3-G Regel in Bussen

Bernburger Nahverkehr mit Fahrgastschwund

Welche Auswirkungen die Pandemie und die Verordnungen auf die Bernburger Kreisverkehrsgesellschaft hat.

Von Sebastian Möbius 18.01.2022, 12:04
Die Anzahl der Fahrgäaste ist seit Beginn der Corona-Pandemie deutlich geschrumpft.
Die Anzahl der Fahrgäaste ist seit Beginn der Corona-Pandemie deutlich geschrumpft. Foto: Sebastian Möbius

Bernburg/MZ - Beim Einsteigen begrüßt der Busfahrer hinter einer Plexiglasscheibe sitzend die Fahrgäste. Das Ticket wird gelöst und nach einem aktuellen Impf- oder Testnachweis gefragt. Die Gäste bejahen letzteres und dürfen einsteigen. Vorzeigen müssen sie den Nachweis nicht. Einige machen es jedoch unaufgefordert beim Betreten des Busses. Die erste Sitzreihe ist mit rot-weißem Flatterband abgesperrt, um den Abstand zum Fahrer zu wahren. Seit November gilt in Bussen die 3-G-Regel. Nur wer geimpft, genesen oder getestet ist, darf mitfahren.

Nur noch Bruchteil an Gästen

So auch auf der Linie 113 der Kreisverkehrsgesellschaft Salzland (KVG) nach Borgesdorf. Pünktlich gegen halb 10 morgens fährt sie los. Die Anzahl der Fahrgäste ist überschaubar - zwei an der Zahl. „Seit die Corona-Pandemie herrscht, haben wir nur noch einen Bruchteil an Gästen, die bei uns mitfahren. Merkbar ist dies besonders am Dienstag, wenn Wochenmarkt in Bernburg ist. Früher waren dort die Busse voll. Jetzt nur noch zwei bis drei Mitfahrende“, so die Busfahrerin. Auch die 3-G-Regelung sieht sie zwiegespalten.

Natürlich sei es zum Schutz aller wie die Fahrerin erzählt, jedoch würde es auch viele Einschränkungen mit sich bringen. „Ich hatte den Fall, dass eine Frau mit ihrem Sohn zum Impfen wollte. Der Sohnemann hatte aber keinen gültigen Nachweis dabei und alleine schaffte es die Frau nicht mehr körperlich. Ich musste beide leider stehen lassen“, erzählt die Busfahrerin.

Keine ernsthaften Vorfälle

Zu ernsthaften Anfeindungen und Vorfällen sei es bislang zum Glück jedoch nicht gekommen, wie sie erzählt. Problematisch wird es jedoch, während der Fahrt zu kontrollieren, ob die Fahrgäste die Maskenpflicht einhalten. „Ich muss mich auf das Verkehrsgeschehen konzentrieren. Wenn es mir auffällt, sage ich was. Ob es dann umgesetzt wird, kann ich nicht immer haargenau überprüfen“, sagt sie.

Von ihren Kollegen weiß sie, dass das Thema Impfen auch in der Belegschaft ein großes Thema ist. „Wir hatten anfangs 19 ungeimpfte Mitarbeiter. Jetzt sind es nur noch zehn“, sagt sie. Dazu zählt sie selbst. Zu groß sei die Angst über mögliche Nebenwirkungen des Impfstoffes. Viele ihrer Kollegen haben sich impfen lassen, um im Falle einer Quarantäne weiter Lohn zu bekommen - eine rein finanzielle Entscheidung wie die Busfahrerin angibt.

Werner Wäz ist quasi ein Stammgast auf der Linie 113. Er fährt zwei Mal die Woche zum Einkaufen. „Ich finde die 3-G-Regelung angemessen. Sie dient auch zum Schutz, gerade für uns ältere Fahrgäste“, so der 84-Jährige. Und er würde es begrüßen, wenn sich noch mehr Leute gegen das Virus impfen lassen würden.

Zwei Leerfahrten am Tag

Busfahrer Thomas Wagenführ fährt regelmäßig die Buslinie zum Pep-Markt, doch die leerbleibenden Busse sind auch für ihn neu. „Bei acht Fahrten am Tag habe ich zwei Leerfahrten. Die Auswirkungen durch die Pandemie sind sehr spürbar. Sowas habe ich in 32 Jahren Dienstzeit noch nicht erlebt“, erzählt der 53-Jährige.

Die 3-G-Regel im Allgemeinen sieht er nicht als Problemfaktor. Jedoch die Umsetzung. „Wir bekommen den Auftrag zur Umsetzung vorgelegt und die Aufklärung zur Umsetzung und Handhabung fällt nach hinten herunter. Wir werden damit alleingelassen“, merkt Thomas Wagenführ an. Auf seinen Fahrten ist es bis jetzt weitestgehend ruhig geblieben. Es gab vereinzelt Diskussionen um das Tragen einer Maske. Diese seien jedoch immer glimpflich und gesittet verlaufen sagt er. Positiv merkt er an, dass gerade die jüngeren Fahrgäste unaufgefordert den digitalen Impfnachweis bereithalten. Aber auch bei den älteren sei der analoge Nachweis kein Problem.

Neue Anreize schaffen

Dass es immer weniger Fahrgäste werden, sieht Thomas Wagenführ auch in der Fahrplanentwicklung. „Wir reden immer davon, die Leute weg von den Autos zu bringen und mehr auf den öffentlichen Nahverkehr zu setzen. Wenn das erreicht werden soll, muss man sich Gedanken über attraktivere Fahrpläne zu machen um Anreize zu schaffen“, so der Busfahrer. Ein Vorschlag seinerseits wäre, den Austausch mit großen Firmen und Unternehmen in der Region zu suchen, um über Betriebslinien und -anbindungen zu reden. Die aktuellen Abfahrtszeiten wären für Werktätige nicht reizend, um die Busse für den Arbeitsweg zu nutzen.

Dabei hat die KVG-Salzland erst im vergangenen Jahr vom Stundentakt auf halbstündige Busfahrten umgestellt. Die Busse bleiben trotzdem aktuell weitestgehend leer.