Zu DDR-Zeiten völlig vergriffen

Zu DDR-Zeiten völlig vergriffen: Das sind die 18 begehrtesten Amiga-Platten

Halle (Saale) - René Rausch zieht sie alle nacheinander aus den Plattenregalen des „Whispers Records“ in Halle und wirft sie auf einen Haufen. Zu DDR-Zeiten heiß begehrt, oft vergriffen und wie eine Währung gehandelt, findet man die Amiga-Lizenzplatten heute in jedem Plattenladen. Selbst in bestem Zustand kosten sie meist nicht mehr als zehn ...

Von Daniel Salpius 28.05.2019, 11:01

René Rausch zieht sie alle nacheinander aus den Plattenregalen des „Whispers Records“ in Halle und wirft sie auf einen Haufen. Zu DDR-Zeiten heiß begehrt, oft vergriffen und wie eine Währung gehandelt, findet man die Amiga-Lizenzplatten heute in jedem Plattenladen. Selbst in bestem Zustand kosten sie meist nicht mehr als zehn Euro.

Auf den sogenannten Lizenzplatten veröffentlichte das DDR-Label Musik westlicher Musiker und Bands – Mangelware zu Ostzeiten und entsprechend nachgefragt. Mathias Kramer, Plattenliebhaber und Stammgast im „Whispers Records“, erinnert sich noch gut an die Schlangen vor den DDR-Plattenläden. Sie begannen weit vor der Eingangstür.

Dienstags oder donnerstags stand man in der Schlange

„Dienstags oder donnerstags, wenn neue LPs heraus kamen, hat man sich rein auf Verdacht angestellt“, so Kramer. Man habe ja nicht gewusst, was es Neues gab. Und Plattenhändler Rausch ergänzt: „Egal was es war, die Leute haben es gekauft – um zu tauschen.“ Immerhin habe sich der obligatorische Einheitspreis von 16,10 Mark pro Platte auf dem Schwarzmarkt bei beliebten Künstlern schnell einmal verdoppelt.

Die richtig begehrten Scheiben bekamen die meisten DDR-Bürger nie zu Gesicht. Sie gingen oft unter dem Ladentisch an Freunde und Familie der Plattenverkäufer.

Amiga-LPs heute wieder gut nachgefragt

Wer eine Rolling-Stones-, Depeche-Mode- oder Springsteen-Platte ergattert hatte, gab sie in der Regel nicht wieder her und behandelte den Schatz äußerst pfleglich. Häufig wurde die Musik sogar auf Kassette überspielt, um das Vinyl nicht zu verschleißen. In Zeiten unbegrenzten Zugangs zu Musik im Internet unvorstellbar.

„Nach der Wende hat man seine Amiga-LPs dann alle verschenkt. Im Endeffekt ärgert man sich heute“, sagt Mathias Kramer. Inzwischen werden die Amiga-Lizenzscheiben aber wieder gerne gekauft. „Das hat zum einen mit der guten Soundqualität zu tun, zum anderen sind auf dem DDR-Label super ,Best-Of'-Zusammenstellungen erschienen“, erklärt Plattenhändler Rausch. Bestimmte Amiga-Pressungen würden nie lange den Laden hüten.

Genaue Stückzahlen der Amiga-Lizenzplatten bis heute unbekannt

In unserem Ranking wollen wir nun 18 der zu DDR-Zeiten besonders begehrten Lizenz-LP vorstellen. Laut Torsten Sielmon, Kurator der Bernburger Jubiläumsausstellung „70 Jahre Amiga“, hat das Label insgesamt etwa 800 Lizenzplatten heraus gebracht.

Die genauen Stückzahlen der einzelnen Veröffentlichungen sind bis heute unbekannt. Wohl deshalb, weil die emsigen Plattenproduzenten weit mehr Exemplare pressten, als sie vertraglich durften. Denn Schallplatten – gerade lizensierte Westmusik – brachten viel Geld. Dadurch ist unsere Rangfolge natürlich nicht ganz objektiv, vielmehr soll sie einen Überblick über einige der einstigen Heiligtümer bieten. Viel Spaß!

