Entdeckungen in Tagebüchern

Dessau/MZ. - Seelmann war musisch begabt, Lehrer, Musiker, Chorleiter und Komponist. Die Musikwissenschaft kannte hingegen bis zum Auftauchen seiner beiden Tagebücher nicht viel mehr als die Lebensdaten des ...

Von Ilka Hillger 29.06.2006, 18:40

Seelmann war musisch begabt, Lehrer, Musiker, Chorleiter und Komponist. Die Musikwissenschaft kannte hingegen bis zum Auftauchen seiner beiden Tagebücher nicht viel mehr als die Lebensdaten des Mannes.

Einer aufmerksamen Antiquarin aus Magdeburg ist es zu danken, dass die beiden Bände entdeckt wurden, denn sie stieß auf die Tagebücher nachdem sie das Antiquariat übernahm und dessen Bestände sichtete. In Lutz Buchmann, dem Leiter des Magdeburger Gesellschaftshauses, fand sie einen Musikkundigen aus Dessau, dem es nach längerer Recherche gelang, dem Tagebuchschreiber einen Namen zuzuordnen. "Sein Name wird nirgendwo erwähnt, zum Glück aber Geburtstag und -ort", erzählte Buchmann gestern im Dessauer Stadtarchiv, wo die beiden Tagebuchbände nun ihre wohl letzte Station im Regal einnehmen.

Über den Ankauf der Bände freute sich besonders Archiv-Chef Frank Kreißler, der sich für den Erwerb auf die Suche nach Sponsoren begab und einen solchen im CDU-Stadtrat Christoph Göring fand. Dessen AHLSA GmbH gab das Geld für den Erwerb der 350 Euro teuren Tagebücher. "Ich finde es toll, wenn sich Leute finden, die so etwas finanzieren. Das macht nicht jede Firma, sonst ginge es uns vielleicht etwas besser", erklärte Lutz Buchmann, den das Leben August Seelmanns nun nicht mehr los zu lassen scheint.

Zunächst mühte sich der Magdeburger mit der Handschrift des Komponisten und übertrug diese in Maschinenschrift. Der logische nächste Schritt wäre eine Veröffentlichung der Tagebücher, doch dieser will Buchmann noch weitere Ergebnisse seiner Forschung anfügen. Irgendwo, wahrscheinlich in Privatbesitz, vermutet er noch mehr aus dem Nachlass Seelmanns, das Aufschluss darüber geben könnte, wie dieser seine letzten Lebensjahrzehnte verbrachte. Immerhin weiß man, wie es ihm bis 1831 erging, jenem Jahr, in dem er heiratete, Gesangslehrer und Organist an der Schlosskirche wurde und in dem die persönlichen Eintragungen enden. Seelmann sei, so Buchmann, offensichtlich ein guter Freund Friedrich Schneiders gewesen, auch wenn dieser es immer zu verhindern wusste, dass dessen Kompositionen aufgeführt wurden. "Vielleicht waren sie zu schlecht, vielleicht aber auch besser als die Schneiders." Buchmann kann sich nur Vermutungen hingeben. Genaueres wird man wohl erst wissen, wenn Seelmanns Herbst und Winter auftauchen.