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Neues Buch Khiders bittersüßes Buch über das Leben im Kalifat

Abbas Khider erzählt in „Der letzte Sommer der Tauben“ leichtfüßig von Angst, Verlust und kleinen Freuden im Schatten des IS. Warum ausgerechnet Tauben Hoffnung schenken und was Noah alles riskiert.

Von dpa 03.03.2026, 09:30
Verblüffend ruhig und klar schreibt Abbas Khider über den Verlust von Freiheit und den Aufstieg des Fundamentalismus.
Verblüffend ruhig und klar schreibt Abbas Khider über den Verlust von Freiheit und den Aufstieg des Fundamentalismus. Jens Kalaene/dpa

München - Der 14-jährige Noah hat wie viele seiner irakischen Landsleute eine große Leidenschaft für die Taubenzucht. Für ihn gibt es nichts Schöneres, als die Vögel in die Luft steigen zu sehen. Doch eines Tages kehren die Tiere verschreckt zurück, Hubschrauberlärm kündet vom Herannahen des IS. Mit der Freiheit ist es im Kalifat schnell vorbei. Abbas Khider erzählt diese Geschichte in seinem Roman „Der letzte Sommer der Tauben“.

Aus dem Kleidergeschäft des Vaters muss alles „Anzügliche“ verschwinden, der Onkel schließt sein Café, die Frauen in der Familie dürfen nicht mehr arbeiten. Trotz alledem gibt es noch viele kleine familiäre Freuden. Doch dann ist plötzlich der geliebte Onkel spurlos verschwunden und der unschuldige Taubenverein steht unter Terrorverdacht. Für Noah zieht sich die Schlinge immer weiter zu. Es ist schon eine Kunst, was Khider, im Irak geborener Autor deutscher Sprache, mit diesem kleinen Roman geschaffen hat. 

Über ein existentielles, zutiefst bedrückendes Thema – den Verlust der Freiheit und den Sieg des Fundamentalismus – schreibt er federleicht, anrührend und sinnlich, bisweilen sogar fast heiter. Dabei sind Bedrohung, Gefahr und Terror im Hintergrund stets unheilvoll präsent. Doch immer wieder blitzen liebevoll gezeichnete Gesten der Menschlichkeit auf. Und die bei uns oft verachteten Tauben werden zu Symbolen der Freiheit, der Harmonie und der Koexistenz. Dieser Roman ist große Literatur.