Ingo Insterburg

Ingo Insterburg: Mal wieder zu Besuch

Bernburg/MZ - „Fast auf den Tag genau sind es 60 Jahre, als ich nach Westberlin ausgewandert bin“, erklärt Ingo Insterburg. „Da waren Herbstferien. Das weiß ich noch. Es kommen so viele Erinnerungen hoch, wenn man durch Bernburgs Straßen geht“, ergänzt er. Und das nicht ohne Grund, hat doch der Komiker und Sänger mehrere Jahre in der Saalestadt ...

Von Conny Schreiber 06.10.2013, 18:20

„Fast auf den Tag genau sind es 60 Jahre, als ich nach Westberlin ausgewandert bin“, erklärt Ingo Insterburg. „Da waren Herbstferien. Das weiß ich noch. Es kommen so viele Erinnerungen hoch, wenn man durch Bernburgs Straßen geht“, ergänzt er. Und das nicht ohne Grund, hat doch der Komiker und Sänger mehrere Jahre in der Saalestadt gelebt.

An seine Schulzeit in der Franz-Mehring-Schule kann sich Insterburg genau erinnern und an die Penne - das heutige Carolinum - wo er sein Abitur ablegte. „Bei mir spielt die Zahl vier eine bedeutende Rolle. Vier Jahre Grundschule, vier Jahre Penne, ungefähr vier Jahre Studium und vier Jahre Ehe - damit war meine Ausbildung abgeschlossen“, zog er seine persönliche Bilanz.

„Irgendwas muss man ja am Hals haben“

Der Künstler, der im nächsten Jahr seinen achtzigsten Geburtstag feiert, präsentierte am vergangenen Freitag ein grandioses Unterhaltungsprogramm auf höchstem Niveau und bot dem begeisterten Publikum im Bernburger Theater einen fast zweistündigen Angriff auf das Zwerchfell mit außergewöhnlichen, musikalischen Höhepunkten. Insterburg, der in Ostpreußen in der gleichnamigen Stadt geboren wurde, kam als Ingo Wetzker zur Welt. Bernburg war seine zweite Lebensstation. Gewohnt hatte die Familie in der Roschwitzerstraße 38. Als sein Vater 1947 aus der Kriegsgefangenschaft zurückkehrte, zogen Wetzkers in die Beethovenstraße 7 - an der alten Bibel.

„Dort hat sich auch sehr viel verändert“, stellte er fest. Und dabei gerät er weiter ins Schwärmen, nun aber über sein Lieblingsfach Geometrie. So ist es erklärlich, dass die drei selbst kreierten Sterne, die er heutzutage an seinen Ketten trägt, neunzackig sind und die Zwischenräume aus gleichseitigen Dreiecken bestehen. Sein Kommentar dazu: „Irgendwas muss man ja am Hals haben“.

Die erste Liebe kam aus Bernburg, die Zahnarzttochter Dietlinde wohnte um die Ecke, in der Mozartstraße. Zarte Hoffnungen knüpfte er später auch bei Vera, einer Klassenkameradin, mit der er sich zu einem Theaterbesuch verabredete. Aber es kam alles anders. Die Familie floh über Nacht in den Westen. „Da war ich völlig fertig“, gesteht er. Seine Erinnerungen gehen aber vor allem zu seinem ersten Job im Bernburger Theater, als er mit nur ein paar Sätzen bei „Emil und die Detektive“ mitwirken durfte.

Und wie tief er sich in seiner Gedankenwelt verlieren kann, wurde in einer Vorstellungspause deutlich, die einige Zuschauer nutzen, um persönliche Erinnerungen mit Insterburg auszutauschen. Der Bernburger Manfred Kalberlah ließ sich Fotos signieren und plauderte aus alten Zeiten, als er mit ihm in einer Grundschulkapelle spielte. Und so ist der Sänger, Schauspieler und Schriftsteller auch ein begnadeter Multi-Instrumentalist. Das bewies er seinem Publikum, indem er auf verschiedenen Instrumenten gleichzeitig spielte. Mit seinen Reimen, Gedichten und Liedern, die oft nicht mal einen Minute lang sind, hatte er die Lacher auf seiner Seite. Natürlich durfte sein Kult-Hit „Ich liebte ein Mädchen...“ nicht fehlen, in dem Bernburg auch bedacht wurde, als es hieß: „Ich liebte ein Mädchen in Bernburch, da brach im Himmel ein Stern durch“.