19-Jähriger 2017 verschwunden 19-Jähriger 2017 verschwunden: Wurde der Dessauer von mehreren Männern getötet?

Dessau - Vermisst! Die Anzeige bei der Polizei stammt vom 22. März 2017. Jetzt verdichten sich die Hinweise, dass der seitdem gesuchte 19-Jährige aus Dessau das Opfer eines Gewaltverbrechens geworden ist.
15 Monate nach seinem rätselhaften Verschwinden sind vier deutsche Beschuldigte aus Dessau-Roßlau in den Fokus der kriminalpolizeilichen Ermittlungen gerückt.
Gegen drei der vier Männer wurde am Freitag auf Antrag der Staatsanwaltschaft Dessau-Roßlau Haftbefehl erlassen. Auf Nachfrage sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Frank Pieper: „Klar, da besteht ein dringender Tatverdacht.“
Der polizeiliche Zugriff erfolgte umgehend. Das Trio sitzt nun in Untersuchungshaft. Es gibt offenbar ernsthafte Gründe für die Annahme, dass das Verschwinden des Mannes mit dem Tunnel im Ohr auf ihr Konto geht. Als Tunnel wird ein schmückender und besonders großer Durchschuss des Ohrläppchens bezeichnet.
Beschuldigte sind getrennt voneinander in Haft
Nach ihrer Festnahme wurden die Beschuldigten getrennt und in verschiedenen Haftanstalten untergebracht. So sollen gegenseitige Absprachen unterbunden werden.
Zeugen hatten das 19-jährige Opfer am 20. März 2017 das letzte Mal gesehen. Ihren Angaben zufolge soll der Dessauer mit seinem Fahrrad vermutlich in einen Zug an Bahnstation im Stadtteil Alten gestiegen sein. Seitdem fehlte jede Spur.
Mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen wollten Polizei und Staatsanwaltschaft keine weiteren Angaben machen. Zur Begründung führten sie das Alter der Beschuldigten an. Es liegt zwischen 16 und 22 Jahren. Für die Minderjährigen gelten teils besondere Bestimmungen aus dem Jugendstrafrecht.
Haben Beamte auch die Leiche des Vermissten?
Offen bleibt zunächst auch, ob möglicherweise die Leiche des Vermissten gefunden worden ist. Auch diese Frage ließ der Sprecher der Staatsanwaltschaft unbeantwortet.
Lange Zeit tappten die Ermittler im Dunkeln. Erst Anfang Juni hatte die Polizei ihren Fahndungsaufruf erneuert, um weitere Hinweise zum Verschwinden des Gesuchten zu bekommen.
Die Polizei beschrieb den jungen Mann damals unter anderem mit diesen detaillierten Angaben: etwa 1,83 Meter groß und von kräftiger Gestalt, dunkelbraune Haare, an den Seiten kurz und oben lang. Besonderes Merkmal: Tunnel im Ohr.
Außerdem wurde ihm ein weißes Mifa-Fahrrad zugeordnet. Ob es nach der Veröffentlichung konkrete Hinweise an die Polizei gab, ist nicht bekannt.
Allein 2016 gab es in Sachsen-Anhalt mehr als 2000 Vermisste
Grundsätzlich sind Vermisstenfälle keine Seltenheit. Das Landeskriminalamt (LKA) in Magdeburg erfasst sämtliche Verfahren in Sachsen-Anhalt.
Mehr als 2000 Fälle wurden allein 2016 registriert: 197 Kinder, 1603 Jugendliche und 269 Erwachsene tauchten wieder auf oder wurden auf verschiedene Weise von den Behörden ausfindig gemacht. 2015 gab es mehr als 1500 Fälle. (mz)