Bahnhofsgarten Bernburg

Bahnhofsgarten Bernburg: Auf Grünfläche sind 52 Parkplätze geplant

Bernburg - Rund 3.700 Menschen fahren täglich aus der Umgebung nach Bernburg zur Arbeit. Ein Teil von ihnen steuert in der Innenstadt die Häuser der Kreisverwaltung an. Weil mit dem neuen Parkraumkonzept nach und nach kostenfreie Dauerpark-Möglichkeiten aus dem Stadtzentrum verdrängt werden, will die Stadtverwaltung den Berufspendlern nun Alternativen anbieten - und ist im Bahnhofsgarten fündig ...

Von Torsten Adam 03.06.2017, 12:45

Rund 3.700 Menschen fahren täglich aus der Umgebung nach Bernburg zur Arbeit. Ein Teil von ihnen steuert in der Innenstadt die Häuser der Kreisverwaltung an. Weil mit dem neuen Parkraumkonzept nach und nach kostenfreie Dauerpark-Möglichkeiten aus dem Stadtzentrum verdrängt werden, will die Stadtverwaltung den Berufspendlern nun Alternativen anbieten - und ist im Bahnhofsgarten fündig geworden.

Ein Teil der Grünfläche soll für 52 Parkplätze geopfert werden und mit der Parkraumbewirtschaftung die Bernburger Freizeit GmbH (BFG) beauftragt werden. Daniel Krebietke vom Büro Grünplan stellte am Mittwochabend in der Sitzung des Bauausschusses den Planungsentwurf vor.

Bürgerinitiative in Gründung?

Zwar stimmten anschließend acht der neun Stadträte für dieses Projekt, nur Uwe Schlegel (Grüne-Fraktion) war dagegen. Doch so eindeutig wie diese Abstimmung dürfte das Meinungsbild in der Bevölkerung wohl nicht sein. Ganz im Gegenteil, ist Erich Buhmann überzeugt. „Ich bin entsetzt, dass der Park gegen Parkplätze getauscht werden soll“, zeigte er sich auch überrascht über den fortgeschrittenen Planungsstand.

Er habe nach Bekanntwerden des Vorhabens viele Anrufe von Menschen erhalten, die eine Bürgerinitiative dagegen fordern. „Die Entscheidung der Verwaltung ist nicht sensibel, die Bernburger erwarten stattdessen, dass das Bahnhofsumfeld aufgewertet wird“, sagte er. Statt den Park zu opfern, sollte man im Rathaus lieber über ein Parken- und Reisen-System mit Parkplätzen am Stadtrand nachdenken.

Unterstützung erhielt Erich Buhmann von Angelika Trensch. Die so genannte sachkundige Einwohnerin der Linken verwies auf die Stadtbuslinie, die die Kreismitarbeiter nutzen können. Das sollte angesichts der Gleitzeit-Möglichkeiten in der Kreisverwaltung kein Problem sein.

Roland Reichelt verteidigt den Plan

„Der Parkcharakter bleibt“, beteuerte BFG-Geschäftsführer Roland Reichelt gegenüber der MZ. Dazu sollen die Stellflächen auch von einer neu zu pflanzenden Hecke eingegrenzt werden. Vorgesehen ist ein niedriger Wuchs, um das Sicherheitsgefühl der Nutzer nicht zu reduzieren. Dazu beitragen soll auch die Installation von mindestens drei Laternenmasten mit LED-Leuchten des Typs „Alt Berlin“. Sieben kleinere Bäume, die nicht Teil des historischen Parkbestandes seien, werden nach Angaben von Daniel Krebietke gefällt und im Park ersetzt.

„Um die größeren Bäume bauen wir herum und sparen die Wurzelbereiche aus“, erläuterte der Planer den Entwurf. Die Fahrbahn des Parkplatzes solle asphaltiert, die Stellflächen selbst mit Betonsteinpflaster und Sickerfugen versehen werden. „Rasengittersteine sind hier nicht sinnvoll, weil es in Bernburg zu trocken ist“, ergänzte Oberbürgermeister Henry Schütze (parteilos).

Weil der neue Parkplatz kostenpflichtig wäre, ist für die einzige Zufahrt vom Bahnhof aus eine Schrankenanlage vorgesehen. 30 Euro soll eine Stellfläche pro Monat kosten. Aber gibt es dafür überhaupt genug Mieter? „Wir sind dabei, eine Interessentenliste zu erstellen und lassen momentan in der Kreisverwaltung den Bedarf ermitteln“, sagte Roland Reichelt.

Holger Dittrich: Hier verschwindet kein Park

„Hier verschwindet kein Park, hier werden nur Teilflächen umgenutzt“, sagte Wirtschaftsdezernent Holger Dittrich und wies darauf hin, dass die Stadt Bernburg in der Vergangenheit 500 bis 600 Bäume mehr gepflanzt als abgeholzt habe. „Wir sind Vorbild bei Ersatzpflanzungen, machen da mehr als gesetzlich vorgeschrieben“, versicherte er.

Uwe Schlegel entgegnete, dass es nicht nur um die Bäume gehe, sondern auch den Verlust von Wiesen. „Diese Fläche wird zu einem Drittel versiegelt“, sagte der parteilose Stadtrat. Viele Bahntouristen würden beim Warten auf den nächsten Zug in der kleinen grünen Oase verweilen. Skeptisch ist Uwe Schlegel auch hinsichtlich der stadtbekannten Trinker-Szene, für die der Park ein beliebter Treffpunkt geworden ist. „Wer sichert die Autos, wenn sich dort Leute herumtreiben, die Ärger machen?“ Eine Antwort erhielt er auf seine Frage nicht.

Stadtrat entscheidet Ende Juni

Geplant ist, das Parkplatz-Projekt im Bahnhofsgarten noch in diesem Jahr zu realisieren. Vorausgesetzt, es nimmt die weiteren politischen Hürden. Zunächst wird es noch einmal am Dienstag nach Pfingsten, 6. Juni, im Planungs- und Umweltausschuss beraten, ehe der Stadtrat am Donnerstag, 22. Juni, die endgültige Entscheidung fällt. (mz)