1. MZ.de
  2. >
  3. Kultur
  4. >
  5. TV & Streaming
  6. >
  7. Der kleine Muck: Warum der DDR-Kinderstar in den Westen floh

Eil

Bekannter Defa-Märchenfilm "Der kleine Muck": Warum der DDR-Kinderstar plötzlich in den Westen fliehen musste

Der DDR-Märchenklassiker "Die Geschichte vom kleinen Muck" begeisterte Millionen Kinder mit exotischen Bildern und Magie. Wie der Film entstanden ist, wo man ihn heute noch anschauen kann und was aus dem jungen Hauptdarsteller wurde.

Von Jonas Lohrmann 22.01.2026, 09:41
"Die Geschichte vom kleinen Muck" zählt bis heute zu den bekanntesten und erfolgreichsten Filmen, die in der DDR produziert worden sind.
"Die Geschichte vom kleinen Muck" zählt bis heute zu den bekanntesten und erfolgreichsten Filmen, die in der DDR produziert worden sind. (Foto: Defa-Stiftung/Eduard Neufeld)

Halle (Saale)/Magdeburg/DUR. – Der Film "Die Geschichte vom kleinen Muck"  ist einer der bekanntesten Filme aus der DDR. Viele Menschen haben ihn schon als Kinder gesehen.

Die Geschichte, die Bilder und die Figuren sind bis heute in Erinnerung geblieben. Noch immer wird der Film im Fernsehen gezeigt und begeistert auch heute wieder viele Kinder.

Lesen Sie auch: Nur echte Ossis kennen sie: Diese DDR-Serien liefen in jedem Wohnzimmer

"Die Geschichte vom kleinen Muck": So ist der Film in der DDR entstanden

Entstanden ist der Film im Jahr 1953 – und zwar in Farbe, was damals in der DDR etwas Besonderes war. Produziert wurde er von der staatlichen Filmgesellschaft Defa. Die Geschichte basiert auf einem Märchen des deutschen Dichters Wilhelm Hauff.

Außerdem interessant: Winnetou des Ostens: So kam DDR-Star Gojko Mitić zu seiner ersten Hauptrolle

Regie führte Wolfgang Staudte. Eigentlich wollte er lieber ernste, politische Filme drehen. Doch ein anderes Projekt kam nicht zustande. So erhielt er plötzlich die Chance und das Geld für einen Märchenfilm. Daraus machte er eine aufwendige Großproduktion.

Drehort Babelsberg: Defa-Filmstudios als orientalische Märchenwelt

Gedreht wurde in den Babelsberger Filmstudios. Dort entstand eine ganze orientalische Welt mit Palästen, Gassen und Märkten. Die Kulissenbauer arbeiteten monatelang daran. Insgesamt gab es rund 140 Drehtage. Am Ende sah der Film so aus, als wäre er in einem fernen Land entstanden, dabei wurde alles in Brandenburg gebaut.

Mit aufwendigen Kulissen und orientalischer Atmosphäre ist dieser Film vielen in Erinnerung geblieben.
Mit aufwendigen Kulissen und orientalischer Atmosphäre ist dieser Film vielen in Erinnerung geblieben.
Foto: Defa-Stiftung/Eduard Neufeld

Im Mittelpunkt der Geschichte steht der Junge Muck. Er ist arm, klein und wird von anderen verspottet. Nach dem Tod seines Vaters ist er auf sich allein gestellt. Auf seinen Reisen durch den Orient erlebt er viele Abenteuer. Er trifft Könige, Händler und Betrüger, Menschen, die ihm helfen und solche, die ihn ausnutzen.

Tiere im Defa-Film: Affen, Kamele und Elefanten vor der Kamera

Besonders wichtig sind seine Zauberpantoffeln, mit denen er blitzschnell laufen kann, und ein magischer Stock, der verborgene Schätze zeigt. Doch der Film erzählt nicht nur von Zauberei, sondern auch von Mut, Gerechtigkeit und davon, seinen eigenen Weg zu finden.

Lesen Sie auch: Erinnern Sie sich noch? Diese Kinderbücher lagen in fast jedem DDR-Kinderzimmer

Während des Drehs waren nicht nur Schauspieler im Einsatz. Auch viele Tiere wirkten mit: Affen, Kamele, Tiger und sogar Elefanten. Besonders die Affen blieben vielen Kindern in Erinnerung und machten den Film noch lebendiger.

Premiere 1953 im Kino Babylon Berlin: Start eines Kinoerfolgs in der DDR

Die Filmpremiere fand am 23. Dezember 1953 im Berliner Kino Babylon statt. Der Film wurde schnell ein riesiger Erfolg. Laut Defa-Filmdatenbank sahen ihn mehr als zwölf Millionen Menschen im Kino. Auch im Ausland lief der Film. Damit gehört der Märchen-Klassiker zu den erfolgreichsten Filmen der DDR-Geschichte.

Zudem lesenswert: Ein Schluck DDR! Diese Kult-Getränke gibt es heute noch im Supermarkt

Die Hauptrolle spielte der damals elfjährige Schauspieler Thomas Schmidt. Trotz des Erfolgs blieb seine Familie aber nicht in der DDR. Im Jahr 1955 flüchtete sie nach München in den Westen.

Wie der Schauspieler des kleinen Muck vom Film kaum profitierte

Der Grund war politischer Druck: Schmidts Stiefvater, der als Autor arbeitete, sollte ein Drehbuch ideologisch verändern. Für ihn war klar, dass es in der DDR keine echte künstlerische Freiheit mehr geben würde. Deshalb verließ die Familie das Land.

Noch bis zum 2. Februar kann der Märchen-Klassiker in der ARD-Mediathek kostenfrei angeschaut werden.

Finanziell brachte der große Erfolg dem Jungen selbst kaum etwas ein. In der DDR waren hohe Gagen für Kinder unüblich. Das Geld soll an die Familie gegangen sein. Davon kauften seine Eltern unter anderem ein Auto. Thomas Schmidt hätte die Gage lieber gegen den Affen aus dem Film eingetauscht, sagte er im Jahr 2005 in einem Interview mit der Superillu.

Der kleine Muck: Das spätere Leben von Schauspieler Thomas Schmidt

Thomas Schmidt selbst kehrte der Schauspielerei den Rücken. Er studierte Psychologie und Medizin, wurde Wissenschaftler an der Medizinischen Hochschule Hannover und arbeitete unter anderem an der Entwicklung einer speziellen Nasendusche zur Behandlung von Nasennebenhöhlenproblemen.

Lesen Sie auch: Zuckertüte, Jugendklubs, Wehrunterricht: Was von der DDR-Kindheit in Erinnerung bleibt

Die vielseitige Karriere des einstigen Kinderstars endete abrupt durch eine schwere Erkrankung. Im Jahr 2008 starb Thomas Schmidt im Alter von 66 Jahren an den Folgen einer Leukämie.