Dessau-Roßlau

Dessau-Roßlau: Warten auf den Durchbruch

DESSAU/MZ. - Der Brief kam direkt aus der Staatskanzlei in Magdeburg - und sorgte in Dessau für Ernüchterung. Mitte Mai hatte sich Kreishandwerksmeister Karl Krökel im Namen aller Dessau-Roßlauer Unternehmerverbände an Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff gewandt - und von der Landesregierung eine Grundsatzentscheidung in Sachen Besucher- und Ausstellungszentrum Bauhaus eingefordert. Eineinhalb Monate später kam eine ebenso knappe wie lapidare Antwort. "Zentrale Fragen von Finanzierung, Trägerschaft und Betrieb sind nicht geklärt. Sie werden verstehen, dass auf dieser Grundlage keine pauschalen Zusagen getroffen werden können. Die begonnenen Gespräche werden aber ...

Von STEFFEN BRACHERT 02.08.2011, 18:17

Der Brief kam direkt aus der Staatskanzlei in Magdeburg - und sorgte in Dessau für Ernüchterung. Mitte Mai hatte sich Kreishandwerksmeister Karl Krökel im Namen aller Dessau-Roßlauer Unternehmerverbände an Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff gewandt - und von der Landesregierung eine Grundsatzentscheidung in Sachen Besucher- und Ausstellungszentrum Bauhaus eingefordert. Eineinhalb Monate später kam eine ebenso knappe wie lapidare Antwort. "Zentrale Fragen von Finanzierung, Trägerschaft und Betrieb sind nicht geklärt. Sie werden verstehen, dass auf dieser Grundlage keine pauschalen Zusagen getroffen werden können. Die begonnenen Gespräche werden aber fortgesetzt."

Festhalten an zwei Eckdaten

In das Projekt Besucher- und Ausstellungszentrum Bauhaus kommt keine Ruhe. Der - finanzielle - Durchbruch steht weiter aus, obwohl Stadtverwaltung und Bauhaus schon mehr als ein Dutzend Bundes- und Landespolitiker vor Ort hatten, um mit Blick auf den 100. Bauhaus-Geburtstag im Jahr 2019 und die Weimarer Pläne, ein eigenes Bauhaus-Museum zu bauen, Überzeugungsarbeit für das Vorhaben Dessau zu leisten. "Wir haben immer gesagt, dass die Finanzierung die schwierigste Aufgabe ist", bleibt Joachim Hantusch, der Dezernent für Wirtschaft und Stadtentwicklung, gelassen und versichert. "Wir halten an dem Standort fest - und an den 15 Millionen Euro Kosten."

Es ist ein Satz, der Klarheit schaffen soll und doch Raum für Spekulationen lässt. Den Vorzugs-Standort an den "Sieben Säulen" umranken viele Gerüchte. Eines davon besagt, dass ein Studentenprojekt ergeben hätte, dass das Ausstellungs- und Besucherzentrum in der geplanten Größe gar nicht an die "Sieben Säulen" passe und deshalb nur noch ein kleineres Bauhaus-Museum für sieben Millionen Euro geplant sei.

Verwirrung um Studenten-Projekt

Hantusch bestreitet, ein solches Studenten-Projekt zu kennen. "Die Stadt hat es nicht beauftragt." Existieren tut es trotzdem. Alfred Jacoby, Professor für Baukonstruktion an der Hochschule Anhalt, hat das Projekt geleitet. "Studenten haben versucht, das vorgegebene Raumprogramm für das Ausstellungs- und Besucherzentrum auf dem Grundstück umzusetzen. Das ist richtig", sagt Jacoby. "Ich kann aber nicht bestätigen, dass es nicht passt." Die Aufgabe sei anspruchsvoll, der Platz nicht eben üppig. "Und wir reden auch nicht über die Kosten, sondern nur über die Möglichkeit der Realisierung. Die allerdings ist gegeben. Ich bin sicher, dass ein Wettbewerb da reizvolle Lösungen bringt."

Voraussetzung für die Auslobung eines Internationalen Architektenwettbewerbs ist der Abriss eines Denkmals, das am favorisierten Standort "Sieben Säulen" weichen muss, wenn dort das Besucher- und Ausstellungszentrum für das Bauhaus entstehen soll. Die Dessauer Wohnungsbaugesellschaft als Eigentümer des Grundstücks hat den Abrissantrag für die ehemalige Buchhandlung Neubert gestellt. Binnen zwei Monaten muss das Landesverwaltungsamt in Halle als Obere Denkmalbehörde darüber entscheiden. Das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt arbeitet derzeit an einer denkmalfachlichen Stellungnahme. Kritisch beäugt von den Anwohnern, die Anfang des Jahres Unterschriften gegen den Abriss des Denkmals gesammelt haben.

