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Was Diabetiker essen sollten Abschied von der Diät

Wie sieht eine ausgewogene Ernährung bei Fettleber und Diabetes aus? Warum gibt es eigentlich keine speziellen Lebensmittel für Diabetiker mehr? Was ist vom Fasten zu halten? Experten antworten beim MZ-Telefonforum.

19.04.2024, 16:30
In den heimischen Obst- und Gemüsesorten stecken viele der  Vitamine, die der Körper braucht, um gut funktionieren zu können.
In den heimischen Obst- und Gemüsesorten stecken viele der Vitamine, die der Körper braucht, um gut funktionieren zu können. Foto: Barmenia

Für den medizinischen Laien haben Diabetes und Fettleber auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun. Dabei weisen beide in Ursache und Therapiemöglichkeiten viele Parallelen auf. Und sie sind sehr verbreitet. Laut der Deutschen Leberstiftung ist jeder Vierte von einer Fettleber betroffen, und jedes dritte übergewichtige Kind entwickelt eine Fettleber, was auf den Anstieg der Fettlebererkrankungen hinweist. Diabetes gilt heute sogar als Volkskrankheit.

„Richtige Ernährung bei Fettleber und Diabetes“ war deshalb das Thema des Telefonforums. Oberarzt Dr. Peter Lemmer, Facharzt für Innere Medizin, Gastroenterologie und Transplantationsmedizin, Endokrinologie sowie Diabetologie, und Constanze Schulz, Diabetesberaterin von der Universitätsklinik für Nieren- und Hochdruckkrankheiten, Diabetologie und Endokrinologie Magdeburg, beantworteten dabei zahlreiche Fragen der Leser der Mitteldeutschen Zeitung.Bei mir wurde Diabetes mellitus Typ 2 festgestellt. Mein Hausarzt hat mir keine Diät verordnet. Ist das richtig?Früher stand in der Therapie des Diabetes das Thema Diät und dabei die Verwendung spezieller Produkte im Mittelpunkt. Dabei ging es vorrangig um Verzicht und Entbehrungen. Inzwischen hat sich die Sichtweise geändert. Im Jahr 2011 wurde in Deutschland die Diätverordnung für Diabetikerprodukte abgeschafft. Es hatte sich gezeigt, dass diese Lebensmittel keinen primären Vorteil gegenüber herkömmlichen hatten. Es gibt also keine speziellen Diabetikerprodukte mehr, die als solche gekennzeichnet sind. Ungeachtet dessen bleibt eine gesunde, ausgewogene Ernährung bei der Behandlung des Diabetes mellitus Typ 2 unerlässlich.

Was ist der Unterschied zwischen Typ-1- und Typ-2-Diabetes?

Unter Typ 1 versteht man eine Autoimmunerkrankung, die zum absoluten Insulinmangel führt, weil die Patienten kein eigenes Insulin mehr produzieren. Die Betroffenen leiden oft frühzeitig an Folgeerkrankungen der Blutgefäße und Nerven. Vorsorgeuntersuchungen sind wichtig, um solche Folgeerkrankungen zu vermeiden. Typ-2-Diabetes ist eine Stoffwechselstörung, in deren Zentrum die eingeschränkte Wirksamkeit des Insulins (Insulinresistenz) steht. Diese Insulinresistenz steht im Zusammenhang mit Bewegungsmangel und Übergewicht. Auch hier kann es im Verlauf zu Folgeerkrankungen kommen.

Der Typ-2-Diabetes wurde früher auch oft als „Altersdiabetes“ bezeichnet. Dieser Begriff wird heute nicht mehr gebraucht, weil das Durchschnittsalter der Betroffenen immer weiter sinkt. Das hat wiederum mit den zunehmenden Problemen des Übergewichts und des Bewegungsmangels zu tun, die auch immer mehr junge Leute betreffen.

Ich habe Übergewicht und mein Arzt hat eine Diabetes-Vorstufe festgestellt. Was kann ich tun, um mein Risiko für einen Typ-2-Diabetes zu reduzieren?Das A und O, um das Diabetes-Risiko zu senken, ist ein gesunder Lebensstil. Das beinhaltet gesunde Ernährung und körperliche Aktivität. Wir sagen gern, das sind die besten „Medikamente“. Zur gesunden Ernährung gehört eine pflanzenbasierte, ballaststoffreiche Kost, wie sie Hülsenfrüchte bieten, ebenso hochwertiges Eiweiß, das zum Beispiel in Fisch, Ei oder Tofu enthalten ist. Fleisch bietet auch entsprechende Stoffe, sollte aber moderat genossen werden. Bei der Zubereitung sollten sogenannte gute Fette eingesetzt werden, gerne Rapsöl oder Olivenöl. Auch Nüsse liefern solche Inhaltsstoffe. Kohlenhydrate, bevorzugt in Form von Vollkornprodukten, runden das Programm ab.

