Helfer werden knapp

Helfer werden knapp: Dessauer Tafel sieht Mitarbeiter und Ehrenamtliche am Limit

Dessau - Durch Unterstützung zweier Firmen fahren Autos der Dessauer Tafel jetzt mit neuen Logos. Vorstand sieht Mitarbeiter und Ehrenamtliche am Limit.

Von Sylke Kaufhold 10.07.2018, 08:31

Weithin sichtbar sind die leuchtend roten Logos, die seit kurzem auf den drei weißen Transportern der Dessauer Tafel prangen. Damit zeigt sich jetzt auch die Dessauer Einrichtung in der Öffentlichkeit mit dem neuen Logo des Bundesverbandes der Tafeln, das seit vorigem Jahr gilt. „Damit treten alle Tafeln deutschlandweit mit einem einheitlichen Logo auf“, erklärt Andreas Lohpens vom Vorstand der Dessauer Tafel den Hintergrund.

Ohne Unterstützung von Dessauer Firmen freilich hätte der Verein die „von oben verordnete“ Logoänderung nicht umsetzen können. „Deshalb bin ich sehr froh, dass uns die Werbeagentur Graffix GmbH und die ETB Bauunternehmen zur Seite sprangen“, so Lohpens. Für beide Firmen war es die erste Hilfeleistung für die Tafel.

„Wir haben Schriftzug und Logo auf die Autos gebracht, zum Selbstkostenpreis“, berichtet Steffen Strömer, Geschäftsführer der Graffix GmbH. Matthias Spröte, Firmenchef der ETB Bauunternehmen übernahm die Finanzierung. „Wir sind gefragt worden, ob wir helfen können und haben das gern getan“, sagt Spröte. Als Dessauer Firma gehört für uns das soziale Engagement für die Stadt dazu.

Mehr als 1.000 Kunden werden wöchentlich von der Dessauer Tafel versorgt

Vor dem, was die Helfer der Tafel täglich leisten, zieht Matthias Spröte den Hut. Mehr als 1.000 Kunden stehen in den Listen, die regelmäßig mit Lebensmitteln versorgt werden. Wie wichtig diese Hilfe für die Betroffenen ist, weiß er aus eigener Erfahrung. „Ich kenne die Tafel auch von der anderen Seite“, sagt er, „ich habe meine Firma aus Hartz IV gegründet.“

Für die Sorgen von Andreas Lohpens hat er deshalb ein sehr offenes Ohr. Und kann sie gut nachvollziehen. „Mir brechen die Leute weg“, bringt dieser das Problem auf den Punkt. Fünfzehn Helfer für das Kistenpacken seien in den letzten zwei Jahren ausgeschieden. „Und es kommt kaum einer nach.“ Drei bis vier Fahrer braucht es täglich, um die Lebensmittel aus den Kaufhallen heranzufahren.

Drei Fahrer gibt es. „Die müssen alle sechs Tage die Woche durchfahren“. Hinzu kämen die Fahrten einmal wöchentlich zu den Ausgabestellen am Zoberberg und in Coswig. Auch das Feriencamp der Stadt im Erlebnisbad Roßlau wird mit Lebensmitteln der Tafel versorgt. 40 Kinder erholen sich dort in drei Durchgängen jeweils eine Woche lang und werden mit Frühstück und Mittag versorgt.

Noch bis zum Jahresende stärken zehn Ein-Euro-Jobber die Reihen der Tafel-Mitarbeiter

Auch die Kleine Arche und der Jugendklub Zoberberg erhalten einmal in der Woche Obst, Gemüse und andere Lebensmittel von der Tafel. Auch in den Ferien. Eine Pause gibt es derzeit nur bei der Frühstücksversorgung in den Schulen. „Das möchten wir alles auch weiterhin tun, aber wir kommen an unsere Grenzen“, sagt Lohpens.

Noch bis zum Jahresende stärken zehn Ein-Euro-Jobber die Reihen der Tafel-Mitarbeiter. Sechs Bundesfreiwilligendienstler sind bis Ende August da. „Aufgefüllt“ werden die Reihen mit etwa 15 Ehrenamtlichen, die in Dessau, Roßlau und in der Kleiderkammer in der Wasserstadt tätig sind.

„Das ist ein Unternehmen hier, das kann man nicht nebenbei führen“

„Einige Bufdis wollen ehrenamtlich weitermachen“, klammert sich Andreas Lohpens an diese Hoffnung. Auch Franziska Paul hat dies versprochen und wird es auch tun, wie sie sagt. „Ich werde meine Freizeit hier verbringen, das ist ein Herzensprojekt für mich geworden“. Auch sie kennt die Tafel als Kundin und weiß, wie wichtig sie für die Menschen ist. „Auch als Ort der Begegnung, denn viele haben keinen zum Reden.“

Als Bufdi habe sie nun kennengelernt, wieviel Arbeit dahinter steckt. „Das ist ein Unternehmen hier, das kann man nicht nebenbei führen“. Es bräuchte wenigstens einen hauptamtlichen Leiter und eine Bürokraft, findet sie. Eine Erkenntnis, die im Rathaus seit langem bekannt ist. Eine Lösung des Problems wurde zwar angekündigt, aber noch nicht umgesetzt. (mz)