Seinen 100. Geburtstag feiert Kurt Deistler im Bitterfelder Pflegeheim

Jubilar hat mit seiner Frau Ingrid ein neues Zuhause gefunden - wenige Wochen nach ihrem 70-jährigen Ehejubiläum

Trotz des hohen Alters verblüfft der Senior mit detailliertem Wissen aus seinem Leben und einer gehörigen Portion Humor. Bei Kursana fühlt sich das Paar gut aufgehoben.

Von Silke Ungefroren 21.09.2022, 08:00
Kurt Deistler in der Geburtstagsrunde im Kursana Domizil mit seiner Frau Ingrid, dem stellvertretenden Landrat Volker Krüger und der Direktorin des Pflegeheims, Ulita Merkel-Kalb.
Kurt Deistler in der Geburtstagsrunde im Kursana Domizil mit seiner Frau Ingrid, dem stellvertretenden Landrat Volker Krüger und der Direktorin des Pflegeheims, Ulita Merkel-Kalb. (Foto: Silke Ungefroren)

Bitterfeld/MZ - Die kleine Kaffeetafel ist liebevoll gedeckt, auch eine Geburtstagstorte und ein Imbiss stehen bereit. Im Kursana Domizil in Bitterfeld haben viele Hände diesen Höhepunkt vorbereitet: Dort beging Kurt Deistler am 19. September seinen 100. Geburtstag.

Genau zwei Monate vorher konnte er mit seiner Frau Ingrid das seltene Jubiläum der Gnadenhochzeit feiern - die beiden sind also mittlerweile seit 70 Jahren verheiratet (die MZ berichtete). Damals wohnten sie noch in ihrem Haus in Muldenstein, doch schon da stand fest, dass sie aus gesundheitlichen Gründen in das Bitterfelder Pflegeheim ziehen werden. Schweren Herzens, sagten sie damals, denn „es ist nicht leicht, alles zurückzulassen“.

Sie haben sich gut eingelebt in ihrem neuen Heim, aber das Eingewöhnen wird noch eine Weile dauern

Mittlerweile haben sie sich hier eingelebt, obwohl das Eingewöhnen noch etwas dauern wird, wie der Jubilar erzählt. „Aber es ist sehr schön, dass hier alle Verständnis haben und man immer seine Wünsche äußern kann“, lobt er das gesamte Personal. „Alle sind sehr nett.“

Zu den Gratulanten gehören nicht nur Ulita Merkel-Kalb als Direktorin der Einrichtung und die Beschäftigten dort - Betreuerin Katja Tepper kümmert sich gerade rührend um die Gäste -, sondern auch der stellvertretende Landrat Volker Krüger. Er überbringt die Grüße von Landrat Andy Grabner und dem Ministerpräsidenten Sachsen-Anhalts, Reiner Haseloff (alle CDU).

Und auch in dieser kleinen Geburtstagsrunde verblüfft der Jubilar mit den Erzählungen aus seinem Leben. Detailliert berichtet er aus seiner Kindheit, von Kriegsdienst und späterer Gefangenschaft in Sibirien, von seinem beruflichen Werdegang als Berufsschullehrer in der Wolfener Filmfabrik, von seinem Ingenieurstudium.

Und natürlich davon, wie er seine Frau kennen- und lieben gelernt hat - noch heute ist den beiden diese Verbundenheit anzusehen. Doch auch so einige Schicksalsschläge mussten sie hinnehmen: Die einzige Tochter und einer der beiden Enkel sind viel zu früh gestorben.

Er war Hobbyfotograf mit eigener Dunkelkammer und hat viele Holzarbeiten angefertigt

Den Humor hat der nun 100-Jährige dennoch nicht verloren - bei allen Gebrechen, die das Alter so mit sich bringt. „Sonst wäre es doch öde“, begründet das der Senior, der früher Hobbyfotograf mit eigener Dunkelkammer war und auch zahlreiche Dinge aus Holz gedrechselt hat: Kerzenhalter und Blumenständer, Geschenkdosen und auch eine große Weihnachtspyramide. Und noch heute hält er seinen Geist fit, verfolgt das Geschehen in der Zeitung und kennt sich aus im Umgang mit seinem Smartphone.

Wie wird der nächste 100. Geburtstag bei den Deistlers gefeiert? Er weiß es schon ...

Ehefrau Ingrid wird im nächsten Februar 93 Jahre alt. Also gibt es in gut sieben Jahren ein Wiedersehen zum nächsten 100. Geburtstag bei den Deistlers? „Da lebe ich bestimmt nicht mehr“, sagt sie daraufhin, wobei sie damit aber die Rechnung wohl ohne ihren Mann gemacht hat. Denn der antwortet prompt und voller Überzeugung: „Das will ich sogar noch erleben!“