Streit um Nager

Streit um Nager in Reuden: Gibt es bald eine Biber-Eingreiftruppe in der Region?

Reuden - Der Wolfener Ortschaftsrat hat einem Biber-Positionspapier einstimmig zugestimmt. Damit sollen die Handlungskompetenzen der Akteure vor Ort gestärkt und Eingriffe erlaubt werden. Doch warum ist das eigentlich ...

Von Detmar Oppenkowski Und Frank Czerwonn 23.05.2018, 11:30

Der Wolfener Ortschaftsrat hat einem Biber-Positionspapier einstimmig zugestimmt. Damit sollen die Handlungskompetenzen der Akteure vor Ort gestärkt und Eingriffe erlaubt werden. Doch warum ist das eigentlich notwendig?

Biberburg in der Fuhne sorgt für Probleme

„Um das Problem zu verstehen, muss man sich nur mal im Reudener Busch umsehen“, sagt Wolfens Ortsbürgermeister André Krillwitz (Pro Wolfen) und meint: „Dort haben die Tiere in der Fuhne eine Biberburg errichtet. Und das führt zu zahlreichen Problemen.“ Denn durch das mehrere Meter breite und hohe Bauwerk wird das Wasser des kleinen Flusses, das sonst normal abfließt, gestaut. „Bislang auf etwa 1,30 Meter“, schätzt Krillwitz.

Dies führe dazu, dass das gesamte Areal vernässt. „In der weiteren Folge haben viele Bäume in dem sumpfigen Untergrund keinen festen Halt mehr. Die Folgen haben wir bei den letzten Stürmen erlebt“, sagt er und zeigt auf viele umgekippte Bäume. „Das stellt natürlich eine Gefahr dar. Daher müssen wir handeln.“

Das Biber-Positionspapier sei deshalb ein erster und wichtiger Schritt. Nicht um die Tiere mit aller Gewalt wegzubekommen, sondern um die Verantwortung auf die lokale Ebene zu übertragen. „Nur so können wir rechtzeitig eingreifen, um - wie im Reudener Busch - das Anstauen der Fuhne mit all den beschriebenen Folgen zu verhindern.“

Ortbürgermeister Krillwitz: Biber richten auch Schäden an

Der Ortschaftsrat hat sich schon mehrfach mit diesem Problem befasst und auch eine Ortsbegehung mit Fachleuten durchgeführt. „Doch wir haben immer wieder Probleme, gegenüber den Ämtern klar zu machen, dass die Biber auch Schäden anrichten“, fasste Krillwitz im Ortschaftsrat die Erfahrungen zusammen.

Ein Problem, das auch in der Dübener Heide bestehe. Dort wurde deshalb das Positionspapier „Mensch und Biber in der Dübener Heide“ verabschiedet. Dessen Forderungen hat sich bereits die Gemeinde Muldestausee angeschlossen. Nun soll Bitterfeld-Wolfen folgen, „um mit einer Stimme zu sprechen“, so Krillwitz.

Gefordert werden in dem Papier beispielsweise die Einrichtung und Finanzierung eines regionalen Bibermanagements und eine Biber-Eingreiftruppe, die Ausstattung der Landkreise und Kommunen mit regionaler Kompetenz auch mit Blick auf Fang und Umsiedlung der Biber sowie eine schnelle und unkomplizierte Beurteilung und Behebung von Biberkonflikten eigenverantwortlich vor Ort.

Eigentümer betroffener Flächen sollen geschützt werden

Im Ortschaftsrat stieß das auf generelle Zustimmung. Doch wurde auch kritisiert, dass die Vorschläge teils zu allgemein seien. „Wir sollten die Eigentümer solch betroffener Flächen schützen“, sagte Dieter Krillwitz (Pro Wolfen). So sei von der Vernässung auch das Tiergehege Reuden betroffen. Letztlich ziehe sich das Problem bis Wolfen. Er schlug deshalb eine Ergänzung vor: Bei nachweisbarer Existenzgefährdung des Geschädigten sei eine sofortige Entscheidung zu fällen und die Gefährdung abzuwenden.

Das klingt gut, ist aber schwer zu machen. „Wie wollen wir die Geschädigten schützen?“, fragte Egbert Gueinzius (Pro Wolfen) mit Blick auf den strengen Biberschutz seitens EU, Bund und Land. „Wie geht das zusammen?“ Denn Biber zu verdrängen, sei nicht zulässig. Auch Sandor Kulman (Die Linke) stellte bei aller Unterstützung für den Antrag klar, dass kein Biber getötet werden dürfe.

Doch bestand Einigkeit, dass man vor Ort selber entscheiden will, um schnell reagieren zu können. So wurde der Antrag samt der Ergänzung von Dieter Krillwitz bei zwei Stimmenthaltungen angenommen. (mz)