Hochschule Anhalt

Hochschule Anhalt: Rhabarber als Wunderwaffe gegen Pilze

Bernburg - An der Hochschule Anhalt in Bernburg werden alternative Pflanzenschutzmittel aus dem Extrakt der Wurzel des Gemüses entwickelt.

Von Miriam Fuchs 11.08.2020, 13:40

Sommergerste, Winterweizen, Roggen, Tomaten oder Wein: All diese Pflanzen sind anfällig für Pilzerkrankungen. Mit einem Extrakt aus der Rhabarberwurzel bekämpfen Wissenschaftler der Hochschule Anhalt in Bernburg erfolgreich pflanzenschädliche Pilze und sorgen für bessere Resistenzen der Pflanzen.

Die erprobten und patentierten Rezepturen stehen bereit für das Zulassungsverfahren. Mit einem interessierten Hersteller könnte schon bald innovativer, biologischer Pflanzenschutz aus Sachsen-Anhalt weltweit in der Landwirtschaft eingesetzt werden.

Forschung bereits seit 1990

Während man gemeinhin Rhabarber eher als Süßspeise kennt, werden an der Hochschule Anhalt die vielseitigen Einsatzmöglichkeiten der Rhabarberwurzel bereits seit den 1990er Jahren erforscht. Mit dem Wurzelextrakt lässt sich beispielsweise Tierhaut nachhaltig zu Leder gerben. Marit Gillmeister ist in ihrer Promotion der Wirkung des Substanzgemisches auf den Grund gegangen und machen das Wurzelextrakt zur biologischen Wunderwaffe gegen Pilze.

Wirkung bei verschiedenen Feldversuchen nachgewiesen

Nachgewiesen wurde die Wirkung bei verschiedenen Feldversuchen in Zusammenarbeit mit der Landwirtschaftsgesellschaft Arendsee, dem Weingut Rollsdorfer Mühle im Mansfelder Land und dem Gartenbauzentrum sowie der Hochschule Geisenheim am Rhein. „Freilandversuche sind natürlich immer witterungsabhängig“, so Gillmeister.

Alternative Pflanzenschutzmittel sind ein wichtiger Beitrag zur Bioökonomie und der Entwicklung des nachhaltigen Wirtschaftens.

Mit einem speziellen Extraktionsverfahren im Labor- und Kleintechnikumsmaßstab konnte an der Hochschule Anhalt das Rhabarberfungizid mit einem preislich konkurrenzfähigen Aufwand hergestellt werden. Mit einer Rhabarberanbaufläche von 1,2 Quadratmetern lässt sich genügend Extrakt gewinnen, um einen Hektar Getreidefläche zweifach zu behandeln.

Erntezeitpunkt beim Rhabarber ist wichtig

Eine für das Extrakt erntereife Wurzel sollte etwa drei Jahre alt sein. „Die Mischung macht es“, so Marit Gillmeister, „der Erntezeitpunkt ist daher nicht entscheidend für den Erfolg.“ Das Produkt sei zulassungsreif, betont Marit Gillmeister. Ihr Wunsch ist es, einen Hersteller zu finden, der diese Innovation in den Markt einführt.

„Das Potenzial unserer heimischen Pflanzen ist riesig“, bestätigt Marit Gillmeister. „In unseren Forschungsarbeiten achten wir darauf, praxisorientierte, wirtschaftliche Herstellungsverfahren zu entwickeln.“ Denn nur so lassen sich die Ergebnisse aus Forschung und Wissenschaft auch auf die Wirtschaft übertragen, davon ist sie überzeugt. (mz)