Haseloff bestätigt Anfrage

Haseloff bestätigt Anfrage: Stellt IDT Biologika in Dessau bald den russischen Impfstoff „Sputnik V“ her?

Dessau-Roßlau - Der russische Corona-Impfstoff „Sputnik V“ könnte in Dessau-Roßlau hergestellt werden. Dass es eine entsprechende Anfrage der Entwickler an die Pharmafirma IDT Biologika gab, bestätigte am Dienstag Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff ...

Von Julius Lukas und Thomas Steinberg

Der russische Corona-Impfstoff „Sputnik V“ könnte in Dessau-Roßlau hergestellt werden. Dass es eine entsprechende Anfrage der Entwickler an die Pharmafirma IDT Biologika gab, bestätigte am Dienstag Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU).

Zurückhaltender äußerte sich IDT-Geschäftsführer Jürgen Betzing. Gegenüber der Mitteldeutschen Zeitung sagte er: „Wir äußern uns grundsätzlich nicht zu kundenspezifischen Projekten.“ Auf dem Impfstoffsektor sei die IDT jedoch einer der wichtigsten globalen Akteure. „Unser Know-how ist aktuell sehr gefragt“, sagte Betzing.

IDT Biologika hat acht Millionen Dosen des Impfstoffes von Astrazeneca ausgeliefert

Das zeigt sich derzeit auch daran, dass die Dessau-Roßlauer Firma seit Januar den Impfstoff von Astrazeneca teilweise produziert und ihn anschließend abfüllt und verpackt. Die ersten acht Millionen Dosen sind laut Betzing bereits ausgeliefert worden.

Bei „Sputnik V“ handelt es sich um ein vom staatliche Gamaleja-Forschungszentrum für Epidemiologie und Mikrobiologie in Russland entwickeltes Präparat, das bereits im August vergangenen Jahres präsentiert wurde. Allerdings gab es bisher nur wenige Forschungsdaten zum Mittel. Anders als in Russland ist der Impfstoff in Europa auch noch nicht zugelassen.

Allerdings bescheinigte eine gerade im renommierten Fachblatt „The Lancet“ veröffentlichte Studie „Sputnik V“ eine hohe Wirksamkeit von 91,6 Prozent. Die dort präsentierten Daten wurden auch von unabhängigen Wissenschaftlern, etwa aus Großbritannien, bewertet. Reiner Haseloff zeigte sich am Dienstag offen gegenüber dem russischen Mittel.

„Wir gehen da tabufrei heran. Alles, was nützt, wird unterstützt“, sagte er. Auch Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte sich zuletzt ähnlich geäußert. Allerdings müssten Impfstoffe aus Russland oder auch China erst von der Europäischen Arzneimittelbehörde zugelassen werden. Einen solchen Antrag hatten die „Sputnik V“-Entwickler im Januar eingereicht.

IDT-Chef hält Produktionsstart frühestens in vier bis fünf Monaten für möglich

Bevor die Produktion in Dessau-Roßlau starten könnte, würden laut IDT-Chef Betzing jedoch noch mindestens vier bis fünf Monate vergehen. „Das wäre sehr ambitioniert, aber wir trauen uns das zu.“ Wieso man nicht sofort mit der Herstellung beginnen kann, erklärte bereits am Montag IDT-Chefentwickler Andreas Neubert in einem Interview mit dem Deutschlandfunk. Demnach verfüge man über keine Kapazitäten, „die wirklich frei sind, aber wir haben Kapazitäten, die wir ausbauen könnten“.

Neubert warnte vor Illusionen, mit der Vergabe von Lizenzen an andere Hersteller sei alles getan, um mehr und schneller Impfstoffe auf den Markt zu bekommen. Für die Produktion brauche es die Kenntnis des gesamten Verfahrens und „die Kollegen, die die Entwicklung vorangetrieben haben. Die wissen, wie es geht.“

IDT Biologika hängt beim eigenen Impfstoff zwei Monate hinterher

Fortschritte macht indes der Impfstoff, den die IDT zusammen mit anderen Forschungseinrichtungen entwickelt. Anfang Januar war das Projekt gestoppt worden, da bei einer ersten Studie die Immunantwort geringer ausfiel als erwartet. „Wir haben den Impfstoff noch einmal optimiert und liegen etwa zwei Monate hinter unserem eigentlichen Zeitplan“, sagte Jürgen Betzing.

IDT Biologika hatte vom Bundesforschungsministerium im vorigen Jahr 114 Millionen Euro für die Impfstoffentwicklung erhalten. Außerdem sicherte der Bund zu, fünf Millionen Dosen eines dann fertigen IDT-Mittels zu kaufen. (mz)