Geplanter Bürgerdialog abgesagt

Geplanter Bürgerdialog abgesagt: Dessauer Hotel lädt AfD aus

Dessau-Rosslau - Die Alternative für Deutschland (AfD) ist im Hotel Radisson Blu Fürst Leopold offenbar nicht willkommen. Das Hotel hat kurzfristig die Dessau-Roßlauer AfD ausgeladen, die für diesen Freitag einen Bürgerdialog geplant hatte. Um innere Sicherheit und die Asylpolitik der Bundesregierung sollte es gehen. Dabei gab es bereits einen Vertrag zwischen der rechtspopulistischen Partei und dem Hotel, der der MZ ...

Von Lisa Garn 08.03.2016, 20:33

Die Alternative für Deutschland (AfD) ist im Hotel Radisson Blu Fürst Leopold offenbar nicht willkommen. Das Hotel hat kurzfristig die Dessau-Roßlauer AfD ausgeladen, die für diesen Freitag einen Bürgerdialog geplant hatte. Um innere Sicherheit und die Asylpolitik der Bundesregierung sollte es gehen. Dabei gab es bereits einen Vertrag zwischen der rechtspopulistischen Partei und dem Hotel, der der MZ vorliegt.

Einen nicht unerheblichen Anteil an der Absage dürfte die Kurt-Weill-Gesellschaft haben: Sie hatte die Leitung des Hauses darauf hingewiesen, dass die Positionen der AfD mit dem Kurt-Weill-Fest, das auch im Radisson Blu läuft, unvereinbar seien.

Auf Anfrage wollte sich das Radisson Blu nicht zu den Gründen äußern. Im Haus finden immer wieder auch politische Veranstaltungen statt, so der SPD-Neujahrsempfang und die Talkrunde am Montag mit Gregor Gysi sowie Wulf Gallert (beide Die Linke).

Der AfD sei am Montag telefonisch abgesagt worden, erklärt der Dessau-Roßlauer Kreisvorsitzende Andreas Mrosek. „Man erklärte mir, dass es eine versehentliche Doppelbelegung des Saals gibt.“ Er vermutet allerdings andere Gründe: „Die AfD ist dort nicht erwünscht und das ist der Versuch, sie politisch auszugrenzen.“ Der Vertrag bestehe seit vergangener Woche. Zuvor habe man explizit darauf verwiesen, dass die AfD die Veranstaltung durchführen wird, dass wegen zu erwartender Proteste Polizeischutz organisiert werde.

„Mit beidem hatte das Hotel kein Problem“, so Mrosek. Auch zur nachträglichen Anfrage für ein Podest im Saal habe es eine Zusage gegeben. Eingeladen hatte Mrosek zwei AfD-Landtagsabgeordnete aus Brandenburg sowie ein Mitglied des AfD-Landesvorstands Sachsen-Anhalt. „Dann stand die Ankündigung am Samstag in der Zeitung - und am Montag machte das Hotel einen Rückzieher.“

Ein Fest als Gegenpol

Das Vorgehen sei „völlig inakzeptabel“. Die Veranstaltung fällt nun wahrscheinlich komplett aus: Zwar hätte ein anderes Hotel für Donnerstag zugesagt, so Mrosek, allerdings sind an diesem Tag die Redner verhindert. Gegen die Veranstaltung hatte die Kurt-Weill-Gesellschaft interveniert. „Die AfD vertritt Positionen zur Flüchtlings- und Asylpolitik, zu Integration und künstlerischer Freiheit, die mit dem Ansinnen des Kurt-Weill-Festes unvereinbar sind“, sagt Thomas Markworth, Präsident der Kurt-Weill-Gesellschaft. Die Gesellschaft stehe ausdrücklich für die Erinnerung an den jüdischen Komponisten und damit an Flucht, Vertreibung, staatliche Repression gegen Künstler und Kunst.

Es gehe neben dem künstlerischen Anspruch auch um eine politische Botschaft. „Mit dem Fest setzen wir ein starkes Zeichen für Menschenrechte, Integration und künstlerische Freiheit.“ 450 Künstler aus 25 Nationen seien während des Festivals zu Gast, das noch bis zum Sonntag läuft. „Das Fest ist ein Gegenpol zu den Inhalten und Zielen der AfD. Sie verkürzt und vereinfacht komplexe Themen auf Schlagworte, das ist das Gefährliche. Damit emotionalisiert sie vor allem in der Flüchtlingsfrage und schürt Ängste“, so Markworth. „Eine AfD-Veranstaltung während des Kurt-Weill-Festes im Festival-Hotel, das zugleich auch Veranstaltungsort ist, ist für uns nicht vorstellbar.“ Im Radisson Blu befindet sich ebenso das Festivalbüro, viele Künstler sind im Haus untergebracht. (mz)