehrsunfallkommission überrascht der jetzt veröffentlichte Atlas für das Jahr 2020 nicht: „Wir waren es doch, die ihn mit den Daten gefüttert haben.“

Unterm Strich ist der Polizeibeamte mit der Auflage 2020 nicht unzufrieden, im Gegenteil: Dessau-Roßlau hat seit Jahren keine Unfallschwerpunkte mehr. Diese Klassifikation verlangt bestimmte Parameter und ist bundesweit einheitlich geregelt. Dazu gehören neben der Unfallhäufigkeit auch bauliche Gegebenheiten und Mängel. In Dessau-Roßlau hätten alle in der Unfallkommission versammelten Mitwirkenden aus Behörden, Organisationen, Vereinen und Unternehmen vorherige Unfallschwerpunkte entschärft. Sie sind nur noch zu „Unfallstellen“ heruntergestuft.

Von denen stehen in der Doppelstadt aktuell noch vier unter Beobachtung. An der Kreuzung B184 (Mannheimer Straße) und Junkersstraße hat es laut Unfallatlas im Vorjahr zwölf Verkehrsunfälle gegeben, davon einen mit einer leicht verletzten Person. Am Muldeck, wo sich B185 und Askanische Straße treffen, hat es 14 Mal gekracht (ein Leichtverletzter). Gleich nebenan, im Bereich Muldebrücke, Abzweig Friederikenplatz schepperte es 16 Mal und es gab drei Leichtverletzte. Hier spielten oftmals Spurwechsel auf der Brücke eine Rolle. Und die vierte im Bunde ist die Einmündung der Hünefeldstraße/Alte Landebahn. Hier gab es neun Unfälle, vier schwer- und eine leichtverletzte Person.

An der  Ecke Alte Landebahn Hünefeldstraße kracht es noch häufig.
An der Ecke Alte Landebahn Hünefeldstraße kracht es noch häufig.
(Foto: Sebastian)

Welche Folgen das hat, können die Autofahrer inzwischen selbst sehen (Siehe auch Infokasten „Umbauten...“) An besagter Stelle wurde inzwischen die Vorfahrt geändert und deutlicher angezeigt. Mit Stoppschild und Haltelinie. Auch die Sichtverhältnisse im Einmündungsbereich wurden durch den Rückschnitt von Sträuchern und Gewächsen klarer. „Jetzt halten die Linksabbieger an und tasten sich vorsichtig an den Abzweig heran“, sagt Wünsch. Bislang gab es an dieser kritischen Ecke im Dessauer Westen noch keinen Unfall. Die Maßnahmen scheinen zu wirken.

Nicht immer aber können Baumaßnahmen und neue Verkehrszeichen Unfälle verhindern. So war bei den zwei tödlichen Unfällen 2020 in Zuständigkeit des Polizeireviers persönliches Fehlverhalten schuld. Beide Male waren Fahrradfahrer betroffen. Zu einem der tödlichen Unfälle kam es im November in der Roßlauer Wiesenstraße an einer Grundstücksausfahrt. Warum aber auch der Unfall im April kurz vor Möhlau in der Dessauer Statistik zu Buche schlägt, bleibt bislang unklar.

Verkehrsunfallkommission ist wegen Corona 2019 das letzte Mal zusammengekommen

Infolge der Kontakteinschränkungen während der Corona-Pandemie ist die örtliche Verkehrsunfallkommission 2019 das letzte Mal zusammengekommen. Neben der Polizei sind das Mitstreiter aus der Stadt vom Ordnungsamt und Bauamt, aus dem Landesstraßenbaubetrieb, von der Verkehrswacht sowie Verbänden für Auto- und Radfahrer - unter Corona-Bedingungen zu viele Menschen in einem Raum. Daher setzt die Verkehrsorganisation im Polizeirevier jetzt zwangsläufig auf kurze Wege. Und kleine Runden mit einem Mindestmaß von Beteiligten bei Vor-Ort-Treffen.

„Wir stehen mit unseren Ansprechpartnern immer digital und telefonisch im Kontakt. Sollte sich irgendwo ein größeres Problem herauskristallisieren, kommt die Information sofort zu uns“, hofft Torsten Wünsch dennoch im nächsten Jahr wieder die komplette Verkehrsunfallkommission an einen Tisch holen und von Gesicht zu Gesicht über Problemstellen sprechen zu können.