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„Tunnel der Freiheit“: Spektakuläre Flucht in den Westen

Am 13. August 1961 schloss die DDR die Grenzen nach West-Berlin. 60 Jahre später zeigt die Dokumentation „Tunnel der Freiheit“, wie 29 Menschen die Flucht aus dem Ostteil der Stadt gelang.

Von dpa
Domenico Sesta (Mimo) in einer Szene aus dem Dokumentarfilm "Tunnel der Freiheit".
Domenico Sesta (Mimo) in einer Szene aus dem Dokumentarfilm "Tunnel der Freiheit". -/SWR/NBC/National Archives/dpa

Berlin - Der Mauerbau in Berlin 1961 trennt Familien und Freunde. Eine Gruppe Studenten aus dem Westteil der Stadt will das nicht hinnehmen. Monatelang graben sie einen Tunnel, durch den sie Angehörige aus dem Osten holen wollen.

Es ist eine nervenzehrende und kraftraubende Gemeinschaftsaktion unter strengster Geheimhaltung. Die Männer riskieren ihr Leben und schaffen es schließlich, 29 Menschen in den Westen zu schleusen. Die Dokumentation „Tunnel der Freiheit“ zeigt beeindruckendes und bewegendes Filmmaterial vom Tunnelbau 1962 und Gespräche mit Zeitzeugen. Zu sehen ist sie am Mittwoch um 23.00 Uhr im Ersten.

Das Filmmaterial hatten die Tunnelbauer damals dem US-Fernsehsender NBC verkauft, um mit dem Geld das Projekt finanzieren zu können. 1999 drehte Regisseur Marcus Vetter die Dokumentation „Der Tunnel“, für die er mit Fluchthelfern und Geflüchteten sprach. Zum 60. Jahrestag des Mauerbaus hat Vetter ein sehenswertes Remake der Dokumentation aufgelegt und dafür erneut Zeitzeugen getroffen.

Die beiden Initiatoren des Tunnelbaus, zwei italienische Studenten, sind den Angaben nach inzwischen gestorben. Sie hatten damals die Idee, einen Tunnel zu graben, um einen Freund in den Westen zu holen. Die Doku zeigt, wie sie den Ausgangspunkt und das Ziel ausloteten, mit welchen Problemen sie beim Graben kämpften, wie sie immer mehr Helfer und Helfershelfer fanden und dabei stets in der Angst lebten, verpfiffen zu werden.

Von einem Friedhof klauen die Studenten Spaten und Schubkarre und legen los. Monatelang graben sie sich durch den Berliner Boden, errichten eine Holzkonstruktion, um den Tunnel zu stützen, bauen einen Seilzug samt Wagen ein, um die Erde herauszufahren und sorgen über Ofenrohre für die lebensnotwendige Frischluftzufuhr. Selbst einen Wasserrohrbruch über dem Tunnel können sie lösen - mit Hilfe der Berliner Behörden.

Am Ende, als das Ziel erreicht ist, füllt sich der Tunnel bereits wieder mit Wasser. 29 Menschen gelingt die Flucht, ehe der Bau einstürzt. Drei Monate später zeigt die NBC die spektakulären und bewegenden Aufnahmen. Die Bilder des Tunnels gehen um die Welt.

Die Dokumentation „Tunnel der Freiheit“ zeigt, wie Wut und Mut eine Gruppe Studenten zu einer einzigartigen Aktion motiviert haben. Beim Graben und Schaufeln habe man fluchen können, erinnert sich einer. „Das galt dann immer dem Feind.“ Die jungen Männer schufteten für ihre Angehörigen und Freunde im Osten und für politische Ideale. „Tunnel der Freiheit“ ist eine Geschichte über Solidarität, Vertrauen, Durchhaltevermögen, Freundschaft und Familiensinn.