Plätze 18 bis 14

18. Bruce Springsteen – Born in the U.S.A.

Eines der berühmtesten Plattencover der Musikgeschichte schaffte es auch in die Auslagen der DDR-Plattenläden: Bruce Springsteens „Born In The U.S.A.“ Die LP entsprach dabei nicht nur optisch, sondern auch inhaltlich dem Originalalbum von 1984, kam in der DDR allerdings erst 1986 heraus.

1988, also wieder zwei Jahre später, spielte „Der Boss“ dann sein legendäres Konzert in Ost-Berlin – vor einer geschätzten halben Million Menschen.

„Born in the U.S.A“ ist in unserem Ranking das erste Beispiel dafür, dass Amiga neben Samplern auch Alben westlicher Künstler veröffentlichte.

17. Beach Boys

Trinkt die leicht bekleidete Dame auf dem Cover etwa Coca Cola? Können es die DDR-Plattenproduzenten übersehen haben oder ist es Ausdruck der in den 80er Jahren gelockerten Kulturpolitik? Kurios ist es allemal!

Die Platte kam 1985 auf den DDR-Markt. Da hatten die Beach Boys den Höhepunkt ihrer Karriere schon etwa 20 Jahre hinter sich. Ihr visionäres Album „Pet Sounds“ inspirierte 1966 einen gewissen Paul McCartney zu „Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band“. Danach flaute der Erfolg der Kalifornier um die Wilson-Brüder allmählich ab.

In Sachen Titelliste lässt der Sampler aus dem Hause Amiga allerdings keine Wünsche offen. Von „Surfin' USA“ über „I Get Around“ und „Wouldn't It Be Nice“ bis hin zu „Good Vibrations“ enthält die Platte alle wichtigen Beach-Boys-Songs.

16. Creedence Clearwater Revival

„Wer die hat, braucht keine andere von CCR – da sind alle Hits drauf“, sagt Plattenexperte René Rausch von „Whispers Records“ in Halle. Deshalb sei der Sampler von Amiga auch heute noch heiß begehrt bei seinen Kunden.

CCR brachten zwischen 1968 und 1972 insgesamt sieben Alben heraus. Hit-Qualität hatte eigentlich fast alles, was die Kalifornier um Mastermind John Fogerty in diesen Jahren veröffentlichten. Eine Best-Of-Auswahl auf nur eine LP zu pressen, ist daher zumindest gewagt. Der vom Fachmann hoch gelobte Amiga-Sampler kam 1983 in die DDR-Plattenläden.

15. The Kinks

Auch die Kinks-LP gehört laut Plattenhändler René Rausch zu jenen Amiga-Lizenzplatten, die er rein bekomme und die nahezu sofort wieder raus gingen. 1982 veröffentlicht, enthält der Sampler die Klassiker „You Really got me“, „Lola“ und „Sunny Afternoon“.

14. The Who

Amiga widmete sich mit dieser Veröffentlichung aus dem Jahr 1981 ausschließlich The Whos Frühwerk der 60er Jahre. Damals schockten die Briten ihr Publikum noch mit der vollständigen Zerstörung ihres kompletten Bühnenequipments. Wer immer danach eine Gitarre zerschlug – er hatte es bei Who-Gitarrist und Songwriter Pete Townshend abgekupfert.

Der Sampler enthält unter anderem die Meilensteine „My Generation“, „Can't Explain“, „Pinball Wizard“ und „Substitute“. Spätere Who-Klassiker wie „Who Are You“ oder „Won't Get Fooled Again“, bekannt zum Beispiel aus diversen Vorspännen der Crime-Serie CSI, fehlen dagegen.

