Kulturzentrum Diese Neuheit soll in den alten Jugendclub in Wolfen einziehen
In Wolfen-Nord soll der ehemalige Jugendtreff zum Motor für Zusammenhalt und Mitbestimmung werden. Für das Vorhaben braucht es nun finanzielle Unterstützung.

Wolfen/MZ. - Kann ein ehemaliger Jugendclub zum Motor für sozialen Zusammenhalt und echte Mitbestimmung werden? In Wolfen-Nord soll genau das gelingen. Der Verein Wolfen-Nord hat gemeinsam mit der Stadt Bitterfeld-Wolfen, dem Just Transition Center der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg sowie weiteren Partnern ein ressortübergreifendes Vorhaben gestartet, das auf Selbstermächtigung und partizipative Stadtentwicklung setzen soll. Im Zentrum steht ein „strukturell benachteiligtes Viertel“ und der Anspruch, dessen Bewohnerinnen und Bewohner nicht länger nur als Zielgruppe, sondern als aktive Gestalter zu begreifen.
Spenden für Verwirklichung notwendig
Herzstück des Projekts ist die Fläche rund um den ehemaligen Jugendclub 84. Wo einst Jugendliche ihre Freizeit verbrachten, soll künftig das „Kulturzentrum 84“ entstehen – zugleich als „Zukunftsraum 84“ ein experimentelles Stadtteillabor. Die Vision: Ein multifunktionaler Ort, der Kultur, Begegnung und Mitbestimmung verbindet. Niedrigschwellige, soziokulturelle Impulse und Netzwerktreffen sollen neue Formate der Teilhabe schaffen und das Viertel stärken: „Wir wollen Räume eröffnen, in denen Menschen auf Augenhöhe mitreden, gestalten und sichtbar werden können“, teilen Hendrik Schmeer und Beate Müller aus dem Vorstand des Vereins Wolfen Nord mit. Ihr Auftrag sei es, Verdrängung zu vermeiden und Chancen zu nutzen. Das Stadtteillabor verstehe sich zudem als Kooperationsplattform, die ein Gelingen von Projekten mit Akteurinnen und Akteuren aus unterschiedlichstenen Bereichen ermöglicht.
Für die Umsetzung braucht es nun finanzielle Absicherung. Damit eine stabile Planungs- und Betriebsbasis zustande kommt, wird dringend die Jahresmiete für das Kulturzentrum 84 benötigt. Zusätzliche Spenden würden die Öffnung weiterer Räume und Angebote ermöglichen, heißt es von dem hiesigen Verein, der deshalb eine Kampagne ins Leben gerufen habe. Nachbarn, Unternehmen, Stiftungen und die Stadt, wie auch eine breite Öffentlichkeit werden nun darum gebeten, das Vorhaben mit Spenden zu unterstützen, „um gemeinsam Verantwortung für das Modellvorhaben in Wolfen-Nord zu tragen“, heißt es. Wer spenden möchte, findet die Aktion auf der Internetseite www.betterplace.org.Insgesamt braucht es rund 9.000 Euro, um die Miete für das kommende Jahr zu decken. Bislang wurden von insgesamt 15 Unterstützerinnen und Unterstützern etwa 2.300 Euro gespendet (Stand: 23. Februar, 12.30 Uhr).

Viertel hat speziellen Hintergrund
Wenn das Projekt an den Start geht, will der Verein dort Jung und Alt zusammenbringen, Spielenachmittage veranstalten, ein gemeinsames Essen für Menschen mit Migrationshintergrund und einiges mehr, gibt Beate Müller einen Ausblick. Das sei in einem Viertel wie Wolfen Nord wichtig, denn ursprünglich haben dort Mitarbeitende der Chemie-Branche gelebt, was sich mit der Wende drastisch geändert habe. Die Folgen: Starker Rückgang der Bevölkerung, Leerstand, abgerissene Gebäude, kein besonders guter Anschluss an das öffentliche Verkehrsnetz, heißt es weiter. Zudem würden Spannungen und Konflikte unter den Einwohnerinnen und Einwohnern herrschen. Mit dem Vorhaben soll das Viertel wieder größere Bedeutung bekommen.