Arbeiten am Zukunftsort

Arbeiten am Zukunftsort: Wirtschaftsminister beeindruckt vom Folienwerk Wolfen

Wolfen - Nicht um schneller, höher, weiter geht es bei den Folienherstellern in Wolfen. Sondern um leichter, robuster, vielseitiger. Das sind Anforderungen an die Produkte, die aus dem Folienwerk Wolfen in die Welt gehen. Gebraucht werden die Spezialprodukte unter anderem in der Medizin, in der Bau-, Glas- und Solarindustrie, im Flugzeug- und Automobilbau, der Verpackungsbranche und ...

Von Christine Färber

Nicht um schneller, höher, weiter geht es bei den Folienherstellern in Wolfen. Sondern um leichter, robuster, vielseitiger. Das sind Anforderungen an die Produkte, die aus dem Folienwerk Wolfen in die Welt gehen. Gebraucht werden die Spezialprodukte unter anderem in der Medizin, in der Bau-, Glas- und Solarindustrie, im Flugzeug- und Automobilbau, der Verpackungsbranche und anderswo.

Gerade jetzt hat eine der Folien Hochkonjunktur - jene, aus der Gesichtsvisiere zum Schutz gegen Corona-Viren hergestellt werden. „Wenn irgendwo in der Welt die Infizierten-Zahlen steigen, können wir drauf warten, dass wir Anrufe kriegen“, sagt Werkleiter Thomas Olszowy. Solche Folien nämlich, die extrem hohen optischen Anforderungen genügen müssen, die kann eben nicht jeder.

Und auch das kann nicht jeder: Organobleche. Werkstoffe, die aus einem luftigen Fasergewebe bestehen, das in eine Kunststoffmatrix eingebettet ist. Durch ihr geringes Gewicht und ihre Formbarkeit sind sie der Hit beispielsweise im Flugzeug- und Automobilbau.

Das Folienwerk Wolfen ist für den Wirtschaftsminister eine beispielhafte Firma an einem Zukunftsort

Hier wollen die Wolfener mitreden. Ein gemeinsames Projekt mit der Technischen Uni Ilmenau, das zur Entwicklung eines neuen Verfahrens führen soll, ist auf den Weg gebracht. „Wir hoffen, dass das genehmigt und gefördert wird“, so Olszowy.

Innovative Ideen und zukunftsweisende Projekte wie dieses sind quasi Musik in den Ohren von Wirtschaftsminister Armin Willingmann (SPD), der auf seiner Sommertour das Unternehmen jetzt besuchte. Er hat besonders innovative Standorte des Landes, an denen sich Wirtschaft und Wissenschaft verzahnen, im Blick. Zu denen zählt er den Chemiepark Bitterfeld-Wolfen, den er zuvor als „Zukunftsort“ ausgezeichnet hatte.

„Sachsen-Anhalt hat sich durch kontinuierliche Vernetzung von Wirtschaft und Wissenschaft sowie gezielte Forschungs- und Wirtschaftsförderung zu einem attraktiven Standort für Investoren entwickelt“, erklärt er und verweist auf Ansiedlungen in der Region wie Europas modernste Papierfabrik von Pro Group oder den Batteriehersteller Farasis. Auch das Folienwerk Wolfen ist für ihn eine beispielhafte Firma an einem Zukunftsort.

Energie durch Wasserstoff, Batterie- und Brennstoffzellen, innovative Medizintechnik und Chemie , unbemannte Luftfahrt – Sachsen-Anhalt entwickelt sich zu einem Land der Zukunftstechnologien. Die Investitions- und Marketinggesellschaft hat mit dem Wirtschaftsministerium „Zukunftsorte“ ausgemacht, an denen diese Entwicklung deutlich wird.

Die Zukunftsorte sind: Agro-Chemiepark Piesteritz, Chemiepark Bitterfeld-Wolfen, MMZ Mitteldeutsches Multimediazentrum, Chemiepark Zeitz, Chemiestandort Leuna, DOW Value Park, Technologiepark Weinberg Campus, Biopharmapark Dessau, Green Gate Gatersleben, Wissenschaftshafen Magdeburg, Forschungscampus STIMULATE und Technologiepark Ostfalen Barleben.

Drei Viertel der Produkte werden exportiert

Aus der Gießerei 6 der Filmfabrik im Jahr 1991 hervorgegangen, beschäftigt die Firma heute 140 Mitarbeiter, die einen Jahresumsatz von 35 Millionen Euro erarbeiten. Bei vollem Betrieb können 20.000 Tonnen Folie im Jahr produziert werden. Forschung und Entwicklung werden groß geschrieben: Vier Wissenschaftler sind allein mit diesen Themen befasst - so mit der Entwicklung biobasierter Materialien und spezieller Weichfolien, optischen Optimierungen und mehr. „Wir bieten auch eigene Lösungen für Nischenmärkte“, sagt Olszowy.

Drei Viertel der Produkte werden exportiert. So ist es kaum verwunderlich, wenn der Personalausweis der Vietnamesen aus Wolfener Folie besteht. Auch die Karte von American Express übrigens trägt das Gütesiegel aus Wolfen. Ein Großteil der Folien wird gebraucht für Sicherheitsglas - vom einfachen Balkon bis zur futuristischen Fassade. Die Scheiben der Elbphilharmonie in Hamburg zum Beispiel bestehen aus Sicherheits- und Dämmglas, für das Hersteller Guardian das Material aus dem Folienwerk von gegenüber verwendete. (mz)