Plätze 13 bis neun

13. Peter Maffay

Auch deutsche Westkünstler waren heiß begehrt in der DDR. Und Peter Maffay war sicher einer der beliebtesten. Der Sampler „Tausend Träume Weit“ kam 1987 auf den DDR-Markt – vier Jahre nachdem Maffay 1983 sein erstes Ostdeutschland-Konzert in Rostock gegeben hatte.

Mittlerweile legendär ist die Geschichte eines Fans, der sein Motorrad gegen eine Karte jenes heillos ausverkauften Maffay-Konzerts eintauschte.

„Tausend Träume Weit“ enthält viele Songs von Maffays Album „Sonne in der Nacht“ von 1985 und ist damit zum Zeitpunkt der Veröffentlichung für Amiga-Verhältnisse vergleichsweise aktuell.

12. Neil Young – Harvest

Spät entschied sich Amiga, eine Platte von Neil Young heraus zu bringen. 1989 fiel die Wahl schließlich auf „Harvest“ und damit auf das vielleicht erfolgreichste Album des Kanadiers. 1972 erstmals erschienen, ist „Harvest“ zudem eine der bedeutendsten Platten der Rockgeschichte. Die LP enthält mit „Heart Of Gold“ und „The Needle And The Damage Done“ Schlüssel-Songs in Youngs Werk.

Zur Stimmung in der DDR hätte wohl sein gut einen Monat vor dem Mauerfall erschienenes und damit brandaktuelles Album „Freedom“ besser gepasst.

11. Jimi Hendrix

Als Amiga 1974 dem Gitarren-Genie vier Jahre nach dessen Tod eine LP widmet, kam diese mit einer recht eigenartigen Titel-Auswahl daher. Außer „All Along the Watchtower“ enthält die LP keine der großen Hendrix-Hits. Besonders das Fehlen von „Hey Joe“, „Little Wing“ und „Purple Haze“ überrascht.

Interessant ist das enthaltene Material trotzdem – vor allem aus heutiger Sicht. Immerhin handelt es sich mitunter um Songs, die erst nach dem Tod des Ausnahme-Gitarristen veröffentlicht wurden, darunter auch selten gehörte Schätze aus den Hendrix-Archiven. Die Fans in der DDR dürften sich über die geringe Hit-Dichte der Amiga-LP im ersten Moment dennoch geärgert haben.

10. Herbert Grönemeyer – 4630 Bochum

Im Wendejahr 1989 erschien Herbert Grönemeyers Album „4630 Bochum“ in der DDR. Mit diesem Werk kam für Grönemeyer bereits 1984 der Durchbruch in der BRD.

Bezeichnenderweise fehlt auf der Cover-Rückseite der Amiga-Version das Bild eines Musikers. „Der Schlagzeuger Detlef Kessler ist nicht abgebildet,“ erzählt Torsten Sielmon, Kurator der Bernburger Sonderausstellung „70 Jahre Amiga“. Die Amiga-Verantwortlichen hatten ihn vom Cover getilgt, weil Kessler aus der DDR geflohen war.

9. The Rolling Stones

Dass die DDR-Führung der Veröffentlichung einer Lizenzplatte der Rolling Stones zustimmte, grenzt an ein Wunder. Für die grauen Eminenzen im Land war die Band lange Zeit nicht weniger als der Inbegriff der Aufmüpfigkeit und Dekadenz der westlichen Musikszene – alles andere als sozialistisch also.

In den 60ern undenkbar, brachte Amiga 1982 dann doch noch eine Stones-Platte heraus. Nicht ohne abschätzige Untertöne im Begleittext auf der Rückseite: „The Rolling Stones – das Fluidum des Provokanten der 60er Jahre verblasst“, heißt es da gleich im ersten Satz. Außerdem attestiert der Textautor der Band ein unproduktives Verharren in einmal entwickelten Schablonen in den 70er und 80er Jahren.

