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Nach Vorstoß in Niedersachsen Grundschule ohne schriftliches Dividieren? Das sagt der Grundschulverband Sachsen-Anhalt

Niedersachsen plant Änderungen im Matheunterricht: Ab 2027/28 soll das halbschriftliche Dividieren das klassische Verfahren ablösen. Leser aus Sachsen-Anhalt warnen vor sinkenden Bildungsstandards und einem falschen Signal für die Zukunft der Kinder. Der Grundschulverband sieht das anders.

Von Jessica Quick/dpa Aktualisiert: 16.01.2026, 15:11
In der Grundschule soll zunächst ein Verständnis für Zahlen entwickelt werden. Erst in der weiterführenden Schule sind die Grundlagen für schriftliches Dividieren gelegt.  
In der Grundschule soll zunächst ein Verständnis für Zahlen entwickelt werden. Erst in der weiterführenden Schule sind die Grundlagen für schriftliches Dividieren gelegt.   (Foto: Bernd Weißbrod/dpa)

Hannover/Halle (Saale) - Die geplanten Änderungen beim Dividieren in Niedersachsens Grundschulen sorgen für Diskussionen. Statt der klassischen schriftlichen Division sollen die Dritt- und Viertklässler vom Schuljahr 2027/28 an das sogenannte halbschriftliche Dividieren lernen.

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Indes wird die Debatte auch in Sachsen-Anhalt aufmerksam verfolgt – und kritisch kommentiert. So haben Leser aus Halle und Bitterfeld-Wolfen in einem Leserbrief an die Redaktion Sorge geäußert, dass mit der Abkehr vom klassischen schriftlichen Dividieren grundlegende mathematische Fähigkeiten verwässert werden könnten.

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Sie warnen davor, notwendigen Lehrstoff zu streichen, nur weil er als schwierig gilt, und sehen darin ein falsches Signal für Leistungsanspruch und Bildungsstandards. Mit Blick auf die jüngsten Pisa-Ergebnisse wird zudem befürchtet, dass Vereinfachungen im Unterricht die mathematischen Kompetenzen weiter schwächen könnten.

Das sagt der Grundschulverband Sachsen-Anhalt

Der Grundschulverband Sachsen-Anhalt hält den Vorstoß in Niedersachsen für pädagogisch sinnvoll. Vorstandsvorsitzende Thekla Mayerhofer betont, dass die Grundschule vor allem Zeit für den Aufbau eines tragfähigen Zahlen- und Rechenverständnisses brauche, bevor Kinder feste Rechenverfahren automatisiert anwenden.

Entscheidend sei zunächst, Zahlen in Beziehung setzen zu können, Rechenoperationen zu verstehen sowie mit Größen und Messen umzugehen. Ein solides mathematisches Grundverständnis lege die Basis für langfristige Rechensicherheit – werde diese Phase verkürzt, falle das spätere Lernen deutlich schwerer.

Die aktuellen Überlegungen seien zudem nicht neu: Bereits vor mehr als 20 Jahren habe die Kultusministerkonferenz empfohlen, das schriftliche Dividieren aus dem Lehrplan der Grundschulen herauszunehmen.

 Was bedeutet der neue Vorstoß zum Dividieren?

Das Kultusministerium in Niedersachsen erklärt die unterschiedlichen Rechenwege auf Anfrage anhand eines Beispiels: 3.240 geteilt durch 5.

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Schriftliches Dividieren

  • Bei der klassischen schriftlichen Division beginnt man mit der ersten Zahl von links, die mindestens so groß ist wie die Zahl rechts. Im Beispiel heißt es also: 32 durch 5. „Nun wird überschlagen, wie oft die 5 in die 32 passt“, so das Ministerium. Ergebnis: 6.
  • Die 6 wird mit der 5 multipliziert und das Ergebnis – 30 – unter die 32 der ersten Zahl geschrieben und von dieser abgezogen. Die Differenz – 2 – wird als Ergebnis wiederum darunter geschrieben und die nächste Ziffer der linken Zahl, die 4, nach unten geholt, sodass dort nun 24 steht. Folglich wird überschlagen, wie oft die 5 in die 24 passt – Ergebnis: 4.
  • Da 4 Mal 5 in Summe 20 ergibt, kommt diese Zahl unter die 24 im Rechenweg. Der Rest von 4 wird um die letzte Ziffer 0 der Ausgangszahl 3.240 ergänzt, sodass im letzten Schritt 40 durch 5 gerechnet wird. Ergebnis: 8.
  • Da nun kein Rest mehr bleibt, lautet das Endergebnis 648.

Halbschriftliches Dividieren

  • Bei dem künftigen Verfahren wird die Ausgangszahl in übersichtlichere Teilzahlen zerlegt: 3.000, 200 und 40. Im Beispiel rechnet man daher laut Ministerium zunächst im Kopf 3.000 durch 5 (das ergibt 600), dann 200 durch 5 (das ergibt 40) und dann 40 durch 5 (das ergibt 8).
  • Anschließend werden die Ergebnisse dieser Teilrechnungen addiert: 600 plus 40 plus 8. Auch hier lautet das Ergebnis 648.
  • Das Kerncurriculum Mathematik wurde für das neue Vorgehen geändert. Die neue Fassung ist bereits seit August 2025 in Kraft. Auswirken wird sie sich aber erst für die Dritt- und Viertklässler des Schuljahres 2027/28.
  • Einen Alleingang sieht das niedersächsische Kultusministerium in seinem Vorgehen nicht. Die Anpassungen orientierten sich an den Bildungsstandards der Kultusministerkonferenz (KMK) für das Fach Mathematik von Juni 2022.
  • Neben Niedersachsen hätten bereits fünf weitere Länder die Änderung angeschoben, hieß es. Diese sei ein Teil der bundesweiten Umsetzung gemeinsamer Standards, auf die sich alle Länder verständigt haben.

Änderung nicht nur in Niedersachsen geplant

Das Kerncurriculum Mathematik wurde für das neue Vorgehen geändert. Die neue Fassung ist bereits seit August 2025 in Kraft. Auswirken wird sie sich aber erst für die Dritt- und Viertklässler des Schuljahres 2027/28.

Einen Alleingang sieht das niedersächsische Kultusministerium in seinem Vorgehen nicht. Die Anpassungen orientierten sich an den Bildungsstandards der Kultusministerkonferenz (KMK) für das Fach Mathematik von Juni 2022.

Neben Niedersachsen hätten bereits fünf weitere Länder die Änderung angeschoben, hieß es. Diese sei ein Teil der bundesweiten Umsetzung gemeinsamer Standards, auf die sich alle Länder verständigt haben. Auch in Sachsen-Anhalt sind Änderungen geplant.