Anlaufstelle für Süchtige

Anlaufstelle für Drogensüchtige in Bernburg: Stadtrat gibt Geld für Drogenberater frei

Bernburg - „Mir ist nicht ganz klar, wo es hingehen soll“, sagt Hans Strecker, dessen Verein bis Ende 2015 die Drogenanlaufstelle „Ufer“ betrieben hatte.

Von Susanne Schlaikier 21.04.2018, 07:55

Hans Strecker ist schon ein wenig enttäuscht. Der Geschäftsführer des Vereins Rückenwind hatte sich etwas mehr Klarheit nach der Stadtratssitzung am Donnerstag in Hinblick auf die Wiedereröffnung der Drogenpräventionsstelle erwartet. „Mir ist nicht ganz klar, wo es hingehen soll“, sagt Strecker, dessen Verein bis Ende 2015 die Drogenanlaufstelle „Ufer“ betrieben hatte.

Sozialausschuss hatte keine Empfehlung gegeben

Die Verwaltung hatte den Stadtratsmitgliedern nun einen neuen Beschlussvorschlag vorgelegt, nachdem sich der Sozialausschuss am 10. April nicht zu einer Empfehlung hatte durchringen können.

So hat sich der Stadtrat zwar mit 34 Stimmen (bei 2 Enthaltungen) mehrheitlich dafür ausgesprochen, das Geld für die Bezahlung einer Stelle im Bereich der Drogenberatung freizugeben, allerdings unter der Bedingung, dass die Verwaltung zunächst ein Konzept vorlegt.

Stadt will freien Träger mit ins Boot holen

Sollte sich ein freier Träger finden, der zusammen mit der Stadt einen weiteren Experten für Suchtberatung finanziert, könnte es zur Wiedereröffnung kommen.

Für die Stadt Bernburg geht es dabei um 53.000 Euro pro Jahr, die nun im Haushalt eingeplant werden. „Das ist ein so komplexes Thema, dass wir das Geld so zielführend wie möglich ausgeben müssen“, sagte Oberbürgermeister Henry Schütze (parteilos).

Schütze deutet Kooperation mit dem Sozialzentrum an

Es gehe darum, die Situation zu analysieren - also, welche Angebote im Bereich Drogenberatung gibt es bereits? Und wo gibt es noch Lücken? Das sei der Hintergrund der Beschlussvorlage. Er hält etwa eine Zusammenarbeit mit dem städtischen Sozialzentrum für möglich.

Jens Kramersmeyer (CDU-Fraktion) befürwortete den Vorschlag. Er hält es jedoch für wichtig, die Schule in die Präventionsarbeit einzubeziehen. Das jedoch, bemerkte Gerd Klinz (FDP), sei auch immer Anliegen des Vereins Rückenwind gewesen. „Es hat genauso funktioniert, wie ich das wollte.“ Klinz forderte den Stadtrat auf, sich zu positionieren: „Wollen wir das Geld ausgeben oder nicht?“

„Wir können nicht weggucken“

„Wir können das Geld nur einmal ausgeben“, sagte Stefan Ruland (CDU). Er sei prinzipiell dafür, Drogenabhängigen zu helfen - auch wenn es eigentlich nicht die Aufgabe der Stadt sei. „Aber wir können nicht weggucken.“ Ruland pflichtete jedoch OB Schütze bei, dass man die bestehenden Möglichkeiten prüfen solle, „um Doppel-Angebote zu vermeiden“.

Rückzug des Salzlandkreises hatte zur Schließung geführt

Die Anlaufstelle „Ufer“ des Vereins Rückenwind in der Nienburger Straße 24 in Bernburg war geschlossen worden, weil der unter Sparzwang stehende Salzlandkreis seinen Kostenanteil von 22.000 Euro pro Jahr gestrichen hatte.

Ein privater Spender, der namentlich nicht genannt werden möchte, will - wie Anfang 2018 angekündigt - jährlich 15.000 Euro für das Drogenpräventionsprojekt zur Verfügung zu stellen. Eine einmalige Summe von 1.700 Euro für den Neubeginn war bei einem Benefiz-Kochen Ende Januar im Hotel Wippertal in Ilberstedt zusammengekommen.

Auch wenn Hans Strecker sich mehr von der Sitzung des Stadtrates erhofft hatte, so ist für den Rückenwind-Geschäftsführer vor allem wichtig, dass sich im Bereich Drogenberatung etwas tut. „Wenn überhaupt etwas zustande kommt, freuen wir uns.“ (mz)