Wie immer am 1. Mai

1. Mai in Dessau: Thomas Kluge öffnet DDR-Museum

Dessau - „Heraus zum 1. Mai“ - Thomas Kluge lacht. Klar doch, der Slogan, der im Arbeiter- und Bauernstaat alljährlich am ersten Tag des Wonnemonats lockte, zieht heute immer noch.

Von Heidi Thiemann 01.05.2017, 07:45

„Heraus zum 1. Mai“ - Thomas Kluge lacht. Klar doch, der Slogan, der im Arbeiter- und Bauernstaat alljährlich am ersten Tag des Wonnemonats lockte, zieht heute immer noch.

Denn Kluge, Vorsitzender des Nostalgie-Vereins, öffnet traditionell zweimal im Jahr mit seinen Mitstreitern das DDR-Museum in der Kornhausstraße 62: am 3. Oktober und eben am 1. Mai. Und dann wird auch von 10 bis 16 Uhr die Mauer wieder aufgebaut, können Besucher eintauchen in eine Welt, die vor mehreren Jahrzehnten den Alltag der Menschen bestimmte.

Kleines Museum bietet Geschichte zum Anfassen

Es ist Geschichte zum Anfassen, die in den Gebäuden und Räumen zu finden ist. Zwischen 8 000 und 10 000 Alltagsgegenstände haben hier Platz gefunden. Man kann sich eine Vorstellung davon machen, wie eine Wohnung in der DDR eingerichtet war, welche Produkte es zu kaufen gab oder mit welchem Spielzeug die Kinder spielten. „Die Leute kommen gerne“, weiß Kluge, „denn hier schwelgen viele in Erinnerungen oder zeigen ihren Kindern und Enkeln, wie es damals war.“

Längst hat sich das Angebot zum Stadtteilfest gemausert, freut ihn die Resonanz. Was auch mit daran liegt, dass traditionell am 1. Mai viele Oldtimer die Kornhausstraße ansteuern. Außerdem gibt es Musik mit dem Naturfanfarenzug aus Wolfen und „typische Coole Ossi-Mucke - nett verpackt und kommentiert von Torsten“, wie Kluge erzählt.

Doch das Fest vorzubereiten und durchzuführen, sagt der Vereinsvorsitzende, wird immer schwieriger. Neue Mitstreiter zu finden, sei in den letzten Jahren nicht gelungen, auch wenn viele Aufrufe gestartet wurden. Und von den Mitgliedern sind zwei schwer erkrankt, so dass auch sie nicht mehr helfen können. Hinzu kommen immer mehr Auflagen.

Gaststättensondergenehmigung für Kaffee und Kuchen

„Wir brauchen jetzt auch eine Gaststättensondergenehmigung, weil es Kaffee und Kuchen und Deftiges aus der Gulaschkanone gibt“, sagt Kluge. Was aber nicht nur vom Verein gefordert werde, sondern auch jeder Schule, die einen Kuchenbasar durchführen will, schüttelt er den Kopf über die viele Bürokratie. „Wir machen das ja alles ehrenamtlich, werden aber durch viele Vorschriften ausgebremst.“

Ehrenamtliche Kräfte kümmern sich um das Museum

Denn die Kraft wird auch gebraucht, um das Gelände in Ordnung zu halten, die Stücke im Museum zu entstauben, damit alles einigermaßen ordentlich aussieht. Das Dach muss weiter repariert werden, denn es hat ein Loch, wo es hineinregnet. „Wer uns unterstützen möchte - finanziell mit Spenden oder tatkräftig, kann uns gerne ansprechen“, wirbt Kluge. Auch das sei dann Motivation weiterzumachen. Damit es weiter heißen kann: „Heraus zum 1. Mai“.

››Das DDR-Museum in der Kornhausstraße 62 öffnet am 1. Mai von 10 bis 16 Uhr. Eintritt: zwei Euro. (mz)