Erinnerung an Industriegeschichte

Besonderer Filmabend im Technikmuseum Dessau - Wie die Wirtschaft in der DDR am Laufen blieb

Zeitzeuge Eckard Netzmann, in den 1970er Jahren Werkleiter bei ZAB Dessau, diskutiert im Anschluss an den Dokumentarfilm mit dem Publikum.

Von Annette Gens 20.10.2021, 13:00 • Aktualisiert: 20.10.2021, 13:24
Ein Industriegebiet der DDR.
Ein Industriegebiet der DDR. Symbolfoto: Kiez

Dessau/MZ - Er ist über 80 Jahre alt, lebt in Berlin. Eckard Netzmann kommt aber gerne nach Dessau. Immer wenn sich die alten Anlagenbauer im Bistro „Merci“ am Lustgarten treffen, versucht er es einzurichten, um hier zu sein.

Netzmann, zwischen 1971 und 1976 Werkleiter des ehemaligen VEB Zementanlagenbau Dessau, kommt am Freitag wieder in die Stadt, in der er „eine glückliche und gute Zeit“ hatte, von der er sagt, das Team von damals habe unglaublich viel geleistet. Zementanlagen aus Dessau finden sich in der halben Welt. Es war außerdem die Zeit, als die ZAB-Handballer in der Ersten Liga spielten.

Veröffentlichung verzögerte sich durch Pandemie

Eckard Netzmann ist einer der Protagonisten des Films von Regisseur Axel Geiss: „Es war da eine Zeit. Erinnerungen an die DDR“. Der Film wurde bereits 2019 gedreht. Corona hatte jedoch eine zeitnahe Veröffentlichung verhindert. Inzwischen wurde die Dokumentation in Berlin, Magdeburg und Halle gezeigt. Das Kiez lud Regisseur und Netzmann daraufhin ein.

Das Dessauer Kiez und das Technikmuseum „Hugo Junkers“ wollen am Freitag, 22. Oktober, mit der Filmvorführung und anschließender Diskussion an ein Stück Dessauer Industriegeschichte erinnern. Zwar ist die DDR Geschichte. Aber wie sie funktioniert hat, wissen immer weniger Menschen.

Die Dokumentation schildert den Werdegang und die Erfahrungen von zwei ehemaligen Generaldirektoren und einer Wissenschaftlerin. Manfred Dahms, Eckhard Netzmann und Wera Thiel wollten ein anderes, ein besseres Deutschland als das, was sie mit den Kriegsjahren erlebt hatten. Als in der DDR eine neue Gesellschaft aufgebaut werden soll, sind sie begeistert dabei - und werden aktive Verfechter des Sozialismus.

Warum Verantwortungsträger trotz Zweifeln ihre Pflicht erfüllten

Doch die innere Bindung an den Staat geht im Laufe der Jahre verloren. Anfang der siebziger Jahre begreifen sie: Anspruch und Wirklichkeit klaffen immer weiter auseinander, den Wettbewerb mit der Bundesrepublik kann die DDR nicht gewinnen. Trotzdem erfüllen sie ihre Pflicht. Diszipliniert und überzeugt, im moralisch besseren Teil Deutschlands zu leben, kämpfen sie weiter für eine sozialistische Gesellschaft und tragen nach Kräften dazu bei, dass die DDR erst im Herbst 1989 untergeht.

Der Rückblick der drei Protagonisten ist nicht von Verklärung oder Wehmut bestimmt, sondern von kritischer Distanz, heißt es in der Ankündigung.

„Es war da eine Zeit“, Technikmuseum Dessau am 22. Oktober, 18 Uhr, Kartenvorbestellungen im Kiez unter Handy 0157/78380508