Dietrichshain

Dietrichshain: Bürgerinitiative ist gegen Solarmodule

Dessau/MZ - Das Eingangstor zur Mosigkauer Heide rechts und links mit Solarmodulen gesäumt? Für Rico Röder, Arne Seelig und René Steitmann eine unglaubliche Vorstellung. Mehr als 300 Leute haben sich nur innerhalb einer Woche mit ihrer Unterschrift der Meinung angeschlossen: „Solaranlage hier im Dietrichshain? Nein ...

Von Heidi Thiemann

Das Eingangstor zur Mosigkauer Heide rechts und links mit Solarmodulen gesäumt? Für Rico Röder, Arne Seelig und René Steitmann eine unglaubliche Vorstellung. Mehr als 300 Leute haben sich nur innerhalb einer Woche mit ihrer Unterschrift der Meinung angeschlossen: „Solaranlage hier im Dietrichshain? Nein Danke“.

Im Dessauer Süden hat sich eine Bürgerinitiative formiert. Ende April hatte der Stadtrat beschlossen, dass der Flächennutzungsplan geändert und ein Bebauungsplan erarbeitet werden soll - zur „Errichtung einer Freiflächen-Photovoltaikanlage im Bereich der Hohen Straße“. Die Dietrichshainer fühlen sich übergangen. „Mit uns hatte vorher niemand gesprochen“, sagt Seelig und glaubt, dass die Stadträte nicht wüssten, um welches Gebiet es sich handelt, welche Größe der Solarpark umfassen soll.

Dass der Dietrichshain betroffen ist von dem Invest-Vorhaben der nordrhein-westfälischen Loipe Bioenergie GmbH, hätten sie erst aus der Zeitung erfahren, sagen die Mitglieder der Bürgerinitiative. Westlich der Bahnstrecke Dessau-Leipzig und zwischen dem DB-Instandsetzungswerk sowie ihrer Wohnsiedlung sollen rund 26 500 Module errichtet werden. „Das muss nicht sein. Direkt hier, wo Leute wohnen“, kann es Steitmann nicht fassen. „Die das beschlossen haben, haben sich das nicht angeguckt“, ist er sauer.

Die Hohe Straße ist Eingangstor zum Naturschutzgebiet Mosigkauer Heide. Hier beginnen die Rad- und Wanderwege nach Kochstedt und Königendorf. Auch der Dietrichshain selber wird gern von Spaziergängern genutzt. Unweit der Heidestraße lädt der asphaltierte, von Wiesen gesäumte Weg ein, in Richtung ESV-Sportplatz zu laufen oder mit dem Fahrrad zu fahren. „Viele Bewohner der Heidestraße kommen hier lang, auch die Bewohner des Martha-Hauses“, hat Seelig beobachtet. Künftig würden sie aber durch ein Solarmodul-Feld laufen. Das sei unmöglich. Unmöglich erst recht für die Bewohner. Einige Grundstücke wären nur durch die vier Meter breite Straße von der geplanten Anlage entfernt, die durch einen 2,20 Meter hohen Zaun umgeben sein wird. Einige Anwohner würden künftig von ihrer Terrasse einen direkten Blick auf das Solarfeld haben. „Dabei sind wir doch extra ins Grüne gezogen“, schüttelt Seelig den Kopf.

Sie seien, unterstreichen die Mitglieder der Bürgerinitiative, nicht gegen Solarstromanlagen - aber an dieser Stelle schon. „Wir würden gern mit den zuständigen Ämtern zusammenarbeiten und bei der Suche nach geeigneten Flächen mitwirken“, so Röder. Was die Dietrichshainer auch ärgert: In der Stadtratsbeschlussvorlage wird behauptet, dass die vorgesehenen Grünlandflächen ohnehin keiner landwirtschaftlichen Nutzung mehr unterliegen würden. Dabei wird regelmäßig Heu gemacht. „Hier wird also landwirtschaftliche Fläche vernichtet“, stellt deshalb auch Christian Kunz, Mitarbeiter des BUND Sachsen-Anhalt, fest. Er will nun vom Stadtplanungsamt wissen, warum kein anderer Standort in Betracht gezogen wurde, weshalb keine Konversionsflächen (also brachliegende Militär-, Industrie- oder Gewerbeflächen) genutzt werden, wie sich die Anlage auf die Arten auswirken wird.

Die Dietrichshainer wollen nicht locker lassen. Die Unterschriftenaktion geht weiter. Übergeben werden sollen die Listen an Oberbürgermeister Klemens Koschig. Auch im Stadtrat wird der Solarpark noch einmal Thema sein. Wenn das Bebauungsplanverfahren mit dem Abwägen aller Einwände zu Ende gebracht wird. Die Anwohner konnten sich dazu äußern. Doch viele von ihnen haben das kurzfristige Angebot im Amtsblatt zur Offenlage der Pläne zu spät gesehen.