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Wolfgangstift am Louis-Braille-Platz Wolfgangstift am Louis-Braille-Platz: Vom Zuchthaus zum Büro

Von Katharina Thormann 20.06.2018, 09:56
Die Heizungsbauer John Karstedt (v. li.) und Michael Brandt entfernen die alten Heizkörper aus dem Gebäude.
Die Heizungsbauer John Karstedt (v. li.) und Michael Brandt entfernen die alten Heizkörper aus dem Gebäude. Engelbert Pülicher

Bernburg - Wie es sich anfühlt ganz freiwillig in einem ehemaligen Zuchthaus zu arbeiten, hinter knapp einem Meter dicken Wänden und Mini-Fenstern?

Auf diese Frage können einige Mitarbeiter der Kanzler von Pfau’schen Stiftung in Bernburg schon sehr bald Neugierigen eine Antwort geben.

Denn sie werden künftig im Wolfgangstift am Louis-Braille-Platz arbeiten.

Die Container voll mit Bauschutt vor dem Haus haben es den vorbeifahrenden Autofahrern schon verraten, dass demnächst wieder Leben in eines der ältesten Häuser Bernburgs einkehrt.

„Hier entsteht unser Verwaltungsgebäude“, sagt Stiftungsdirektor Andreas Schindler und lüftet damit das Geheimnis um die aktuell laufende umfangreiche Sanierung des mehr als 500 Jahre alten Objekts.

Wolfgangstift am Louis-Braille-Platz: 5 Jahre Leerstand haben ein Ende

Fünf Jahre lang stand die Immobilie leer. Zuletzt wurde sie von der Stadt Bernburg als Obdachlosenunterkunft genutzt.

Doch Stiftungsleiter Schindler hatte bereits Jahre zuvor ein Auge auf die Immobilie geworfen.

Schließlich war es eines der wichtigen und noch fehlenden Puzzleteile auf dem weitläufigen Stiftungs-Gelände zwischen Louis-Braille-Platz, Hallesche Straße, Jacobstraße und Kustrenaer Straße.

Wolfgangstift am Louis-Braille-Platz: Haustausch kam wie gerufen

Auf diesem Gelände betreibt die Pfau’sche Stiftung unter anderem ein Pflegeheim, eine Tagespflege, altersgerechte Wohnungen und das Herzstück - das Gemeindehaus.

Darum kam Geschäftsführer Schindler ein Haustausch mit der Stadt Bernburg wie gerufen.

Um das Wolfsgangstift zu bekommen, baute die Stiftung das Eckhaus an der August- und Bahnhofstraße für die Stadt zum Sozialzentrum aus, in dem seit 2013 nicht nur die Obdachlosenunterkunft betrieben wird, sondern auch die Bernburger Tafel untergekommen ist.

Wolfgangstift am Louis-Braille-Platz: Kerngeschäft wird sich nicht verändern

Parallel dazu liefen bereits die ersten Planungen für die Sanierung des Wolfsgangstifts, das ausnahmsweise nicht das Kerngeschäft erweitern sollte.

„Absoluten Vorrang hatte bisher die Arbeit mit alten Menschen. Weil wir immer weiter gewachsen sind, sind die Mitarbeiter der zentralen Verwaltung überall auf dem Gelände verstreut. Das Bedürfnis, nun auch etwas für die Mitarbeiter zu tun, ist immer mehr gewachsen“, begründet Schindler die neue Investition, die künftig für kurze Wege sorgen soll.

Wolfgangstift am Louis-Braille-Platz: Umzug schon Ende des Jahres

Wenn nichts Unvorhergesehenes dazwischenkommt, können die 15 Mitarbeiter bereits Ende des Jahres die Umzugskartons packen. Denn spätestens bis Weihnachten ist der Umzug geplant.

Doch bis dahin müssen sich die Handwerker noch die Klinke in die Hand geben.

Während an die Entkernung bereits ein Haken gemacht werden kann und schon in einigen Räumen der Trockenbau abgeschlossen ist, sind derzeit die Heizungsmonteure am Werk.

Wolfgangstift am Louis-Braille-Platz: Absprachen mit der Denkmalpflege

In Abstimmung mit der Denkmalschutzbehörde werden nur kleine Veränderungen am Schnitt der Räume vorgenommen, so Schindler.

Auch für die einstigen Knastzellen gibt es eine Lösung, mit der die Mitarbeiter gut leben können. Sie müssen nicht hinter Gittern ihren Dienst tun.

„Dort kommt das Archiv und die Technik rein“, sagt Schindler.

Nur die Steintreppe direkt am Haupteingang wird zukünftig aus Sicherheitsgründen nicht mehr als Aufgang genutzt werden.

Stattdessen müssen die Mitarbeiter auf eine Wendel- oder die Holztreppe an den Übergängen zu den Flügeln ausweichen.

Wolfgangstift am Louis-Braille-Platz: Mittagessen auch im Garten möglich

Dafür dürfen sie sich aber über einen großen Aufenthaltsraum für die Pausen freuen. Und wenn das Wetter passt, können sie das Mittagessen auch im Garten hinter dem Haus genießen.

Durch diesen hat sich aktuell zwar der Bagger für die Verlegung der Kabel gefressen, spätestens zur Eröffnung soll aber alles wieder hergerichtet sein, versichert Schindler.

Abschied in den Ruhestand

Er selbst wird allerdings nicht mehr in den Genuss kommen, das dort geplante Chefbüro zu beziehen.

Das wird stattdessen seine Nachfolgerin tun, nachdem er sich Ende des Jahres in den Ruhestand verabschiedet. Das Wolfsgangstift soll nach seiner mehr als 20-jährigen Tätigkeit bei der Stiftung darum sein allerletzter Akt als Chef sein.

Weitere Infos zur Kanzler von Pfau’schen Stiftung in Bernburg unter der folgenden Adresse: www.kanzlerstiftung.de (mz)

Die Gewölbedecken im Inneren.
Die Gewölbedecken im Inneren.
Pülicher
Einer der Flügel mit den Zellen.
Einer der Flügel mit den Zellen.
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