Grafikstiftung Talerregen fürs Jubiläumsjahr in Aschersleben
Zehn Jahre nach Gründung wird es 2022 eine große Schau mit allen Grafiken von Neo Rauch geben.

Aschersleben/MZ - Das kommende Jahr wird ein besonderes für die Grafikstiftung Neo Rauch. Gegründet 2012, hat sich das gleichnamige Museum im Ascherslebener Bestehornpark im Laufe des zurückliegenden Jahrzehnts zu einem beachteten Ort für zeitgenössische Kunst entwickelt.
Die Stiftung geht zurück auf eine Schenkung des grafischen Werkes durch den Künstler Neo Rauch an seine Heimatstadt Aschersleben. Inzwischen umfasst die Sammlung 120 Blätter.
Aufwendiger Katalog wurde angefertigt
Das zehnjährige Bestehen wird zum Anlass genommen, alle grafischen Arbeiten, die seit 1989 entstanden sind, in einer umfassenden Schau zu zeigen. Dazu wird eine Jubiläumspublikation gehören, die viel mehr ist als ein Werkverzeichnis. Der Katalog soll einen „intensiven Blick auf das grafische Schaffen ermöglichen ...Textbeiträge von Autoren, Museumsdirektoren und Kunsthistorikern sowie Galeristen, Druckern und Wegbegleitern geben Auskunft über das Leben und Schaffen des international bekannten Künstlers“, heißt es in einer Pressemitteilung der Stiftung.
Finanziell unterstützt wird das Vorhaben von der Ostdeutschen Sparkassenstiftung und von der Salzlandsparkasse. „Wenn man mit einer Idee startet“, erinnert Vorstandsvorsitzende Kerstin Wahala an die Anfänge, „braucht man Wegbegleiter.“ Diese habe man unter anderem in der Sparkassenstiftung gefunden. Die jetzt ausgereichte Förderung sei auch Standortförderung. Friedrich-Wilhelm von Rauch, langjähriger Geschäftsführer der Ostdeutschen Sparkassenstiftung, sprach während der Übergabe in dieser Woche von einem „kristallklaren Ja“ zur Förderung.
Die Stiftung und das dazugehörige Museum bezeichnete er als „wichtige Bühne“ nicht nur für Aschersleben, sondern auch für Mitteldeutschland und darüber hinaus. Zehn Jahre Stiftungsarbeit seien eine große Leistung „und es gefällt uns, dass daraus Partnerschaften in der Stadt entstanden sind.“ Und: Es sei „großartig, dass Neo Rauch sich zu Aschersleben als Stadt seiner Kindheit und Jugend bekennt.“ Denn Deutschland sei viel mehr als das Leben in den Metropolen.

Stiftung gehört zu den Leuchttürmen
„Städte wie Aschersleben sind der Humus für die Gesellschaft.“ Hans-Michael Strube, Vorstand der Salzlandsparkasse, dankte für das Herzblut, das in der Arbeit steckt. „Denn die Stiftung lebt ja nicht vom Geld allein.“ Sie gehöre für ihn zu den Leuchttürmen, die Orientierung geben. Neo Rauch, der persönlich zur Übergabe nach Aschersleben gekommen war, unterstrich die Verbundenheit mit Aschersleben, die erst kürzlich neue Nahrung erhalten habe. Mit einem Journalisten des „New Yorker“ war er unter anderem in Aschersleben unterwegs. „Er war begeistert von allem, das wird sich in seinem Artikel sicher niederschlagen und Aschersleben wird darin eine große Rolle spielen.“
Stiftungsleiterin Silvia Käther empfindet die Förderung als Anerkennung der Region, „denn die Stadt ist ja Mitstifterin“, sagt sie. Sie weiß, dass in den nächsten Monaten viel Arbeit auf sie und ihre Mitstreiter zukommen wird - die Ausstellung soll ja etwas Besonderes werden. Klar ist schon jetzt, dass es ein neues Lichtkonzept geben wird. 120 Arbeiten in vier Räumen unterzubringen, werde eine Herausforderung, und die Arbeit an der anspruchsvollen Jubiläums-Publikation müsse ebenfalls alsbald beginnen.
Neue Formate für Veranstaltungen
Mit der Resonanz auf die aktuell gezeigte Ausstellung „Vorder Mittel Hintergrund“ ist sie „nicht unzufrieden“. Denn die Umstände sind coronabedingt schwierig. Etwa 1.500 Besucher haben die Ende Mai eröffnete Schau bisher gesehen, und vor allem im Juni sei die Unsicherheit der Gäste sehr spürbar gewesen. Größere Gruppen kämen immer noch nicht, doch Silvia Käther versucht mit neuen Veranstaltungsformaten wie „Art after Work“ - also Kunst nach der Arbeit - den Bedürfnissen der Gäste entgegenzukommen. Wer das gern ausprobieren möchte: Am 26. August bietet sich die nächste Gelegenheit für Kunstgenuss in lockerer Atmosphäre.