Bauhausfest in Dessau

Bauhausfest in Dessau: „Es muss spektakulär sein und provozieren“

Dessau/MZ - Als die Krankmeldungen häufiger wurden und die Zahl der Helfer sich lichtete, war das Handy der letzte Stimmungsaufheller. Vier Wetter-Apps hatte Burghard Duhm am Ende draufgeladen. Sicher ist sicher. Die Prognosen für den Sonnabend aber waren und sind eindeutig. Es wird trocken. Es wird schön. Es wird warm. 27 Grad sind für den ersten Sonnabend in September vorhergesagt, wenn am Bauhaus das Bauhausfest gefeiert wird. „Das“, schmunzelt der Chef-Organisator des traditionsreichen Festes, „war das Licht am Ende des ...

Von Steffen Brachert 04.09.2013, 21:00

Als die Krankmeldungen häufiger wurden und die Zahl der Helfer sich lichtete, war das Handy der letzte Stimmungsaufheller. Vier Wetter-Apps hatte Burghard Duhm am Ende draufgeladen. Sicher ist sicher. Die Prognosen für den Sonnabend aber waren und sind eindeutig. Es wird trocken. Es wird schön. Es wird warm. 27 Grad sind für den ersten Sonnabend in September vorhergesagt, wenn am Bauhaus das Bauhausfest gefeiert wird. „Das“, schmunzelt der Chef-Organisator des traditionsreichen Festes, „war das Licht am Ende des Tunnels.“

„Das Bauhausfest pulsiert und atmet"

Eine turbulente letzte Woche liegt hinter den Organisatoren des Bauhausfestes, das am Freitag ab 19 Uhr einen ersten Blick auf die Projekte, Projektionen und Installationen erlaubt. „Ohne den Trubel vom Sonnabend“, wie Duhm betont. Aber nicht ganz ohne Programm. Wer zwischen Bauhaus und Hochschule auf Entdeckungstour geht, der kann einen „Absurden Chor“ erleben. Absurd ist der deshalb, weil der Chor alles macht, außer singen.

Keine Sorge. Wer am Freitag keine Zeit hat, der „Absurde Chor“ ist auch am Sonnabend dabei, wenn es zur 16. Auflage des Bauhausfestes heißt „Bunt gewürfelt“. Das Motto ist ein Kompromiss beim Farbfest, das vor zwei Jahren erstmalig seine Farbe verlor („Statt Farbe: Licht“), vor einem Jahr den Klang dazu nahm und nun Buntes und Gewürfeltes verspricht.

„Das Bauhausfest will und muss ein anderes Fest sein“, sagt Uwe Gellert, Professor an der Hochschule Anhalt, die das Fest seit Jahren mit eigenen Projekten unterstützt und dessen Master-Studenten in diesem Jahr neue Blicke auf alte Bauhausmeister geworfen haben. „Das Bauhausfest pulsiert und atmet. Es lebt von Veränderung und Experimenten. Es muss spektakulär sein und provozieren.“

Das Bauhaus hat dafür wieder den Kontakt zu Kunst- und Designhochschulen in ganz Deutschland geknüpft - und die Kunsthochschule Halle Burg Giebichenstein, die Kunsthochschule Weißensee aus Berlin und die BTU Cottbus-Senftenberg begeistern können.

„Die Verbindungen zwischen der Burg Giebichenstein und dem Bauhaus gibt es schon lange“, sagt Bettina Göttke-Krogmann, Professorin für Textildesign auf der Burg. In den 20er Jahren, zwischen Weimar und Dessau, wurden die Bauhausfeste sogar einmal in Halle gefeiert. „Es gibt viele Parallelen. Das haben wir immer im Hinterkopf gehabt.“

„Wir lieben das Risiko"

Göttke-Krogmann hat Studenten des dritten Semester interessiert, Textilien und den Tanz zueinander zu bringen - und die Ergebnisse im historischen Werkstattflügel des Bauhauses zu zeigen. „Nicht als typische Ausstellung“, warnt Göttke-Krogmann. Dazu fehlen nicht zuletzt die Objekte, die mehr Stoffe und Textilien sind, die zu Schmuckstücken werden. „Wir lieben das Risiko“, sagt die Professorin - und ist gespannt, ob sich die Besucher des Bauhausfestes auf die Experimente einlassen, die Namen wie „Flamenco“, „Synchronschwimmen“ oder „Random Dance“ haben.

Experimentieren will auch Veronika Aumann von der Kunsthochschule Weißensee, die zum zweiten Mal beim Bauhausfest dabei ist - und in diesem Jahr auf textile Bildschirme setzt, auf die Fusion von hochauflösenden Bildschirmen und Bekleidungsstoffen. Zusammen mit dem Fraunhofer-Institut hat Aumann geforscht und weiterentwickelt - und freut sich nun, dies am Bauhaus zeigen zu können. „Die Dessauer haben Interesse an solchen Sachen“, erinnert sich Aumann an viele Gespräche aus dem Vorjahr. 2013 soll das nicht anders werden.

2013 rückt aber auch die Musik wieder in den Mittelpunkt, wenn das Frauenblasorchester aus Berlin in Dessau seinen 10. Geburtstag mit einem Konzert feiert, wenn Helena & The Twilighters ein Prise Billie Holiday und eine Portion Soul mit etwas Blues zusammentun und den Bauhausclub rocken oder wenn Jane Walton die Bühne zur Manege macht und zum Bauhaus Jam Fest gebeten wird. Bis Mitternacht soll das Bauhausfest dauern. Bei bestem Wetter und bester Laune. Kurz vor dem Ende wird Cecilia Amann einen Ausblick auf das Bauhausfest 2014 geben. Die Frage aller Fragen ist: Was folgt nach bunten Würfeln?