Gedichte für die Stammkneipe

Wie Künstlerinnen und Künstler anderen in der Krise beistehen

Von Andreas Montag
Der Berliner Dichter und Billard-Freund Gerd Adloff (Foto: Hendrik Liersch)

Halle (Saale) /Berlin

- Was tun, wenn das vertraute Kino, die geliebte Billard-Kneipe geschlossen sind? Den eigenen Kummer zu beklagen, ist eine Möglichkeit. Aber vielleicht zu wenig, wenn es nach dem gefühlt 100-jährigen Lockdown noch Filme auf der großen Leinwand zu gucken oder Kugeln zu schieben geben soll. Künstlerinnen und Künstler aus Halle haben deshalb eine Auktion eigener Werke zugunsten der lokalen Programmkinos veranstaltet. Der Ertrag kann die Spielstätten allein zwar nicht retten, aber es ist Aufmerksamkeit entstanden.

Ähnlich halten es nun der Lyriker Gerd Adloff (68) und der Verleger Hendrik Liersch (59). Beide treffen sich normalerweise einmal wöchentlich mit Freunden in der 1913 eröffneten Kneipe „Metzer Eck“ in Berlin-Prenzlauer Berg zum Billardspielen. Manche heben ein Bier dazu, Adloff trinkt stets nur Tee. Unter anderem das lässt er in einem 2018 verfassten, schönen Gedicht wissen, das mit einem 40 Jahre älteren Text auf das „Metzer Eck“ in einer gleichnamigen Sonderedition der Corvinus Presse erschienen ist: 100 numerierte, vom Dichter wie vom Verleger signierte Exemplare für jeweils fünf Euro. Das Geld soll dem Wirtshaus zugute kommen.

Freilich ist auch diese Kunstaktion nur ein Symbol. Aber es könnte wie jenes, das den halleschen Kinos gewidmet war, als Beispiel Schule machen: Man kann etwas tun, statt nur über Solidarität zu reden. Und soll nicht immer auf die Anderen zeigen. (mz)

Gerd Adloff: „Metzer Eck“, Gedichte, Corvinus Presse Berlin, 5 Euro