80 Jahre

Freiwillige Feuerwehr: Sollnitzer Kameraden feiern großes Jubiläumsfest

Sollnitz - Viele Brände haben die Kameraden einst mit bescheidener Technik gelöscht.

Von Heidi Thiemann

„Das wird alles noch in Ordnung gebracht“, sagt Hartmut Seelmann und blickt sich um. Das Feuerwehrgerätehaus werde noch zu Ende gestrichen, auf das es die Gäste in strahlendem Weiß empfängt. Auch der Rasen wird noch gemäht, das Unkraut gejätet: denn die Feuerwehr Sollnitz wird 80 Jahre alt. Da muss das Festgelände ordentlich sein.

Halb so viele Jahre wie die Feuerwehr alt wird, ist Seelmann dabei. Seit 36 Jahren ist es der amtierende Wehrleiter Uwe Meier. Ein Leben ohne Feuerwehr können sich die beiden Sollnitzer nicht vorstellen. Und nehmen das Jubiläum zum Anlass, Rückschau wie auch Vorschau zu halten.

Frauen vertraten die Feuerwehrmänner im Krieg

Vor 80 Jahren waren Bürgermeister Böhme, Brandinspektor Lendge aus Dessau, Wehrführer Plattig aus Klein-Möhlau und der Amtsvorsteher und Feuerwehrkommissar Urban aus Sollnitz dabei, als am 7. März 1936 von 27 Kameraden die Feuerwehr Sollnitz aus der Taufe gehoben wurde.

„Die wichtigsten Aufgaben einer Feuerwehr, der Schutz und die Rettung von Leben“, sagt Seelmann, sei in den 80 Jahren immer das Leitmotiv gewesen. „In den schlimmsten Zeiten während des Zweiten Weltkrieges haben die Frauen des Ortes die Aufgaben in der Freiwilligen Wehr unseres Ortes übernommen und mit viel Mut die Männer, die im Kriegseinsatz waren, vertreten.“

Karl Urban, Otto Graul, Paul Lohmann, Karl Pannicke, Werner Luge, Achim Urban, Werner Pannicke, Heinz Denkewitz, Eckard Meier, Gerald Richter und nach der Wende von 1992 bis 2014 Herbert Wachsmuth haben die Sollnitzer Wehr geführt. Seit 2015 ist Uwe Meier im Amt.

Kein Bäcker, keine Kita, kein Nachwuchs

19 aktive Mitglieder hat die Wehr heute noch, fünf Feuerwehrmänner gehören der Ehren- und Altersabteilung an, verweisen Seelmann und Meier darauf, dass es heute sehr schwierig ist, die Fahnen der Wehr hochzuhalten. Es fehle an Nachwuchs, bedauern sie. Eine Kinderfeuerwehr, wie es sie bis 2009 noch gab, ist im Ort, in dem es längst keinen Bäcker und keinen Kindergarten mehr gibt, im Moment nicht denkbar.

Unterstützung bei Großfeuern

Trotzdem, Sollnitz ohne Feuerwehr? Meier schüttelt den Kopf. Zu fünf bis zehn Einsätzen im Jahr wird die Wehr gerufen. Der letzte Einsatz war auf der Autobahn, als zwei Holzlaster ausbrannten, die A9 gesperrt werden musste. Auch bei Großfeuern in Dessau-Roßlau ist die Wehr mit dabei, „um die Reihen zu stärken und um die Kräfte abzulösen, die schon stundenlang im Einsatz sind“.

Mit Hänger zum Einsatz

In Sollnitz selber aber brauchte die Wehr - zum Glück - schon lange nicht mehr ausrücken. Zuletzt vor zehn Jahren, als an der Kiesgrube gekokelt wurde.

Doch als die Wehr eintraf, hatte ein Nachbar den Brand schon mit einem Gartenschlauch gelöscht, schmunzelt Seelmann. Doch der Einsatz hatte auch was Gutes: Die Kameraden entdeckten auf dem Kiesgrubengelände ihr neues Domizil, das vierte in den acht Jahrzehnten.

Und das erste, das genügend Platz für ein Feuerwehrauto bot - ein TSF (Tragkraftspritzenfahrzeug), das 2.000 Liter Wasser mit an Bord hat. Bis dahin ist die Wehr mit einem Hänger mit Pumpe (DS 8) ausgerückt. Entweder wurde ein Traktor davor gespannt, um die Pumpe vor Ort zu bringen oder der Hänger wurde dorthin geschoben. Sollnitz, so Seelmann, hat fünf Brunnen, über die das Wasser gezogen worden ist.

Etliche Brände hat die Feuerwehr mit bescheidener Technik, aber Hilfe auch vieler Wehren gelöscht. Im August 1947, blättert Seelmann in der Chronik, gab es einen großen Waldbrand in der Oranienbaumer Heide. 60 Wehren halfen, Sollnitz vor den Flammen zu schützen. Große Waldbrände gab es auch 1968, 1976 und 1990.

Doch auch Hochwasser haben dem Ort zugesetzt, 1954, 1974 und nicht zuletzt 2002 und 2013, als der Ort evakuiert wurde. Niemand wusste damals, wie viel Wasser kommt und ob der Ort in den Fluten versinken würde. „Doch wir hatten zweimal Glück“, sagt Meier.

Feuerwehrauto-Parade am Samstag

Über all das, was in 80 Jahren Feuerwehr bewegte, werden die Sollnitzer in ihrer Festveranstaltung am Freitagabend sprechen. Doch am Sonnabend wird gefeiert. Und damit es ein schönes Fest wird, war das Festkomitee (Feuerwehr, Heimatverein, Ortschaftsrat) schon viele Monate aktiv. Auf alle Fälle, freut sich Seelmann, wird am Sonnabend, 9. Juli, weitaus mehr los sein, als zu Dorffesten sonst - mit Feuerwehrautoparade oder Liveband. Und noch etwas ist besonders: Die Sollnitzer haben ihren Ort geschmückt. Damit zum Jubiläum nicht nur das Gelände der Feuerwehr schmuck ausschaut. (mz)