Gewinnspiel 2012

Gewinnspiel 2012: Schleichwerbe-Verdacht gegen MDR Jump

Magdeburg/MZ - Der Rechnungshof Sachsen-Anhalt prüft im Auftrag der Staatskanzlei des Landes derzeit ein Gewinnspiel des Radiosenders „MDR Jump“. Das teilte Regierungssprecher Matthias Schuppe auf MZ-Anfrage mit. Ohne Details zu nennen, sagte Schuppe, dass das Ergebnis der Prüfung zusammen mit einer Stellungnahme des MDR Bestandteil einer „rechtsaufsichtlichen Prüfung“ der drei Staatskanzleien im Sendegebiet seien. Aus dem Juristendeutsch übersetzt heißt das: Die Landesregierungen prüfen den Verdacht der Schleichwerbung bei dem gebührenfinanzierten Sender sowie wettbewerbsverzerrendes Verhalten gegenüber privaten ...

Von Hendrik Kranert-Rydzy und Katrin Löwe

Der Rechnungshof Sachsen-Anhalt prüft im Auftrag der Staatskanzlei des Landes derzeit ein Gewinnspiel des Radiosenders „MDR Jump“. Das teilte Regierungssprecher Matthias Schuppe auf MZ-Anfrage mit. Ohne Details zu nennen, sagte Schuppe, dass das Ergebnis der Prüfung zusammen mit einer Stellungnahme des MDR Bestandteil einer „rechtsaufsichtlichen Prüfung“ der drei Staatskanzleien im Sendegebiet seien. Aus dem Juristendeutsch übersetzt heißt das: Die Landesregierungen prüfen den Verdacht der Schleichwerbung bei dem gebührenfinanzierten Sender sowie wettbewerbsverzerrendes Verhalten gegenüber privaten Sendern.

„Jump“ hatte vor gut einem Jahr 15 Audi A3 inklusive Winterreifen an seine Hörer verlost. Kosten für die Fahrzeuge inklusive Überführung und Werbeaufdrucken: 321.716 Euro und 25 Cent. Hinzu kamen noch 33.500 Euro für Tankgutscheine. Finanziert wurde das Gewinnspiel von der MDRW, einer Tochter des Senders, die für den Verkauf von Werbung zuständig ist. Laut MDR stammt das eingesetzte Geld aus Werbeerlösen - doch daran hegen die Staatskanzleien offenbar Zweifel. Es bestünde der Verdacht, das auch Gebührengelder verwendet wurden, heißt es.

Besonders übel stößt in Magdeburg, Erfurt und Dresden aber auf, dass der Sender seine Hörer in einem Maß mit Informationen über die verlosten Fahrzeuge beschallte, was „einen tatsächlichen Werbeeffekt für den Fahrzeugtyp Audi A3 (...) erzeugte, der über das programmlich Notwendige hinaus ging“, schreibt der Chef der Staatskanzlei Sachsen-Anhalt, Rainer Robra (CDU), an MDR-Intendantin Karola Wille. Bis zu 96 Mal sei in 24 Stunden das Fahrzeugmodell samt Ausstattungsdetails genannt worden - acht Wochen lang.

Dumm für den MDR: Wenn es Schleichwerbung war, hat er sich dafür nicht einmal bezahlen lassen. Audi gewährte lediglich einen Mengenrabatt von 18 Prozent - das schaffen clevere Käufer auch ohne einen Rundfunksender im Rücken. Es sei daher fraglich, warum sich der MDR ausschließlich auf den einen Fahrzeugtyp aus dem Premiumsegment konzentrierte, schreibt Robra und schlussfolgert: „Der MDR hat bei der Auslobung eines Sachpreises ein Produkt einseitig bevorzugt.“

MDR-Sprecher Walter Kehr gab sich ob der Prüfungen nach außen hin relativ entspannt. „Da ist uns nicht bang. Wir haben nichts getan, was nicht erlaubt wäre - jedenfalls aus unserer Sicht“, sagte er am Donnerstag. Redaktionelle Mittel seien für die Verlosung nicht eingesetzt worden. Und eine Nennung des Gewinns müsse eben sein. Wenn der Fall so eindeutig wäre, wie ihn nun Kritiker sehen, wäre die Prüfung im Übrigen viel schneller abgeschlossen worden, glaubt Kehr.

Der sachsen-anhaltische Landtagsabgeordnete Stefan Gebhardt, der für die Linken im Rundfunkrat des MDR sitzt, verteidigte indes Art und Umfang des Gewinnspiels: „Es ging mit dem Gewinnspiel darum, Marktanteile zu sichern - das ist gelungen.“ Die Jugendwelle stünde im Wettbewerb mit privaten Anbietern und würde mit ihren Werbeerlösen werbefreie Angebote des MDR - etwa „Sputnik“ oder „Figaro“ - finanzieren. Einen erneuten Vorstoß von MDR-Hörfunkdirektor Johann Michael Möller, im nächsten Jahr erneut Autos zu verlosen, wurde vom Hörfunkausschuss des Rundfunkrates jedoch abgelehnt.