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Gefahr für Eichen im Biosphärenreservat

Dessau/MZ. - Jogger wundern sich darüber und so mancher Spaziergänger schüttelt verständnislos den Kopf. Doch im Winter sollen hier sogar größere Bäume fallen. Ein Frevel?

Von Claus Blumstengel 16.10.2007, 17:24

Jogger wundern sich darüber und so mancher Spaziergänger schüttelt verständnislos den Kopf. Doch im Winter sollen hier sogar größere Bäume fallen. Ein Frevel?

Fehler der Vorfahren

"Ganz und gar nicht", sagt der Leiter des Betreuungsforstamtes Dessau, Michael Weninger. Es gehe darum, die amerikanische Rot-Esche, einen Fremdling in hiesigen Breiten, zurückzudrängen. Rot-Eschen wurden vor etwa 200 Jahren in der Elbaue gepflanzt, als Parkbaum, aus Interesse an fremdländischen Pflanzen, zur Holzgewinnung und weil der Baum auch längere Überflutungen verträgt.

Die Folgen dieses Imports konnten die Forstleute damals nicht absehen: Einer Invasion gleich breiten sich die Sprösslinge dieser fremden Bäume aggressiv aus, nehmen dem Nachwuchs einheimischer Arten wie Gemeine Esche, Eiche, Hainbuche, Ulme, Erle und Pappel das Licht und verdrängen diese schließlich. Ohne Eingriff der Forstleute droht sich das Biosphärenreservat, in dem rund 30 Baumarten vorkommen, zur Rot-Eschen-Monokultur zu entwickeln. Wenn in dem Gebiet mehr als 30 Prozent auswärtige Baumarten wachsen, könnte das laut Forstexperte Weninger sogar zur Aberkennung des Status als "Flora-Fauna-Habitat" (FFH) durch die Europäische Union führen.

"Im Beckerbruch, einem außergewöhnlichen, ökologisch wertvollen Waldstück, ist über Jahrzehnte forstwirtschaftlich wenig passiert", deutet Weninger an, dass es nun höchste Zeit zum Handeln sei. Nun sollen die Rot-Eschen auf drei Flächen von insgesamt 1,5 Hektar über Jahre regelmäßig zurückgeschnitten, einheimische Arten - wo nötig - nachgepflanzt werden. Nach zehn bis 20 Jahren sind die einheimischen Bäume dann so groß geworden, dass sie ihrerseits die Fremdlinge verdrängen. Betreuungsforstamt und die Stadt Dessau-Roßlau, die Eigentümerin des Beckerbruchs ist, haben dafür einen Bewirtschaftungsvertrag abgeschlossen.

Problem Totalreservat

Die Totalreservate allerdings, die nicht betreten werden dürfen und in denen Forstarbeiten nicht erlaubt sind, machen Michael Weninger Sorgen. Dort nämlich breite sich die Rot-Esche weiter ungehindert aus, was - im Gegensatz zu den Schutzzielen - der Artenvielfalt schade. Drei Prozent des Biosphärenreservats Mittelelbe sollen als Totalreservate geschützt werden, in Zukunft fast 1 000 Hektar. Zwar seien bei der Ersteinrichtung eines solchen Biotops 20 Jahre lang Forstarbeiten erlaubt. "Aber diese Zeit reicht nicht", ist Forstamtsleiter Weninger überzeugt. Hier müsse man sich unbedingt etwas einfallen lassen.