Zweiter Hitzesommer

Bauwirtschaftshof Aschersleben bewässert Bäume und Parks mit 6.000 Liter Wasser pro Tag: Zahlreiche Bäume werden sterben

Aschersleben - Es sei gar nicht so weit hergeholt, wenn man vermutet, dass wir in vielleicht 20 Jahren die erste Palme pflanzen, sagt Holger Dietrich vom Ascherslebener Bauwirtschaftshof.

Von Harald Vopel 25.07.2019, 11:56

Es sei gar nicht so weit hergeholt, wenn man vermutet, dass wir in vielleicht 20 Jahren die erste Palme pflanzen, sagt Holger Dietrich vom Ascherslebener Bauwirtschaftshof.

Der Bereichsleiter Grünflächenunterhaltung und Friedhofsverwaltung spricht von einer Prognose, die besagt, dass sich das hiesige Klima dem in Norditalien annähern werde. Dass in Sachen Klima etwas in Bewegung ist, bekommen derzeit auch die Ascherslebener Bäume zu spüren. Im zweiten sehr trockenen Sommer in Folge geht vielen langsam aber sicher nicht nur sprichwörtlich der Saft aus.

Im Naherholungsgebiet Auf der Alten Burg sind bereits zahlreiche ältere Bäume  abgestorben

Vor allem die Flachwurzler, wie beispielsweise die Fichte, haben es besonders schwer. Im Naherholungsgebiet Auf der Alten Burg seien bereits zahlreiche - auch ältere - Bäume der Trockenheit zum Opfer gefallen. Darunter auch Birken. Insgesamt seien über 100 Bäume betroffen, schätzt Dietrich ein.

Wie viele es genau sind, werde derzeit von Mitarbeitern des städtischen Tiefbauamtes ermittelt, bestätigt auch Stadtsprecher Harald Sporreiter auf MZ-Anfrage. Die Bäume sterben ab, ohne dass man etwas dagegen tun könne, erklärt Dietrich weiter. Auch auf dem Friedhof seien zahlreiche Ausfälle zu beklagen. Die betroffenen Bäume werden unweigerlich der Kettensäge zum Opfer fallen.

Wenn es um Hilfe für das innerstädtische Grün geht, dann konzentriert sich der Bauwirtschaftshof derzeit auf die Sommerbepflanzung der rund 100 Pflanzcontainer. Die werden täglich in den Morgenstunden gewässert. Genau wie 53 junge Bäume, die in jüngster Vergangenheit angepflanzt wurden.

Auch die Sommerpflanzen in den rund 100 Containern müssen täglich gegossen werden

Unter anderem im Rahmen der Aktion „Mein Baum für Aschersleben“, die vor einigen Jahren vom Verschönerungsverein ins Leben gerufen wurde. Diese Jungbäume stehen unter anderem in den Promenaden, in der Körtestraße, Hans-Grade-Straße und in der Bahnhofstraße. Rund 6000 Liter Wasser werden für die Bewässerung täglich benötigt.

Die jungen Bäume müssten übrigens auch drei Jahre lang gewässert werden, wenn sich die Temperaturen in Bereichen bewegen würden, wie sie in der Vergangenheit - bis 2017 - üblich waren, so Dietrich. Allerdings nicht ganz so oft wie im vergangenen Jahr und gegenwärtig.

Aber es seien nicht nur die heißen Sommer, sondern auch die jüngsten eher trockenen Winter, unter denen die Bäume leiden. Die Niederschläge des vergangenen Winters haben nicht ausgereicht, um dem ausgetrockneten Boden das eigentlich normale Maß an Wasser zuzuführen.

Vor allem Bäume auf versiegelten Flächen wie Parkplätzen bekommen oft zu wenig Wasser

Es gebe aber noch andere Gründe, die zu hitzebedingten Baumschäden führen, weiß Holger Dietrich. Er verweist auf die Versiegelung von Flächen. Beispielsweise hätten es Bäume, die auf Parkplätzen stehen, besonders schwer. Die sogenannten Baumscheiben - die freie Fläche rund um den Stamm - seien meist viel zu klein, um genügend Wasser im Boden versickern zu lassen.

Es entstehe der sogenannte Blumentopfeffekt. Außerdem heize sich das Pflaster oder der Bitumen in der Sonne auf. Diese Hitze strahle dann zusätzlich ab und mache den Bäumen zu schaffen. In diesem Zusammenhang macht der Grünanlagenexperte auch auf die sogenannten Schottergärten aufmerksam, die sich meist im privaten Bereich offenbar zunehmender Beliebtheit erfreuen.

Die seien zwar pflegeleicht, aber keinesfalls sehr ökologisch. Vor allem wird hier kein Staub gebunden und die Flächen erwärmen sich, was den wenigen dort wachsenden Bäumen oder Sträuchern nicht besonders guttue.

Holger Dietrich verweist auf die sogenannten Schottergärten, die sehr viel Hitze abstrahlen

Die Änderung des Klimas führe nicht nur zu mehr Trockenheit. Inzwischen machen sich auch Baumkrankheiten breit, die in hiesigen Breiten bis vor einigen Jahren noch unbekannt waren, so Dietrich. So wie die Rußrindenkrankheit, die in diesem Jahr auch Hunderte Bäume in der Gemarkung Freckleben vernichtet hat.

Davon, dass man sich bei Neuanpflanzungen besonders auf einheimische Arten konzentrieren sollte, wie noch vor wenigen Jahren von Naturschützern proklamiert wurde, müsse man sich wohl verabschieden, glaubt Dietrich. Vielmehr solle man sich auf sogenannte Klimabäume konzentrieren, die hohe Temperaturen und Trockenperioden möglichst gut überstehen können.

Das treffe auch auf Stadtbäume zu. Dietrich nennt als Beispiele die Platane, den Französischen Ahorn oder die Hopfenbuche. Und vielleicht kommt ja irgendwann - so in 20 Jahren - tatsächlich auch noch die Palme ins Spiel. (mz)

Davon, dass man sich bei Neuanpflanzungen besonders auf einheimische Arten konzentrieren sollte, wie noch vor wenigen Jahren von Naturschützern proklamiert wurde, müsse man sich wohl verabschieden, glaubt Dietrich. Vielmehr solle man sich auf sogenannte Klimabäume konzentrieren, die hohe Temperaturen und Trockenperioden möglichst gut überstehen können.

Das treffe auch auf Stadtbäume zu. Dietrich nennt als Beispiele die Platane, den Französischen Ahorn oder die Hopfenbuche. Und vielleicht kommt ja irgendwann - so in 20 Jahren - tatsächlich auch noch die Palme ins Spiel. (mz)