Wenn man bedenkt, dass die Stones gerade zu Anfang der Siebziger mit Gitarrist Mick Taylor den Großteil ihres heute klassischen Repertoirs erarbeiteten, ist diese Lesart mindestens überraschend. Die LP enthält jedenfalls ganz im Geiste des Begleittextes nur frühe Klassiker der 60er Jahre, darunter „Ruby Tuesday“, „Satisfaction“, „Paint it Black“ und „Jumpin' Jack Flash“.

Plätze acht bis vier

8. Pink Floyd – The Dark Side of the Moon

Plattenliebhaber Mathias Kramer aus Halle verbindet ganz besondere Erinnerungen mit dieser Platte. An einem Dienstag oder Donnerstag stand er mal wieder in der Schlange vor dem Plattenladen seines Vertrauens. Endlich im Ladeninneren angekommen, sah er sie stehen: die „Dark Side of the Moon“. Unfassbar für den Pink-Floyd-Fan.

„Ich dachte, ich seh nicht richtig.“ Das Problem: Es sollten noch einige Leute vor ihm an die Reihe kommen, die ihm die paar Exemplare noch hätten wegschnappen können. „Zum Glück war zeitgleich eine LP von Udo Jürgens raus gekommen und alle schielten nur darauf. Pink Floyd kannten die alle nicht.“ Kramer bekam das Album und freut sich noch heute darüber.

„The Dark Side of the Moon“ ist neben „The Wall“ das bekannteste Album Pink Floyds, noch dazu eines der wichtigsten Alben aller Zeiten. Das ikonische Cover ist wohl so ziemlich jedem schon einmal unter gekommen. Amiga brachte die LP 1980 heraus, sieben Jahre nach dem Original. Auch das ebenfalls sehr erfolgreiche „Shine On You Crazy Diamond“ erschien auf dem DDR-Label.

7. Cream

Mit Jack Bruce am Bass, Ginger Baker am Schlagzeug und natürlich Eric Clapton an der Gitarre war Cream eine der ersten Supergroups der Rockgeschichte. Heraus kam ein schwerer, psychedelischer Blues-Rock. Doch hatten sich hier nicht nur unheimlich talentierte Einzelkönner vereint, auch die Egos der drei Briten hatten enorme Ausmaße. Die ruppigen Auseinandersetzungen und Spannungen in der Band sind legendär.

Zwar machte die explosive Mischung Cream ab 1966 kurzzeitig extrem einflussreich, führte jedoch letzten Endes auch dazu, dass sich die Band bereits 1968, nach nur zwei Jahren, wieder auflöste.

Amiga bedachte Cream 1984 mit einem Sampler. Enthalten sind die Klassiker „Sunshine Of Your Love“, „White Room“ und „Spoonful“, letzterer eine Coverversion von Blues-Legende Howlin' Wolf.

6. Bob Dylan

Diese Platte war nicht nur zu DDR-Zeiten begehrt und vergriffen: Die Dylan-LP von 1967 gilt heute als seltenste und am schwersten aufzutreibende Amiga-Lizenzplatte überhaupt. Entsprechend erzielt sie unter Sammlern Spitzenpreise. Auf der Vinyl-Plattform discogs.com müsste man derzeit für das einzige verfügbare Exemplar unglaubliche 850 Euro hinblättern.

Die Scheibe enthält ausschließlich Songs aus Dylans Folk-Phase zu Beginn seiner Karriere. Dazu zählen das schon damals ausgeleierte „Blowin' In The Wind“ (Track eins auf der Amiga-LP) sowie „A Hard Rain's A-Gonna Fall“, vielleicht der Protest-Song schlechthin.

Es sind Tracks aus einer Zeit, in der Dylan von der Folk-Szene zur Galionsfigur der  Protest-Bewegung der frühen 60er Jahre und zur „Stimme seiner Generation“ erkoren wurde. Ein Image, von dem er sich ab circa 1964 – erst durch die Hinwendung zur Rockmusik, später mittels aller möglichen Wandlungen seiner Person, seiner Texte und seiner Musik – mühsam zu befreien versuchte.

