Im Grünen wohnen

Trend Zimmerpflanze - Wie wirkt sie auf den Menschen?

Zimmerpflanzen werden in diesen Zeiten zu angesagten Deko-Elementen. Aber auch ihre Wirkung auf den Menschen wird nun häufiger in den Blick genommen.

Von Antonie Städter
Individuelles Raumflair dank Pflanzen. Jules Villbrandt

Sie sind meistens schön anzusehen, tragen zu unserem Wohlbefinden bei, haben gar luftreinigende Fähigkeiten und sind zwar stumm - aber mögen es, wie viele ihrer Fans beteuern, wenn man mit ihnen spricht: Zimmerpflanzen, die grünen Mitbewohner, sind in diesen Tagen sehr angesagt, der „Dschungel“ zu Hause ist laut Experten ein großer Trend.

Vor allem grüne Zimmerpflanzen erleben einen Boom, wie Zahlen des Bundesverbands Zierpflanzen belegen. Während der Markt für die blühenden Vertreter, bei denen die Orchidee noch immer mit Abstand am gefragtesten sei, im vorigen Jahr demnach nur minimal gewachsen ist, legte jener für Grünpflanzen 2020 gegenüber dem Vorjahr um fast zehn Prozent zu.

Hängepflanzen fürs Zimmer besonders gefragt

„Buntlaubige und marmorierte Sorten wetteifern mit ausgefallenen Wuchs- und Blattformen“, heißt es etwa beim Bundesverband Einzelhandelsgärtner. Insbesondere Aronstabgewächse schmückten dabei viele Räume. Zu dieser Pflanzenfamilie gehören laut den Fachleuten unter anderem Efeutute, Einblatt, Fensterblatt (Monstera), Calla oder Baumfreund (Philodendron). Weitere angesagte Exoten seien etwa die Ufo-Pflanze (Pilea) mit ihren runden Blättern an langen Stielen oder der bizarr verzweigte Korallenkaktus.

Ein begrüntes Homeoffice.
Jules Villabrandt

Insbesondere Hängepflanzen seien dieser Tage äußerst gefragt, sagt Gabriele Harring, Geschäftsführerin des Bundesverbands Zierpflanzen: „Gerne in Makramee wie in den 70ern, aber auch schlicht in schwarzen oder grauen Gefäßen.“ Und der Fachverband Raumbegrünung und Hydrokultur erklärt: „Sie ranken aus Ampeln von der Decke, aus Töpfen im Regal und sogar aus bepflanzbaren Bilderrahmen an der Wand“.

Judith De Graaff und Igor Josifovic, vielen Zimmerpflanzen-Fans bekannt als die Gründer der Online-Community „Urban Jungle Bloggers“, haben eine große Schwäche für Regale, bei denen das Grün mit persönlichem Schnickschnack - von der Kerze bis zum Reisesouvenir - kombiniert wird: „Die Pflanzen können nach oben oder unten wachsen, sie können auch wie Briefbeschwerer auf einem Stapel Bücher stehen“, schreiben die beiden in ihrem Buch „Plant Tribe.

Wohntrend mit Pflanzen: Grün, nachhaltig und schön

Vom glücklichen Leben mit Pflanzen“ (Prestel Verlag, 240 Seiten, 32 Euro), das zahlreiche Pflegetipps enthält, mit seinen Deko-Ideen oder etwa den Porträts von Pflanzenliebhabern weltweit aber mehr ist als ein klassischer Ratgeber.

Doch wieso werden Wohnungen jetzt so häufig und so sorgsam mit Zimmerpflanzen dekoriert - liegt es daran, dass wir nun besonders viel Zeit zu Hause verbringen und es dort möglichst behaglich sein soll? „Corona spielt sicher eine sehr große Rolle und hat den Trend noch verstärkt“, ist Gabriele Harring überzeugt. Es kommen aber noch andere Aspekte hinzu.

„Pflanzentrends orientieren sich immer stark an Wohntrends“ - und da gehe es deutlich „in Richtung Grün, nachhaltig und schön gestalten mit Pflanzen“, erklärt die Expertin. „Dazu kommt, dass viele Verbraucher - auch sehr viele junge - auf einmal wieder Spaß am Gärtnern gefunden haben.“ Und nun wird eben auch das Grün in den eigenen vier Wänden gepflegt.

Zimmerpflanzen - Entspannen beim Pflanzenbad

Dabei sind Pflanzen viel mehr als nur Zierde. Judith De Graaff und Igor Josifovic nehmen auch die Tatsache in den Blick, dass sie sich positiv auf den Menschen auswirken und das Wohlbefinden stärken. Die wohltuende Kraft von Pflanzen ist „seit jeher bekannt“, schreiben sie. „Ob es uns bewusst ist oder nicht - Pflanzen verbessern unsere Stimmung, helfen uns abzuschalten, nähren unsere Seele und lassen nicht zuletzt unseren Körper zur Ruhe kommen.“ Mit dieser Einschätzung sind sie nicht allein: „Über den dekorativen Wert hinaus wirkt sich der Blattschmuck auch positiv auf die Gesundheit aus“, heißt es etwa beim Fachverband Raumbegrünung und Hydrokultur.

Hingucker: Pflanzen schick arrangiert.
Jules Villabrandt

In „Plant Tribe“ geben die beiden Autoren folglich nicht nur Stylingtipps für den „Dschungel“ zu Hause, sondern auch solche, wie man die Wirkung von Pflanzen im Alltag nutzen kann. Die Blogger fügen dem Leben mit dem Grün eine spirituelle Komponente hinzu, wenn sie zum Beispiel raten, ein morgendliches Pflanzenritual einzuführen, bei dem diese gezielt wahrgenommen werden. Oder ein Pflanzenbad (analog zum Waldbaden) zu nehmen, sich also inmitten des Grüns bewusst zu entspannen.

Zudem schreiben die Zimmerpflanzen-Enthusiasten: „Es ist weithin bekannt (und wissenschaftlich belegt), dass Pflanzen dazu beitragen, die Luft in Häusern zu reinigen.“ Einige nehmen demnach sogar giftige Stoffe aus synthetischen Materialien auf, etwa Formaldehyd. Die Favoriten der Blogger in Sachen gesundes Raumklima: Philodendron, Einblatt, Bogenhanf, Goldene Efeutute, Aloe Vera und Grünlilie.

Heavy Metal fürs schnellere Wachstum von Zimmerpflanzen?

Voraussetzung für den glücklichen „Heimgärtner“ ist dabei natürlich stets, dass alles gut gedeiht. Am wichtigsten sei dafür Licht, so De Graaff und Josifovic. „Danach kommen Wasser und Nährstoffe, gefolgt von Dünger, richtiger Temperatur und Luftfeuchtigkeit und ganz besonders Zuwendung und Liebe.“

Und sie berichten von Gewächshausversuchen, bei denen Pflanzen umgeben von mehreren Musikarten, Stille oder positiven wie negativen Ansprachen beobachtet wurden. Auch wenn die Versuche womöglich „nicht ganz wissenschaftlich“ seien, so die Autoren, seien die Ergebnisse deutlich. Dabei habe Heavy-Metal-Musik das schnellste Pflanzenwachstum bewirkt.

Der Bundesverband Einzelhandelsgärtner hat noch einen weniger ungewöhnlichen Tipp: Zimmerpflanzen kämen zwar mit dem Raumklima in Wohnungen meist gut zurecht. Doch gerade den tropischen fehle es oft an Luftfeuchtigkeit. „Regelmäßiges Besprühen mit kalkarmem Wasser schafft da Abhilfe.“ (mz)