"So eine Stellungnahme wird immer pro Denkmal ausfallen. Alles andere würde ja heißen, dass wir uns bei der Schnellerfassung als Denkmal geirrt haben - und das passiert relativ selten", sagt Landeskonservatorin Ulrike Wendland. Ihre Behörde sei ein Anwalt der Denkmale. "Es ist immer unsere Aufgabe, Argumente für den Erhalt vorzubringen." Auch im Fall der Buchhandlung Neubert, der Bauhaus-Direktor Philipp Oswalt bei einer öffentlichen Diskussion Anfang April "keinen außerordentlichen architektonischen Wert" bescheinigt hat.

"Es ist nicht Herr Oswalts Aufgabe, Denkmalwerte zu bestimmen", sagt Wendland, zugebend, "dass es für Laien eindeutigere Denkmale gibt". Allerdings verweist die Landeskonservatorin zugleich auf das ungewöhnliche Fertigstellungsdatum des Hauses: 1941. "Da wurden eigentlich nur noch Bunker gebaut." Das Haus sei vielleicht kein Zeugnis der großen, aber doch der kleinen Architekturgeschichte. "Es steht für die Kontinuität der Architektursprache der 30er Jahre."

Für das Denkmal machen sich auch andere stark. Manfred Sundermann, Professor an der Hochschule Anhalt, hat sich in dieser Woche mit einem Offenen Brief an Oberbürgermeister Klemens Koschig gewandt. Durch Abriss und Neubau an den "Sieben Säulen" werde versucht, sich der Geschichte zu entledigen, anstatt sich ihr zu stellen. Sundermanns Vorschlag: Die Stiftung Bauhaus Dessau soll ihren Verwaltungssitz an die Ecke Gropiusallee und Puschkinallee verlegen, um im Bauhaus-Gebäude selber Platz zu schaffen. Außerdem soll die ungenutzte historische Junkers-Lamellenhalle vom ehemaligen Junkalor-Gelände an das untere Ende der Gropiusallee oder auf das Gelände des ehemaligen Impfstoffwerkes versetzt werden - als neues kreatives Bauhaus-Quartier, als Aktions-, Werk- oder Ausstellungshalle.

Sundermanns Vorschlag, zumindest der erste Teil, ist nicht neu. Das Problem: Das Bauhaus-Gebäude selbst ist aus energetischer Sicht für Ausstellungen ziemlich ungeeignet. Nur unter großen Mühen lassen sich derzeit gleich bleibende klimatische Bedingungen herstellen. Das Ausstellungs- und Besucherzentrum soll das Denkmal selbst entlasten - und die Verbindung zu den Meisterhäusern, zum Gartenreich knüpfen.

"Die Sieben Säulen sind der ideale Standort für ein Besucher- und Ausstellungszentrum", beharrt Hantusch, der in der Landeshauptstadt Magdeburg darum kämpft, "das Projekt vor die Klammer zu bekommen". Vor die Klammer heißt: Es soll als Projekt mit Landesbedeutung im Haushalt eine Sonderstellung bekommen. Wie das Lutherjahr 2017 und die Bundesgartenschau 2015 in Havelberg. Bislang wird das Besucher- und Ausstellungszentrum zwischen den Ministerien hin- und hergeschoben. Von Sparzwängen und Budgetierung geplagt, will keines die 15 Millionen Euro komplett bei sich einstellen.

Diskussion nicht ausgeschlossen

"Wir wollen einen Ansprechpartner bei der Landesregierung", sagte Hantusch und zeigte sich gesprächsbereit. Nicht über den Standort. "Da gibt es einen Stadtratsbeschluss ohne Gegenstimme. Das ist kommunale Selbstverwaltung." Allerdings könne man über Inhalt und Größenordnung des Besucher- und Ausstellungszentrums reden. Vielleicht schon Ende August. Dann liegt ein überarbeitetes Betreiberkonzept vor. Ein erster Entwurf hatte nicht einmal das Bauhaus überzeugt. Wegen zu optimistischer Annahmen wurde das Konzept zurückgezogen.