Ich habe eine Fettleber und leide unter Diabetes. Was sollte ich in meiner Ernährung weglassen und was empfehlen Sie?Wichtig ist eine ausgewogene Ernährung mit Obst und Gemüse, wobei der Schwerpunkt auf dem Gemüse liegen sollte. Hintergrund ist, dass Obst Fruchtzucker enthält. Diese Fructose kann sich auch schädlich auf die Leber auswirken. Fruchtzucker kann vom Körper nicht gespeichert werden. Daher geschieht eine Umwandlung in Blutfette, wodurch die Entwicklung einer Fettleber begünstigt wird. In diesem Zusammenhang ist auch Vorsicht bei fruchtsafthaltigen Getränken wie Limonaden oder Smoothies geboten. Diese enthalten meist versteckte Zucker.

Ich habe oft Schmerzen im Bereich der Leber und kann nicht alles essen. Deshalb war ich bereits im Krankenhaus in Behandlung. Nun suche ich einen Spezialisten, der mir weiterhelfen kann?Die Leber als solche tut in der Regel nicht weh. Eine Leberentzündung führt hingegen oft zu Müdigkeit, sodass man gerne sagt, dass die Müdigkeit der Schmerz der Leber ist. Die von Ihnen geschilderte Symptomatik hat aber wahrscheinlich einen anderen Grund und muss für sich betrachtet weiter abgeklärt werden. Dies kann bei einem niedergelassenen Gastroenterologen erfolgen.

Meine vor vielen Jahren verstorbene Mutter hat immer gesagt, dass sie die „Zucker-Krankheit“ hat. Jetzt wurde bei mir Diabetes mellitus Typ 2 festgestellt. Ist das dasselbe?Ja. „Diabetes mellitus“ ist der Fachbegriff für diese Stoffwechselerkrankung. Übersetzt heißt das „honigsüßer Durchfluss“. Ab einem bestimmten Blutzuckerwert scheidet die Niere Zucker aus. Daher leitete sich wohl die noch immer verbreitete volkstümliche Bezeichnung ab.

Mein Hausarzt hat bei mir eine Fettleber festgestellt. Vor einigen Jahren hatte ich eine Chemotherapie wegen einer Tumorerkrankung. Kann es da einen Zusammenhang geben?Es gibt ganz unterschiedliche Ursachen für eine Fettleber, im Fachjargon als Steatosis hepatis bezeichnet. Neben dem sogenannten metabolischen Syndrom (Wohlstandssyndrom) mit Übergewicht, erhöhten Blutfetten und erhöhten Blutzuckerwerten sowie den alkoholisch bedingten Lebererkrankungen kann es weitere Ursachen für die Entwicklung einer Fettleber geben. Dazu gehören zum Beispiel die Zöliakie (Glutenunverträglichkeit), bestimmte Hormonerkrankungen, aber auch manche Chemotherapien.

Mein Vater hatte eine Leberzirrhose und eine Fettleber. Nun wurde auch bei mir eine Fettleber diagnostiziert. Ich bekomme aber keine Überweisung vom Hausarzt zu einem Spezialisten? Einer Fettleber können tatsächlich verschiedene Erkrankungen zugrunde liegen. Ungeachtet der Ursache kann eine Fettleber, wenn es zusätzlich zu einer Leberentzündung kommt (Steatohepatitis), zu einem Umbau des Lebergewebes führen. Daraus kann sich, unabhängig von der Ursache der Fettleber, eine Zirrhose entwickeln. Daher ist die Abklärung der Ursachen wichtig. Der Hausarzt kann dabei eine erste Risiko-Abschätzung vornehmen (Risiko-Scores). Wenn ein entsprechendes Risiko vorliegt, empfiehlt sich die Überweisung zum Spezialisten. Sprechen Sie über Ihre Ängste zunächst noch einmal mit Ihrem Hausarzt.

Ist eine Fettleber heilbar?Grundsätzlich kann sich eine Fettleber auch zurückbilden, wobei die Ursache der Erkrankung zu berücksichtigen ist. Bei einer Fettleber, die im Rahmen eines Wohlstands- oder metabolischen Syndroms entstanden ist, hat man festgestellt, dass sich eine Gewichtsabnahme von fünf bis zehn Prozent günstig auf das Lebergewebe auswirkt.

Was halten Sie vom Intervall-Fasten? Ist das wirklich gut für die Leber?Auf jeden Fall. Fasten hat allgemein viele gesundheitsfördernde Aspekte. Und ja, es kann sich auch günstig auf die Leber auswirken. In den Nüchtern-Phasen sinkt der Insulin-Spiegel im Blut, was dazu führt, dass die Fettreserven in der Leber abgebaut werden (Lipolyse). Umgekehrt führen hohe Insulinspiegel dazu, dass die Lipolyse verhindert wird. Insofern können Fasten-Perioden zu einem Rückgang der Fettleber führen.

Mein Mann hat eine Fettleber. Darf er gar keine fetthaltigen Sachen mehr essen?Von einer völlig fettfreien Ernährung rate ich ab. Das würde zu einem Mangel an essenziellen, lebensnotwendigen Fettsäuren führen. Zudem ist die Aufnahme der lebenswichtigen fettlöslichen Vitamine A, D, E, K daran gebunden, dass auch Fett aufgenommen wird. Diese Vitamine sind für unterschiedliche Lebensbereiche wichtig. Ein Mangel an Vitamin A führt zum Beispiel zur Nachtblindheit. Vitamin D ist wichtig für die Knochengesundheit, um nur zwei Beispiele zu nennen.