Trip auf dem Yukon

Till Lindemann und Joey Kelly und ihr neues Buch „Trip auf dem Yukon“

Halle (Saale) - Till Lindemann und Joey Kelly haben gemeinsam eine Abenteuerreise unterneommen und nun ein Buch herausgebracht.

03.12.2017, 10:00

Es ist eine Verbindung, bei der man sich im ersten Moment die Augen reibt: Joey Kelly und Till Lindemann? Zwei Männer, zwei Welten, möchte man meinen. Der eine Mitglied der eher als brav bekannten Folk-Familienband Kelly Family, die mit Straßenmusik startete und in den 90ern auf den großen Bühnen landete. Einer, der auch als Abenteurer und Ausdauersportler von sich reden machte.

Der andere: Frontmann von Rammstein, der Berliner Rockband, die gerne - häufig im wahrsten Sinne - mit dem Feuer spielt. Nicht nur Sänger, sondern auch ausgebildeter Pyrotechniker. Die Feuerkunst wird gepflegt bei den legendären Shows, genauso wie Provokation und Tabubruch. Wo soll bei zwei so unterschiedlichen Typen eine Verbindung sein? Nun, ganz offenkundig war es jüngst eine Tour mit dem Kanu auf dem Yukon, jenem knapp 3.000 Kilometer langen Strom in Alaska und Kanada. Ein beeindruckender, großformatiger Bildband ist daraus entstanden.

Till Lindemann und Joey Kelly sind schon lange befreundet

Was viele nicht wissen: Diese zwei Männer kennen sich schon lange, sind befreundet. Sie kamen vor Jahren hinter den Kulissen einer Award-Verleihung ins Gespräch. Und haben offenbar mehr gemeinsam, als man annehmen könnte. Den Sport zum Beispiel, und die Lust an der Herausforderung. Sport? Natürlich, Joey Kelly ist bekannt als Extremsportler.

Der 44-Jährige hat mehr als 100 Marathons und noch härtere Wettkämpfe bestritten - wie auch einen 400 Kilometer langen Wettlauf zum Südpol. Doch auch Till Lindemann weiß, wie es sich anfühlt, an die körperlichen Grenzen zu gehen - nicht nur von den spektakulären Rammstein-Shows. Der gebürtige Leipziger, Jahrgang 1963, war bis zu seiner Jugend Leistungssportler, ein Schwimmer. Disziplin: 1.500 Meter Freistil.

Joey Kelly: „Dieser Trip war ein Wettkampf gegen mich selbst.“

Die Kraft im Oberkörper konnte er gut gebrauchen bei ihrem dreiwöchigen Trip auf dem Yukon, für den beide auf dem Rhein mit Experten trainiert hatten. Er sei nach all der Anstrengung am Ende froh gewesen, als es vorbei war, bekennt Lindemann in dem fast 200 Seiten starken Bildband.

Yukon - Mein gehasster Freund“ zeigt denn auch neben einer Vielzahl von Fotografien von Thomas Stachelhaus, die die überwältigende Landschaft an dem Fluss dokumentieren, zudem solche, bei denen manch Strapaze erahnbar wird. Die Männer im kalten Fluss, mit angestrengten Mienen im Boot, ganz klein und allein in übermächtig erscheinender Natur. Kein gewöhnlicher Urlaub, klar. Sie wollten es so. Und es klingt eher angetan als bedauernd, wenn Joey Kelly erklärt: „Dieser Trip (...) war ein Wettkampf gegen mich selbst.“

Abgeschnitten von der Außenwelt

Am Ende entstanden auf der Reise, abgeschnitten von der Außenwelt, auch Texte, die den Bildband ergänzen. Till Lindemann, der bereits zwei Gedichtbände veröffentlicht hat, machte sich immer abends Notizen. Und schrieb in der Wildnis auch den Song „Yukon“.

Wohin es nächstes Mal gehen soll, darüber denken die sich so ähnlichen wie ungleichen Männer übrigens schon nach. (mz)

Joey Kelly, Till Lindemann: Yukon - Mein gehasster Freund, National Geographic Verlag, 192 Seiten mit circa 120 Abbildungen, 79 Euro