Der erste zähe Kampf gegen die Vereinnahmung seiner Person gipfelte 1966 in einer Tour durch Großbritannien, auf der Dylan trotzig und mit Hilfe der aufgedrehten Verstärker seiner Begleitband (später The Band) gegen die Buh-Rufe seiner folk-puristischen Anhängerschaft anspielte.

Songs dieser Periode, allen voran „Like A Rolling Stone“, sind allerdings erst auf der zweiten Dylan-Amiga-LP von 1980 zu hören gewesen. Im Gegensatz zur 67er-LP ist sie heute recht gut zu bekommen.

5. Queen

Anfang der Achtziger waren Queen ein stadionfüllender Top-Act im Rockgeschäft. Sänger Freddie Mercury hatte die langen Haare und Glitzeroutfits der Siebziger gegen Jeans, knappe Shirts und Schnauzbart eingetauscht.

Auch die Musik änderte sich nachhaltig. Der theatralische Hard- und Progressive-Rock wich einem frischeren, weniger bombastischen Sound, der mit seinen Synthesizer-Beigaben auch ein Pop-Publikum erreichte.

Zeugnis dieses Wandels ist das mit David Bowie aufgenommene „Under Pressure“, mit dem Queen 1981 auf Platz eins der britischen Charts stehen. Aber auch das ein Jahr zuvor veröffentlichte „Another One Bites The Dust“ zeugt vom Wandel.

Genau in dieser Umbruchsphase, nämlich 1981, schwappt ein Queen-Sampler aus dem Hause Amiga in die DDR-Plattenläden. Leider – wie so oft bei Amiga – ohne die gerade aktuellen Hits. Die Scheibe enthält ausschließlich das teils opulente Material der Siebziger, darunter „Bohemian Rhapsody“, „Killer Queen“ und „We Will Rock You“.

4. Depeche Mode

Diese LP war bitter nötig. Synthie-Pop war in den 80er Jahren das nächste große Ding und Depeche Mode standen an der Spitze der neuen Bewegung, sowohl optisch als auch musikalisch. Sie waren die Vorreiter. Und die DDR-Jugend identifizierte sich mit ihnen.

Im Begleittext zur MDR-Dokumentation „Depeche Mode und die DDR“ heißt es, die Begeisterung für die Band sei in Ostdeutschland einzigartig gewesen, da Ästhetik und Industriesound der Briten unbeabsichtigt die DDR-Realität spiegelte. So habe es über 70 Fanclubs im Osten gegeben.

Die Amiga-Platte war ein Zugeständnis an die Fans, ein Versuch, die Jugend bei Laune zu halten. Und Amiga hatte sich mit der LP, die 1986 veröffentlicht wurde, richtig ins Zeug gelegt. Keine andere Scheibe unseres Rankings ist zum Zeitpunkt der Veröffentlichung so aktuell.

So stammen viele der enthaltenen Songs vom damals aktuellen Depeche-Mode-Album „Black Celebration“, das im selben Jahr, 1986, heraus kam. Das restliche Material auf dem Amiga-Sampler, darunter „People Are People“, stammt vorwiegend vom 1984er Album „Some Great Reward.“

1988 durften Dave Gahan, Martin Gore und Co. sogar ein triumphales Konzert in der Ost-Berliner Werner-Seelenbinder-Halle spielen. Für das DDR-System zurück gewinnen, ließ sich die Jugend dadurch freilich nicht.

Plätze drei bis eins

3. AC/DC – Highway to Hell

Die „Hard-and-Heavy“-Szene hatte es vielleicht besonders schwer in der DDR. „Wer Metalplatten beispielsweise von ,Iron Maiden‘, ,Judas Priest‘ oder ,Motörhead‘ wollte, musste bis zu 250 Ostmark hinlegen“, erinnert sich Plattenhändler René Rausch. Natürlich habe man sie nur schwarz oder in den sozialistischen Nachbarländern bekommen.

