Landwirtschaft im Salzlandkreis

Viele Böden sind trotz des Regens in der Tiefe trocken

Der Start ins Jahr 2021 war so schnee- und regenreich, wie es sich die Landwirte wünschen. Warum trotzdem „außergewöhnliche Dürre“ vorherrscht.

Von Detlef Anders
So staubtrocken wie auf diesem Foto sind die obersten 20 Zentimeter des Bodens zwar aktuell nicht, doch in bis 1,8 Meter Tiefe herrscht weiter Dürre. Foto: Gehrmann

Aschersleben - Schneeberge im Februar und Regen zu Ostern. Den Regenschirm brauchte man in den letzten Monaten schon öfter einmal. Und beim Umgraben im Garten ist der Boden gegenwärtig etwas feuchter als im Herbst. Die Dürre der letzten drei Jahre scheint eigentlich wieder der Normalität der gemäßigten Klimazone in Deutschland gewichen zu sein. Zumindest ist das gefühlt so.

Doch dieser Eindruck täuscht. „Es fehlt deutlich weiter an Niederschlag“, erklärt Diana Borchert, die Geschäftsführerin des Bauernverbandes Nordharz, dem auch Landwirte der Region Seeland und Aschersleben angehören.

„Die ersten 10 bis 20 Zentimeter sind noch feucht. Alles, was darunter ist, ist trocken“, sagt sie und hofft, dass die für das kommende Wochenende angesagten Niederschläge kommen. Eigentlich bräuchte es eine Woche mit stundenlangem Landregen, der kaum aufhört, damit das Wasser auch in die tieferen Bodenschichten vordringt. Der Wind und die Sonne trocknen die Böden schnell aus.

„Die ersten 10 bis 20 Zentimeter sind noch feucht. Alles, was darunter ist, ist trocken.“

Diana Borchert, Geschäftsführerin des Bauernverbandes Nordharz

Wer die Klimadaten des Deutschen Wetterdienst aufruft, der findet für 2018 das Jahr mit dem geringsten Niederschlag. Der DWD greift auf zwei Messstellen in der Region zu, in Mehringen und in Nachterstedt. 318 und 329 Millimeter wurden hier 2018 gemessen. 2019 waren es in Mehringen 429 Millimeter, in Nachterstedt 388, wobei für mehrere Tage keine Ergebnisse registriert sind. 416 (Mehringen) und 445 (Nachterstedt) Millimeter stehen für 2020 im Messprotokoll. Allerdings gab es auch hier einige Tage mit Stationsausfall, teilt Tobias Geiger vom DWD in Potsdam mit.

Betrachtet man die Messreihe für die vergangenen 20 Jahre, so lag das Jahr 2020 in Nachterstedt eigentlich nur zehn Prozent unter dem Durchschnitt der letzten 21 Jahre (491). 20 Prozent unter dem Durchschnitt der letzten 14 Jahre lag Mehringen (519).

Allerdings fielen allein im Juni 2020 mit rund 80 Millimeter rund 20 Prozent der Jahresmenge. In Mehringen waren es allein am 13. Juni 65 Liter je Quadratmeter, hatte die MZ nach dem heftigen Gewitter berichtet. In der kurzen Zeit konnte der Boden die Feuchtigkeit aber nicht aufnehmen, sie floss ab. Ausreißer nach oben werden für die Jahre 2010 und 2007 mit 778 und 735 Millimeter angezeigt. Sonst sind Werte zwischen 438 und 663 üblich.

Diana Borchert, Geschäftsführerin des Bauernverbandes Nordharz
M. Hunger

Den Landwirten kann trotz der Schneemengen und des Regens im Januar und Februar keine Entwarnung gegeben werden. Obwohl laut DWD damit im ersten Quartal bereits 120 Millimeter gemessen wurden.

Wie der Dürremonitor des Helmholz-Zentrums für Umweltforschung zeigt, ist der Salzlandkreis weit entfernt von einem guten Wassergehalt im Boden. Nur in den obersten Schichten bis 25 Zentimeter sieht es im Bereich zwischen Aschersleben und Egeln inklusive der Stadt Seeland gut aus. Der Rest des Salzlandkreises gilt in bis zu 25 Zentimeter Bodentiefe entweder als „ungewöhnlich trocken“ oder fällt bereits in die Kategorie „moderate“ bis „schwere Dürre“, die im östlichsten Teil des Kreises herrscht.

In den Bodenschichten bis 1,80 Meter Tiefe ist die Entwarnungsfarbe weiß nur zwischen Hakel und Egeln zu finden. Im Bereich der Stadt Seeland herrscht dunkelrot vor, was für die schlechteste Einstufung, die „außergewöhnliche Dürre“ steht. Diese findet sich sonst vor allem nördlich von Magdeburg, aber auch im Osten des Salzlandkreises. Aschersleben und seine Ortschaften sind orange gepixelt. Die Farbe steht für „schwere Dürre“.

Auf der Karte, die den Gehalt an pflanzenverfügbarem Wasser im Boden darstellt, ist fast der gesamte Salzlandkreis in weißer Farbe dargestellt, die für beginnenden Trockenstress der Pflanzen steht. 30 bis 50 Prozent Sättigung sind hier zu verzeichnen. Unter 50 Prozent müssten Landwirte eigentlich bewässern, um optimale Erträge zu erzielen. Nur im Bereich der Stadt Seeland sieht es mit rund 70 Prozent Sättigung besser aus.

Die Landwirte haben die Hoffnung auf Feuchtigkeit nicht aufgegeben. Anfang der Woche machten sie sich Sorgen wegen des Frostes. Der Mais bräuchte jetzt eher Wärme, weiß Diana Borchert. (mz)