Denkmalschutz in Aschersleben

Denkmalschutz in Aschersleben: Erst Ruine, dann Zuhause

aschersleben - So ein Denkmal braucht Fachleute, sagten sich Claudia Schinkel und ihr Mann Andreas. Eine weise Entscheidung, wie man heute weiß. Denn die beiden Bauherren und die beteiligten Fachleute wurden jetzt mit dem Bundespreis für Handwerk in der Denkmalpflege ausgezeichnet. Die Jury lobte damit die qualitätvolle Arbeit an dem denkmalgeschützten Haus Stephanikirchhof 12 in Aschersleben, das eigentlich schon dem Untergang geweiht schien. Obwohl es eine Bestätigung, alles richtig gemacht zu haben, eigentlich gar nicht mehr braucht: Die sympathischen Aschersleber freuen sich sehr über die Ehrung, die auch und besonders den beteiligten Handwerksfirmen gilt. „Es ist mehr als gerecht, dass diese auch mal im Rampenlicht stehen. Weil sie es sind, die sich mit ihrer Arbeit besonders für den Erhalt der Städte einsetzen“, sagt Rudolph Koehler, Geschäftsführer des Architekturbüros qbatur aus ...

Von Kerstin Beier 01.12.2015, 06:50

So ein Denkmal braucht Fachleute, sagten sich Claudia Schinkel und ihr Mann Andreas. Eine weise Entscheidung, wie man heute weiß. Denn die beiden Bauherren und die beteiligten Fachleute wurden jetzt mit dem Bundespreis für Handwerk in der Denkmalpflege ausgezeichnet. Die Jury lobte damit die qualitätvolle Arbeit an dem denkmalgeschützten Haus Stephanikirchhof 12 in Aschersleben, das eigentlich schon dem Untergang geweiht schien. Obwohl es eine Bestätigung, alles richtig gemacht zu haben, eigentlich gar nicht mehr braucht: Die sympathischen Aschersleber freuen sich sehr über die Ehrung, die auch und besonders den beteiligten Handwerksfirmen gilt. „Es ist mehr als gerecht, dass diese auch mal im Rampenlicht stehen. Weil sie es sind, die sich mit ihrer Arbeit besonders für den Erhalt der Städte einsetzen“, sagt Rudolph Koehler, Geschäftsführer des Architekturbüros qbatur aus Quedlinburg.

Das Büro hat großen Anteil daran, dass sich Schinkels heute ausgesprochen wohl fühlen in ihren vier Wänden. Als 2009 die Entscheidung anstand, ein Haus zu kaufen, sah es danach noch nicht aus. Schinkels zögerten lange, ob sie sich diese Rute aufbinden sollten. Denn das 1713 erbaute Gebäude war in einem denkbar schlechten Zustand. Viele An- und Einbauten ließen die ursprüngliche Struktur nur erahnen, der Zuschnitt der Räume widersprach eindeutig der Vorstellung von modernem Wohnen. Doch das Ehepaar wollte kein Haus von der Stange, und die zu jeder Jahreszeit idyllische Lage am Stephanikirchhof war verlockend. „Der Architekt hat uns mit seinen Ideen angesteckt, irgendwann haben wir uns dann getraut, und vielleicht war es gut, dass wir nicht wussten, was uns bevorsteht“, sagt die 41-Jährige, während sie kopfschüttelnd die alten Fotos ansieht. Die zeigen das Haus, das unter anderem eine Bettfedernreinigung beherbergte, vor dem Umbau. „Es ging darum, die Schönheit erst einmal wieder sichtbar zu machen“, erklärt Koehler. Sein Büro, in der Fachwerk- und Weltkulturerbestadt Quedlinburg gelegen, hat große Erfahrung bei der Sanierung von Fachwerkgebäuden. Doch das Projekt in Aschersleben war das erste Engagement in der Eine-Stadt. Umso mehr freut es ihn, dass die Arbeit gleich von einem Preis gekrönt wurde.

Das Haus, das von außen noch immer den Charme eines Fachwerkhäuschens versprüht, verbindet Traditionelles perfekt mit modernem Ambiente. „Behutsamkeit war uns wichtig“, sagt Andreas Schinkel. Von dem Alten sollte so viel wie möglich erhalten bleiben. Die Fenster wurden nach historischem Vorbild nachgebaut, das Dach mit alten Ziegeln gedeckt, etliche Balken sind erhalten und das Fachwerk nur repariert. Auf der anderen Seite sollte keine Skihütten-Gemütlichkeit entstehen. „Wir wollten trotzdem einen modernen Wohnstil“, sagt das Paar. Und so bestechen die Räume durch ihre Großzügigkeit, ihre Weite und die modernen Elemente. Eine große Glasfront gibt den Blick frei auf einen kleinen Innenhof, die Treppe, die das Erdgeschoss mit den beiden oberen Stockwerken verbindet, atmet Industriecharakter. Dennoch wirkt alles behaglich ohne jede Art von Biederkeit. Eine Luxussanierung sei es nicht geworden, betont Koehler. So sei der Fußboden beschichteter Estrich, die Wände sind mit Lehm verputzt. 2010 konnten die Schinkels ihr Traumhaus beziehen - nach gut zwei Jahren Planungs- und Bauzeit. Bereut haben sie den Aufwand nicht. „Ich würde es immer wieder so machen“, sagt Claudia Schinkel. (dpa)