Umtauschaktion

Führerscheintausch im Salzlandkreis in der Regel in drei bis vier Wochen

Was eine „VK30“ ist und wozu Ministerin Lydia Hüskens rät.

Von Detlef Anders 13.05.2022, 07:46
Wer seine Führerscheinakte noch selbst hat, spart sich die Anforderung bei dem Landkreis, in dessen Bereich er damals beim Erhalt lebte.
Wer seine Führerscheinakte noch selbst hat, spart sich die Anforderung bei dem Landkreis, in dessen Bereich er damals beim Erhalt lebte. Foto: Detlef Anders

Aschersleben/Bernburg/MZ - Wie läuft das in einem der fortschrittlichsten Länder, wenn es um den Führerscheinumtausch geht? Eigentlich sollte man denken, dass eines Tages mit der Post von der Bundesdruckerei ein neuer Führerschein kommt - mit dem Hinweis, dass der alte damit außer Dienst gestellt ist. Das wäre sicherlich nicht nur die Erwartung von Sachsen-Anhalts Ministerin für Infrastruktur und Digitales, Lydia Hüskens (FDP), die dieses Wunschszenario kürzlich in einer Gesprächsrunde auf der Burg Freckleben beschrieb. Doch in der Praxis ist das leider nicht so.

Die Frist für den Umtausch der Jahrgänge 1953 bis 1959 endete am 19. Januar. Doch bis 19. Juli soll es in Sachsen-Anhalt keine Strafen geben, wenn der Führerschein noch nicht getauscht ist. 8.500 Autofahrer müssten im Salzlandkreis bis dahin noch ihre Führerscheine aus Papier umtauschen, sagt Kreis-Pressesprecher Marko Jeschor.

Dabei sind bereits Autofahrer der Jahrgänge 1959 bis 1964, die noch keinen der seit 1999 ausgestellten Plastik-Führerscheine haben, aufgerufen, ihren alten „Lappen“ gegen den fälschungssicheren EU-Führerschein umzutauschen. Bis zum 19. Januar 2023 ist dafür noch Zeit. Doch auf die lange Bank schieben sollten es die heute 58- bis 63-Jährigen nicht. 25.000 Führerscheine gilt es aktuell im Kreis umzutauschen. Zusätzlich zu den letzten 8.500 Führerscheininhabern der Jahrgänge 1953 bis 1958 sind 16.000 der Jahrgänge 1959 bis 1964 zum Umtausch aufgerufen. Wer mit dem ungültig gewordenen Papier-Führerschein erwischt wird, der muss zehn Euro Verwarngeld zahlen.

„Ich kann nur dafür werben, machen Sie es bitte frühzeitig“, riet Lydia Hüskens in Freckleben am Rand ihres Besuchs zum Breitbandausbau. Beim Gang zur Führerscheinbehörde - mit Passbild - wäre es günstig, dass der Bürger auch heute dort wohnt, wo er einst den Führerschein gemacht hat, sagte die Ministerin. Wenn nicht, müsste noch eine andere Landkreisverwaltung gebeten werden, eine Kopie der Führerscheinakte einzusenden, die in der DDR als Karteikarte „VK30“ bekannt wurde.

Wer das einst mit der neuen Fahrerlaubnis oder dem neuen Führerschein ausgehändigte A6-Blättchen selbst noch hat, ist auch als Autofahrer, der den Führerschein in einem anderen Landkreis gemacht hat, fein raus. Auf der einen Seite des weißen Blättchens steht „Führerscheinantrag“ mit Adresse und Unterschrift des damaligen Prüflings. Auf der anderen Seite wird die bestandene theoretische und praktische Prüfung bescheinigt. Wenn die VK30 da ist, dann kann der neue Führerschein ausgestellt werden. Die Recherche beim Fehlen des eigenen Papiers „dauert bei uns in manchen Landkreisen leider mehrere Monate. Das ist kein Witz“, betonte Lydia Hüskens. Das könne nicht so bleiben, erklärte sie.

Die Kreisverwaltung bittet in einer Pressemitteilung, zur Antragstellung alle erforderlichen Unterlagen für einen Umtausch bereitzuhalten. „Antragsteller, deren alter Führerschein nicht im heutigen Salzlandkreis ausgestellt wurde, müssen sich dazu im Vorfeld bei der ausstellenden Behörde eine Karteikartenabschrift einholen“, weist auch die Kreisbehörde auf das Problem mit der VK30 hin.

Da sich die Antragsteller selbst um die Abschrift kümmern, kann Marko Jeschor die Aussage der Ministerin nicht bestätigen. Auch bei eigenen Abfragen in anderen Kreisen habe es nicht so lange gedauert. Sollten die Daten zum Führerschein-Besitzstand aber zweifelhaft oder strittig sein, erfolge eine Prüfung anhand der sogenannten Listenbücher der Polizei, soweit sie vorhanden sind. Hier werden zusätzliche Gebühren erhoben. „Die Erstellung einer Karteikartenabschrift dauert im Salzlandkreis höchstens ein bis zwei Wochen“, so Jeschor.

Bei Vorliegen aller Unterlagen dauere es „von der Antragstellung in der Regel drei bis vier Wochen, bis man den neuen EU-Kartenführerschein aus der Bundesdruckerei in der Hand hält und damit vorschriftsmäßig auf den Straßen unterwegs sein kann“.