Metal- und Hard-Rock-Bands waren zwar meist nicht politisch, seien den DDR-Verantwortlichen aber wahrscheinlich wegen ihrer Aggressivität ein Dorn im Auge gewesen, spekuliert Rausch.

Als 1981 AC/DCs „Highway To Hell“ in die DDR-Plattenläden einmarschiert, dürfte das Balsam für die Heavy-Szene gewesen sein. Gut vorstellbar, wie schnell das Album, das AC/DC 1979 zum internationalen Durchbruch verholfen hatte, vergriffen war. Die Scheibe ist auch heute noch rar, sodass man laut Rausch schon in Richtung 20 Euro für ein Exemplar ausgeben muss – wenn man denn eine in die Finger bekommt.

Für die Amiga-Version von „Highway To Hell“ wurde übrigens das Plattencover geändert. Auf dem Original stiert Angus Young in Schuluniform und mit Teufelshörnern aufrührerisch vom Umschlag. Wohl zu viel für die Amiga-Macher.

2. Michael Jackson – Thriller

Auch mit dieser Veröffentlichung von 1984 war Amiga einigermaßen auf der Höhe der Zeit. 1983 in die (West-)Deutschen Charts eingestiegen, war Michael Jacksons „Thriller“ über drei Jahre in der Rangliste platziert. Als die Amiga-Version in die Ost-Plattenläden kam, war die Scheibe also auch im Westen noch heiß.

Bei der DDR-Jugend dürfte die Platte entsprechend ganz besonders begehrt gewesen sein – begehrter jedenfalls als die 60er-Jahre-Bands, die Amiga Anfang der Achtziger so fleißig auf den Markt brachte.

Das 1982 erstmals veröffentlichte „Thriller“ machte Michael Jackson nicht nur zum „King of Pop“, es ist auch das erfolgreichste Album der Musikgeschichte. Über 100 Millionen Kopien sollen sich laut Rolling Stone bis heute verkauft haben. Es enthält die Jackson-Megahits „Beat It“, „Billie Jean“ und natürlich „Thriller“.

1. The Beatles

Gleich fünf verschiedene LPs veröffentlichte Amiga von den Beatles. Die erste Platte (grün, ganz vorn) kam bereits 1965 heraus. „Da waren die Beatles noch aktiv und die Platte dadurch ein echter Knaller“, sagt Plattenhändler René Rausch.

Dieser erste Beatles-Sampler sei deshalb auch heute noch sehr selten und begehrt. Entsprechend koste die Platte, so Rausch, heute in gutem Zustand 150 Euro und mehr. Enthalten sind mit „Please, Please Me“, „She Loves You“ und „A Hard Day's Night“ die frühen Hits von Lennon, McCartney, Harrison und Starr.

Die nächste LP mit dem Titel „A Collection Of Beatles Oldies“ (oben Mitte) kam gut neun Jahre später, 1974, in die Läden. Enthalten sind bis auf zwei Ausnahmen nur Nummer-Eins-Hits, neben wiederum sehr frühen Songs sind diesmal auch Titel aus der progressiveren Prä-„Sgt.-Pepper's“-Phase dabei, darunter „Paperback Writer“ und „Eleanor Rigby“.

Der dritte Amiga-Sampler wurde in zwei verschiedenen Ausführungen (links oben und unten) 1980 unter dem Titel „1967-1970“ veröffentlicht. Er widmet sich dem Spätwerk der Beatles und lässt hierbei fast keine Wünsche offen. Neben den Klassikern „Hey Jude“, „Let It Be“ und „Something“ sind Filetstücke der Alben „Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band“ und „Magical Mystery Tour“ versammelt.

Die letzte Beatles-Veröffentlichung von Amiga stammt aus dem Jahr 1983 und ist eine Nachpressung der LP von 1965, wurde allerdings um einige, auch unbekanntere frühe Stücke erweitert. (mz)