„Liebevolles Zuhause verdient“

Viele Katzen im Tierheim Aschersleben sind schwer vermittelbar: 45 Katzen suchen Zuhause

Aschersleben - Sie schnurren, schmusen und sind ziemlich eigenwillig: Katzen. Zum heutigen Weltkatzentag stehen die Vierbeiner - laut einer Statistik die beliebtesten Haustiere der Deutschen - wieder einmal besonders im Fokus. Doch längst nicht alle Katzen leben in Sicherheit und sind gut geschützt.

Von Katrin Wurm

Sie schnurren, schmusen und sind ziemlich eigenwillig: Katzen. Zum heutigen Weltkatzentag stehen die Vierbeiner - laut einer Statistik die beliebtesten Haustiere der Deutschen - wieder einmal besonders im Fokus. Doch längst nicht alle Katzen leben in Sicherheit und sind gut geschützt.

In Deutschland gibt es laut dem Tierschutzbündnis Pro Katze rund zwei Millionen Streunerkatzen, vielleicht sogar noch mehr, denn eine genaue Zahl sei schwer zu ermitteln. Viele leiden an Unterernährung, Krankheiten, Verletzungen und Kälte.

Nicht selten sterben sie qualvoll. Daher appelliert das Bündnis zum heutigen Weltkatzentag an alle Katzenhalter, ihre eigenen Hauskatzen, die Freigang genießen, kastrieren zu lassen.

Tierschutzbündnis Pro Katze appelliert an alle Halter, ihre Hauskatzen kastrieren zu lassen

Dafür spricht sich auch das Tierheim in Aschersleben aus. Dessen Leiterin Silvia Rupkalwies sagt: „Wir sind absolut für das Kastrieren der Katzen. Doch leider fehlt dazu eine gesetzliche Grundlage, die es für Einrichtungen wie unsere einfacher und rechtssicher macht, die Katzen zu kastrieren.

Wir sind sauer auf die Landesregierung, denn schon seit Jahren wird versprochen, das Thema auf die Agenda zu nehmen. Doch am Ende ist einfach nichts passiert. Nun hoffen wir weiter, dass sich da bald was entwickelt.“

Immerhin, ganz ausgeschlossen ist das Kastrieren der Tierheim-Katzen dennoch nicht: Nimmt das Tierheim eine Katze auf, wird der Vierbeiner in der Regel auch kastriert, wenn sich abzeichnet, dass sich kein Besitzer meldet. „Freigängerkatzen, die besitzerlos sind, erkennt man in der Regel daran, dass sie sehr scheu sind.

Sie sind den Umgang mit Menschen nicht gewohnt. Und wir als Tierheim haben eine Betriebserlaubnis. Das macht die Kastration in solch einem Fall einfacher für uns. Zumal wir einfach nicht zulassen können, dass sich die unkastrierten Katzen hier vermehren. Das würde die Situation noch weiter verschärfen.“

Nimmt das Tierheim in Aschersleben eine Katze auf, wird sie in der Regel auch kastriert

Eine gesetzliche Regelung zur Kastrationspflicht empfindet Rupkalwies aber auch deshalb als notwendig, um die Finanzierung zu sichern. Derzeit fallen für die Kastration eines weiblichen Tiers bis zu 150 Euro an, ein männliches Tier zu kastrieren koste bis zu 120 Euro.

„Auf dem Papier verursacht eine Tierheim-Katze am Tag sieben Euro. Doch gerade, weil viele krank sind und medizinisch betreut werden müssen, steigen die Kosten extrem an“, sagt Rupkalwies.

Im Tierheim in Aschersleben leben derzeit 45 Katzen auf mehrere Gehege verteilt. Viele sind krank, nicht selten sogar chronisch, so wie die rot-weiße Gerda, die Herpes am Auge hat und immer wieder medizinische Betreuung benötigt.

„Vermittelbar sind solche Katzen selten bis gar nicht. Obwohl, wie gerade in Gerdas Fall, viele Krankheiten für den Menschen nicht gefährlich sind. Das ist sehr, sehr schade. Denn gerade diese Katzen hätten ein liebevolles Zuhause verdient“, sagt die Tierheim-Leiterin.

„Gerade diese Katzen hätten ein liebevolles Zuhause verdient“,  sagt Silvia Rupkalwies vom Tierheim Aschersleben

Auch ältere Tiere seien nur sehr schwer vermittelbar, wie zum Beispiel die graue Katinka, die sich mit Gerda ein Gehege teilt und sich über ein Leckerli von Tierpflegerin Carolin Möhring freut. „Die Situation ist bei Hunden ähnlich. Auch da haben es ältere Tiere schwer, vermittelt zu werden.

Viele wollen Tiere haben, die sich für die Wohnungshaltung eignen, gesund und jung sind. Solche Tiere sind selten und dann auch schnell vermittelt“, weiß sie zu berichten. Und in der Ferienzeit sei die Vermittlungsquote noch geringer als sonst. „Jetzt, zum Ende der Ferien, wird es zum Glück wieder besser“, so Silvia Rupkalwies.

Um den Tieren zu helfen, ist sich Silvia Rupkalwies deshalb sicher: „Die Kastration von Streunerkatzen ist ein wichtiges Instrument, um deren Elend einzudämmen. Es nimmt einfach kein Ende. Haben wir eine Katze gesund gepflegt - was oft auch einfach eine teure Angelegenheit ist - kommt bereits die nächste kranke Katze.“

Um diesen Kreislauf der Krankheiten auch auf dem eigenen Gelände noch besser unterbrechen zu können, wird ab Mitte August im Tierheim umgebaut. „Es wird bald eine Quarantäne- und Krankenstation für Katzen geben. Dann können wir die Tiere besser separieren und behandeln, sodass kranke und gesunde Tiere sich nicht begegnen“, erklärt die Leiterin. Der Umbau soll im Frühjahr 2020 abgeschlossen sein. (mz)